Hausärzte

Impfung geht in die Praxen – aber langsam

Tobias Hopff würde gern möglichst schnell so viele Menschen wie möglich impfen. Archivfoto: Anja Carolina Siebel
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Tobias Hopff würde gern möglichst schnell so viele Menschen wie möglich impfen. (Archivfoto)
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Nach Ostern sollen die Hausärzte mit der Immunisierung beginnen, aber der Impfstoff ist rar.

Wermelskirchen. Tobias Hopff ist sauer. Als verantwortungsbewusster Mediziner kann der Sprecher der Wermelskirchener Hausärzte, der im Grunde ein friedliebender Mensch ist, momentan nur verärgert reagieren. „Meiner Meinung nach könnten wir mit den so wichtigen Impfungen längst durch sein“, ist der Dabringhauser Hausarzt überzeugt. „Was die Logistik und das Engagement angeht, können wir Hausärzte das stemmen. Wir impfen zum Beispiel ja auch seit Jahren quasi nebenbei gegen Grippe.“

Allerdings wird die Menge an Impfstoff, die die Praxen zunächst bekommen werden, äußerst gering ausfallen. Hopff: „Zugesagt wurden uns 50 Dosen pro Woche. Wir rechnen aber zum Teil mit weniger.“ Verimpft werden in den Arztpraxen zunächst nur Impfstoffe von Biontech/Pfizer. „Die Lagerung ist inzwischen für uns auch kein Problem mehr“, sagt Tobias Hopff. Er verstehe indes nicht, dass es „quasi mit angezogener Handbremse“ in Deutschland losgehe. „Der Impfstoff wird ja nun mal in Deutschland hergestellt. Dass wir trotzdem immer noch so hinterherhinken, ist wirklich beschämend“, sagt er. „Nicht nur in Israel, sondern auch in Großbritannien und den USA herrscht eine ganz andere Schlagzahl.“

Bereits Ende Februar hatte sich der Ortsvorsitzende der CDU mit Mitgliedern der Verwaltung und Impfärzten mit einem Schreiben an den NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gewandt. Inhalt des Schreibens: Politiker und Stadtspitze baten darum, eine Impf-Schwerpunktpraxis in Wermelskirchen zu etablieren.

Das ist jetzt, einen Monat später, offenbar vom Tisch, Denn gestern bekam Stefan Leßenich den Antwortbrief aus dem Düsseldorfer Ministerium.

Darin heißt es, dass Priorität beim Impfen immer noch die Impfzentren hätten. Und weiter: „Darüber hinaus hatte Nordrhein-Westfalen ursprünglich als bundesweit erstes Land geplant, den Übergang des Impfgeschehens in die ambulante Regelversorgung der Arztpraxen einzuleiten. Die Bundeskanzlerin und die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Lander haben sich am 19. März dazu entschlossen, bundeseinheitlich bereits in der 14. Kalenderwoche – und damit zwei Wochen früher als zunächst geplant – mit den Corona-Schutzimpfungen in Arztpraxen zu starten.“

Jetzt käme es darauf an, einfach mal zu machen.

Tobias Hopff, Sprecher der Wermelskirchener Hausärzte

Für die Impfungen in Arztpraxen gelte allerdings weiterhin die Priorisierung gemäß der Coronavirus-Impfverordnung als Grundlage. Allerdings schreibt Laumann auch, dass die „von der Ärzteschaft aber flexibel angewendet werden“ könne.

Stefan Leßenich ist enttäuscht, dass sein Schreiben erst über einen Monat später beantwortet wurde. „Jetzt können wir die Sache mit der Schwerpunktpraxis natürlich vergessen. Aber darüber hinaus sind 50 oder weniger Impfdosen pro Woche auch viel zu wenig“, sagt der Ortspolitiker, der sich von Beginn an für eine Impfkampagne in Wermelskirchen eingesetzt hatte. „Wir bräuchten mindestens 20 Impfdosen pro Tag, um richtig voranzukommen“, rechnet er vor.

Tobias Hopff kann ihm nur zustimmen. „Wir scheitern in Deutschland momentan an unserer eigenen Bürokratie“, sagt der Mediziner. „Dabei käme es gerade jetzt mal darauf an, einfach zu machen.“

Der Rheinisch-Bergische Kreis hat indes das Impftempo im Zentrum in Bergisch Gladbach angezogen. Im Impfzentrum des Rheinisch-Bergischen Kreises wurden nach eigenen Ermittlungen der Kreisverwaltung am Montag rund 926 Impfungen durchgeführt, davon 275 mit dem Impfstoff von Astrazeneca und 651 mit dem Impfstoff von Biontech.

Weitere Impfungen finden derzeit in den Krankenhäusern des Kreises und in den Einrichtungen der Pflege und über mobile Teams statt. Diese Zahlen werden unter Vorbehalt kommuniziert, betont der Kreis.

Astrazeneca

Vorsorglich hatte der Rheinisch-Bergische Kreis am Dienstag um 14 Uhr die Impfung von Frauen unter 55 Jahren mit dem Impfstoff des Herstellers Astrazeneca zunächst ausgesetzt. Gut eine Stunde später teilte das Land mit, dass Impfungen mit Astrazeneca für unter 60-Jährige grundsätzlich wieder ausgesetzt würden. Grund seien die Vorkommnisse im Kreis Euskirchen, wo es in zwei Fällen nach einer Astrazeneca-Impfung zu Komplikationen kam. Die Nebenwirkungen sollen erneut überprüft werden.

Standpunkt

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Eigentlich wäre am morgigen Donnerstag ja die Zeit der Aprilscherze. War das nicht immer herrlich, andere ein bisschen hochzunehmen und ihnen das Blaue vom Himmel zu erzählen für einen Tag? Dieses Jahr ist indes nicht die Zeit für Aprilscherze. Denn irgendwie erscheint zumindest jenen unter uns, die mit ein bisschen schwarzem Humor ausgestattet sind, die gesamte Situation derzeit wie ein einziger Aprilscherz. Allerdings wie ein sehr schlechter. Während die Mutationen um sich greifen und das Infektionsgeschehen weiter vorantreiben, hinkt man in Deutschland und anderen Ländern mit dem Impfen als einzigem Mittel gegen diese Entwicklung massiv hinterher. Statt rasch eine Strategie zu entwickeln, wie jetzt möglichst schnell eine Masse an Impfstoffen in die Arztpraxen gelangen und verimpft werden kann, verstrickt man sich im Klein-Klein – Öffnungen oder nicht, Teststrategie oder nicht, wer macht auf, wer hat zu? So verwirrend, dass selbst jene nicht mehr durchzublicken scheinen, die es eigentlich wissen müssten. Das ist so bitter, dass der Aprilscherz dieses Jahr tatsächlich im Halse steckenbleibt.

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