Gesundheit

Impfstoff könnte im Rathaus verteilt werden

Helfer des Deutschen Roten Kreuzes im Impfentrum Bergisch Gladbach. Denkbar wäre eine Anlaufstelle auch in Wermelskirchen. Foto: RBK
+
Helfer des Deutschen Roten Kreuzes im Impfentrum Bergisch Gladbach. Denkbar wäre eine Anlaufstelle auch in Wermelskirchen.

Ab Freitag gibt es zudem einen Shuttle-Service nach Bergisch Gladbach mit mehreren Kooperationspartnern.

Von Anja Carolina Siebel

Im Grunde müsste es jetzt nur noch ausreichend Impfstoff geben. Der CDU-Ortsverbandsvorsitzende Stefan Leßenich hofft stark darauf und er ist im steten Austausch mit NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Sein Ziel immer noch: eine Schwerpunktpraxis für Wermelskirchen.

„Dafür müssten wir aber mehr Impfstoff von Biontech haben“, erklärt Leßenich. Denn: Der Astrazeneca-Impfstoff ist zwar ausreichend verfügbar für die priorisierten Gruppen. Das würde dann aber nur für die unter 65-Jährigen gelten, für die dieser Impfstoff ja vorgesehen ist. „Wir möchten aber nicht die Jüngeren hier vor Ort impfen lassen, während die Älteren nach Bergisch Gladbach fahren müssen“, sagt Stefan Leßenich. „Also müssen wir warten, bis es auch genug Biontech-Impfstoff gibt und wir Grünes Licht von der Landesregierung bekommen.“

Inzwischen gebe es aber eine mögliche Alternative für Wermelskirchen. Nämlich die, das Bürgerzentrum als Verteilstelle für die Impfstoffe zu nutzen und in den Hausarztpraxen zu impfen. Dafür wirbt Impfarzt Dr. Hans-Christian Meyer. „Der Impfstoff muss zwar bei rund minus 70 Grad gelagert werden, kann aber mehrere Stunden bei höheren Temperaturen transportiert und gelagert werden. Die Hausärzte könnten ihn sich dann bei Bedarf im Rathaus abholen“, beschreibt Stefan Leßenich das mögliche Prozedere. Das würde den zu Impfenden dann umständliche Fahrten nach Bergisch Gladbach ersparen.

Auch für die Fahrerei gibt es jetzt aber eine Wermelskirchener Lösung. André Frowein vom Christlichen Sozialwerk hat sich Kooperationspartner gesucht, mit denen er jetzt einen Shuttle-Service nach Bergisch Gladbach anbietet. Ab dem morgigen Freitag soll es bereits losgehen. „Zielgruppe sind zurzeit Senioren, die ansonsten keine Möglichkeit haben, in die Kreishauptstadt zu kommen“, erklärt Frowein und betont ausdrücklich, dass er den Taxiunternehmen keine Kunden abspenstig machen wolle: „Nur haben manche ja eben keinen Taxischein oder können sich die Fahrt nicht ohne Weiteres leisten.“

Angeboten als Fahrerinnen und Fahrer haben sich Mitglieder der Kirchengemeinden, aber auch das Deutsche Rote Kreuz und Mitglieder des Bürgerbusvereins. Frowein: „Das Deutsche Rote Kreuz unterstützt uns auch bei einer kleinen Schulung zu den Hygienebedingungen in den Autos.“ So soll es in Kürze für die Freiwilligen einen kurzen, knackigen Film geben, der virtuell verbreitet wird. „Darin wird erklärt, wie die Fahrer ihre Mitfahrer im Auto sitzen lassen und wer eine Maske tragen sollte“, erklärt André Frowein.

Er sei begeistert, wie viele sich spontan bereit erklärt hätten, Fahrdienste zu übernehmen. „Das hat uns wirklich gefreut, dass so viele gleich mit vollem Engagement dabei waren.“

Das Ganze soll dann ab morgen so funktionieren: Die Senioren rufen unter Nummer (02196) 888119 im Jugendcafé Juca an. Dort erreichen sie entweder jemanden oder sprechen auf den Anrufbeantworter. „Wenn dann beispielsweise jemand in Wickhausen abgeholt werden möchte, haben wir mit Sicherheit einen Fahrer oder eine Fahrerin, die in der Nähe wohnt und das übernehmen wird“, berichtet André Frowein.

Senioren über 80 Jahre können den Service nutzen

Zunächst können den Service die Senioren über 80 Jahre in Anspruch nehmen, die derzeit schon Termine im Impfzentrum haben. „Wir können uns aber auch vorstellen, dass später auf andere Altersgruppen auszuweiten. Wichtig ist, dass ausschließlich jene den Service nutzen, die ansonsten keine Möglichkeit haben, nach Bergisch Gladbach zu kommen.“

Stefan Leßenich ist froh über das Angebot des Sozialwerks und der Kooperationspartner. „So können wir uns ganz auf die Einrichtung einer Schwerpunktpraxis oder einer Impfstoffsammelstelle konzentrieren“, sagt er. „Erreichen wir dieses Ziel, sind Fahrten nach Bergisch Gladbach möglicherweise ja überflüssig.“

Standpunkt: Das könnte Schule machen

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga-online.de

Wermelskirchen geht voran in Sachen Pandemie-Bekämpfung. Es gibt viele engagierte Wermelskirchener, die sich dafür einsetzen, dass es mit dem Impfen rascher geht, dass die Senioren besser und bequemer zum Impfzentrum kommen und schließlich sogar dafür, dass dank gemeinsamer Anstrengung der Inzidenzwert in der Stadt niedrig bleiben kann. All das kann zwar die Arbeit von Bund und Ländern nicht ersetzen, hilft aber dabei, den Zusammenhalt zu stärken und die Identifikation mit der Heimatstadt zu intensivieren. Gemeinsam erreicht man mehr, das ist nun einmal so.

Möglicherweise kann Wermelskirchen mit seinen Bemühungen um eine Schwerpunktpraxis oder eine Impfstoffsammelstelle im Rathaus aber auch zum Beispiel werden, das Schule macht. Denn es gibt viele Kreise, die so weitläufig sind, dass die Impfzentren in den größeren Städten nicht für alle gut erreichbar sind. Die Oberberger mit der Kreisstadt Gummersbach können da ebenfalls mitreden. Also bleibt zu hoffen, dass Stefan Leßenich und Impfarzt Dr. Hans-Christian Meyer mit ihren Bemühungen rasch vorankommen.

Hintergrund

André Frowein und das Team des Christlichen Sozialwerks, des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und des Bürgerbusvereins wollen den Fahrdienst ab dem morgigen Freitag für Menschen anbieten, die keine andere Möglichkeit haben, zum Impfen nach Bergisch Gladbach zu kommen.

Sie können sich unter der Nummer Tel. (02196) 888119 im Jugendcafé Juca für eine Fahrt anmelden.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Wohlfühlkonzert soll die Seele erwärmen
Wohlfühlkonzert soll die Seele erwärmen
„Schweigen hatten wir lange genug“
„Schweigen hatten wir lange genug“
„Schweigen hatten wir lange genug“
So tourt der Nikolaus durch die Innenstadt
So tourt der Nikolaus durch die Innenstadt
So tourt der Nikolaus durch die Innenstadt
Adventskalender: Zehn weihnachtliche Fragen an Gabriele van Wahden
Adventskalender: Zehn weihnachtliche Fragen an Gabriele van Wahden
Adventskalender: Zehn weihnachtliche Fragen an Gabriele van Wahden

Kommentare