Hilfe für Schüler

„Inklusionshelfer sind unterbezahlt“

Inklusionshelfer beschäftigten sich mit Schülern in kurzfristigen Krisensituationen oder unterstützen, wenn Gruppensituationen schwierig werden.
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Inklusionshelfer beschäftigten sich mit Schülern in kurzfristigen Krisensituationen oder unterstützen, wenn Gruppensituationen schwierig werden.

Eltern haben eine Petition gestartet, die Lebenshilfe hofft auf eine politische Lösung.

Von Theresa Demski

Wermelskirchen. Im Sommer endet der Vertrag zwischen Stadt und Lebenshilfe: Dann müsste eine Vertragsverlängerung her, um die Arbeit der Inklusionshelfer an heimischen Grundschulen für die Zukunft zu sichern. Allerdings hat Axel Pulm, Geschäftsführer der Lebenshilfe, angekündigt: Es müsse dringend eine Anpassung des Lohns der Inklusionshelfer erfolgen. Die Stadt will das Projekt zwar weiterführen, aber nicht mehr Geld investieren. Bisher gibt es keine Lösung – die Eltern sorgen sich um den Fortbestand des Projekts.

Wie ist der Einsatz von Inklusionshelfern aktuell geregelt?

Seit 2015 ziehen Stadt und Lebenshilfe für den Einsatz der Inklusionshelfer an einem Strang. „Das Land NRW vergibt jedes Jahr Mittel für schulische Inklusion“, erklärt Axel Pulm, Geschäftsführer der Lebenshilfe. Die Stadt habe 2015 erstmalig bei der Lebenshilfe angefragt, ob man daraus nicht ein gemeinsames Projekt machen wolle. „Wir als Lebenshilfe Bergisches Land sind die Durchführer. Wir stellen die Mitarbeitenden ein und organisieren die übergeordnete Fachbegleitung“, erklärt Pulm. Dieses Projekt wurde erst auf ein halbes Jahr befristet, dann jährlich und zuletzt auf vier Jahre verlängert – die Verlängerung endet mit diesem Schuljahr.

Wie viele Inklusionshelfergibt es?

Aktuell arbeiten neun Inklusionshelfer in Wermelskirchen – an allen Grundschulen und an der Sekundarschule. Sie haben gemeinsam vier volle Stellen. Welche Qualifizierung bringen Inklusionshelfer mit?„Es handelt sich um Mitarbeitende mit Berufsausbildung, aber ohne pädagogische Fachqualifikation“, erklärt der Geschäftsführer der Lebenshilfe. Alle derzeit tätigen Mitarbeiter sind seit über sieben Jahren im Einsatz, haben an Fortbildungen teilgenommen und sich in vielen Fällen persönlich weiterqualifiziert. „Das aktuelle Fach-Niveau ist deutlich höher als bei vergleichbaren Nicht-Fachkräften“, erklärt Pulm.

Welche Aufgaben übernehmen Inklusionshelfer?

„Sie unterstützen die Schulen strukturell“, erklärt Pulm. Sie sind keine Einzelfallhelfer. Stattdessen übernähmen sie bestimmte Gruppen für einzelne Arbeitssequenzen, beschäftigten sich mit Schülern in kurzfristigen Krisensituationen oder unterstützen, wenn Gruppensituationen schwierig werden.

Welchem gesetzlichen Auftrag kommt die Stadt mit dem Einsatz der Inklusionshelfer nach?

Keinem. „Es handelt sich um eine freiwillige qualitätsverbessernde Maßnahme der Stadt Wermelskirchen“, erklärt Pulm.

Wie wird die Arbeit der Inklusionshelfer finanziert?

Die Arbeit der Inklusionshelfer schlägt mit 112 620 Euro jährlich zu Buche – von denen 66 000 Euro aus Landesmitteln bezahlt werden, den Rest übernimmt die Stadt.

Welche Forderungen der Lebenshilfe stehen nun im Raum?

Die Lebenshilfe fordert eine Anpassung der Bezahlung der Inklusionshelfer an die Bezahlung der Schulbegleiter in NRW – die Kosten würden auf 158 848 Euro steigen. „Schulbegleiter werden tariflich so eingruppiert, das sie bei einer halben Stelle rund 1500 Euro brutto erhalten“, erklärt Pulm. Inklusionshelfer erhalten rund 400 Euro weniger im Monat. „Das ist absolut unterbezahlt“, betont Pulm. Als Träger habe die Lebenshilfe Jahren deswegen dreimal eine zusätzliche Prämie ausgezahlt. „Das ist aber keine Lösung auf Dauer“, sagt Pulm, „da uns das Geld dann an anderer Stelle fehlt.“ Die Mitarbeiter könnten ohne Probleme eine besser bezahlte Tätigkeit bekommen. „Aber sie bleiben“, sagt Pulm, „denn sie lieben diese Tätigkeit, weil sie viel bewirken können und eine positive Resonanz bekommen. Sie sind diejenigen, die das Projekt zum Erfolg gebracht haben.“

Wie sieht die aktuelle Lage aus?

Die Politik hat die Verlängerung des Projekts bereits beschlossen. „Wir werden städtisches Geld im Umfang wie bisher zur Verfügung stellen“, hat Bürgermeisterin Marion Lück im Interview mit unserer Redaktion erklärt. Außerdem sei entschieden worden, sollte der Zuschuss vom Land höher ausfallen, den städtischen Anteil nicht entsprechend zu kürzen. Ob der Zuschuss höher ausfällt, ist allerdings noch nicht klar. Also gibt es aktuell noch keine Lösung. „Prinzipiell ziehen die Stadt und wir am gleichen Strang“, erklärt Pulm. Er verstehe den Unmut der Bürgermeisterin, die nicht dafür bestraft werden wolle, dass Wermelskirchen sieben Jahre lang freiwillig ein Projekt gefördert habe, das eigentlich Landessache sei. „Anderseits hilft das den Eltern, Schülerinnen und Schülern derzeit nicht“, betont Pulm, „wir versuchen derzeit gemeinsam, das Ganze noch zu retten.“

Wie geht es weiter, wenn die Bezahlung der Integrationshelfer nicht angepasst wird?

„Die Mitarbeitenden müssen angemessen tariflich bezahlt werden“, betont Pulm, „hier gibt es keinen Verhandlungsspielraum. Das weiß die Stadt auch.“ Ob bei gleichem Budget eine Verkleinerung des Projekts denkbar sei, werde mit den Schulleitungen diskutiert. Es gebe aber eine Untergrenze, an der man sagen müsse: „So macht es nun gar keinen Sinn mehr.“

Wie reagieren die Eltern?

Es gibt eine Petition, die Eltern der Grundschule „Am Haiderbach“ in Umlauf gebracht haben. Eine Presseanfrage bei den Initiatoren blieb unbeantwortet. In der Petition, die inzwischen Eltern aller Grundschulen unterschrieben haben, wird die Bürgermeisterin aufgefordert, die Arbeit der Inklusionshelfer dringend zu erhalten. „Die Petition hat den falschen Adressaten“, hat die Bürgermeisterin dazu klargestellt. Die Sicherstellung des Unterrichts, die Unterstützung von Lehrern und Schülern sei eine Landesaufgabe und deshalb müsse dieses Projekt auch voll seitens des Landes finanziert werden.

Geschichte

Als sich im Jahr 1963 einige Sonderschullehrer aus dem Rhein-Wupper-Kreis zusammentaten, um die Ideen der bundesweit gegründeten „Lebenshilfe“ vor Ort zu konkretisieren, war keinem klar, dass hieraus in 50 Jahren einer der größten Anbieter der Region von Unterstützungsangeboten für Menschen mit Behinderung werden würde. 1964 trafen sich dann 30 Gründungsmitglieder und die „Lebenshilfe – Verein für lebenspraktisch bildbare Menschen, Wermelskirchen“ wurde aus der Taufe gehoben. Die ersten Jahre waren vom stetigen Ausbau des Angebotes für Menschen mit Behinderung geprägt.

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