Verbote und Bürokratie

Impfen: Fraktionen schreiben an Regierung

Eigentlich sollte das Impfen nun langsam Fahrt aufnehmen. Verbote und Bürokratie bremsen den Verlauf indes aus. Foto: Roland Keusch
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Eigentlich sollte das Impfen nun langsam Fahrt aufnehmen. Verbote und Bürokratie bremsen den Verlauf indes aus.

Mobile Impfteams sollen die Vakzine nicht transportieren dürfen – Das hätte weitreichende Konsequenzen.

Von Anja Carolina Siebel

Erneuter Tiefschlag Ende der Woche für Impfarzt Dr. Hans-Christian Meyer und das Team aus Verwaltung und Politik, das sich in Wermelskirchen fürs Impfen starkmacht: „Wir haben von Landesseite die Mitteilung bekommen, dass die sogenannten mobilen Impfteams, die beispielsweise in Grundschulen und Kitas zum Impfen unterwegs sein sollten, den Impfstoff nicht transportieren dürfen“, teilt Meyer mit.

Begründet würde das mit hygienischen Problemen beziehungsweise angenommenen Risiken mikrobiologischer Kontamination von Impfstoffen.

Ein entsprechendes Verbot würde nicht nur sämtliche Impfaktionen vor Ort in Frage stellen, sondern auch die geplante Schwerpunktpraxis für Wermelskirchen. Ortspolitiker der Fraktionen von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Bürgerforum, FDP und WNK/ UWG haben sich deshalb jetzt mit einem Brief an den NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gewandt.

Darin schreiben sie: „Im aktuellen Erlass der NRW-Landesregierung zur Corona-Schutzverordnung wird erfreulicherweise auch geregelt, dass Beschäftigte in Kindertagesstätten, Grundschulen, Förderschulen und in der Kindertagespflege ab dem 8. März ein Impfangebot erhalten. Die Impfungen sollen sowohl in den Impfstellen der Impfzentren als auch über mobile Teams in den Einrichtungen selbst stattfinden. Von unserem Impfarzt, Herrn Dr. Hans-Christian Meyer sowie von der Kreisverwaltung haben wir erfahren, dass ein Transport der Impfstoffe durch die Impfteams derzeit nicht genehmigt wird, obwohl alle Impfstoffe gemäß Herstellerangaben transportiert werden können. Dies ist aber zwingend notwendig, damit die Impfungen an einem Tag in möglichst vielen einzelnen Einrichtungen durchgeführt werden können.“

Wenn jede Einrichtung separat beliefert werden müsste, schreiben die Fraktionsvorsitzenden, würde dies dazu führen, dass unter Umstände viel Impfstoff verworfen werden müsste. Diese Tatsache würde eine sinnvolle Impforganisation für die oben genannten Berufsgruppen durch mobile Teams sowie das Einrichten einer Schwerpunktpraxis, zukünftig auch als Verteilerzentrum für die einzelnen Hausarztpraxen, in Wermelskirchen unmöglich machen. „Den Menschen wird Hoffnung auf ein unbürokratisches und dezentrales Impfangebot gemacht, was durch die Transportuntersagung der Impfstoffe nicht eingehalten werden kann“, heißt es.

Ab dem heutigen 8. März erhalten beispielsweise Angestellte in Kitas, Grundschulen, Förderschulen, der Kindertagespflege und in Einrichtungen der Jugendhilfe ein Impfangebot. Ihnen werden die Vakzine sowohl in den Impfzentren als auch über mobile Teams in den Einrichtungen selbst verabreicht.

Berufsgruppen werden über den Arbeitgeber angesprochen

„Angesprochen werden die Berufsgruppen im Rheinisch-Bergischen Kreis jeweils über ihren Arbeitgeber“, schreibt die Kreisverwaltung in einer aktuellen Mitteilung. Dieser erhalte dann Zugang zu einem Onlineportal, mittels dessen die Impfwünsche erfasst und koordiniert werden könnten. Einzelpersonen werden gebeten, von telefonischen oder elektronischen Anfragen abzusehen.

Auch die Immunisierungen bestimmter Polizeikräfte mit regelmäßigem Bürgerkontakt, vor allem Einsatzhundertschaften, hat der Kreis zu organisieren. Sie werden ebenfalls über den Arbeitgeber angesprochen. Ab heute sind zudem Impfungen in den (teil-) stationären Einrichtungen der Eingliederungshilfe vorgesehen, also in Werkstätten für Menschen mit Handicap, in tagesstrukturierenden Einrichtungen oder auch Kurzzeitwohneinrichtungen. Geimpft werden soll vorwiegend vor Ort, berechtigt sind dabei sowohl das Personal als auch die Menschen, die die Einrichtungen nutzen oder bewohnen. Hierzu hat das Land an Kreise und kreisfreie Städte noch keine Ausführungsbestimmungen erlassen.

Mehr unter https://www.rbk-direkt.de/impfung-covid-19.aspx.

Hintergrund

Im Hinblick auf Personen, bei denen ein hohes oder sehr hohes Risiko für den schweren oder tödlichen Verlauf einer Coronainfektion besteht (so genannte Einzelfallentscheidungen) hat das Ministerium nun präzisiert: Sie werden voraussichtlich ab Ende März ein gesondertes Impfangebot erhalten. Anfragen will der Kreis aber erst beantworten, sobald ein Erlass vorliegt.

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel @rga-online.de

Das ist wohl derzeit normal. An einem Tag ist Aufatmen angesagt, weil es ausnahmsweise mal gute Nachrichten bezüglich der Corona-Lage gibt. Und dann ist da wieder der Dämpfer. So geschehen Ende voriger Woche, als der Impfarzt des Nordkreises, Dr. Hans-Christian Meyer, darüber informierte, dass es offenbar Probleme mit dem Transport von Impfstoffen geben wird. Das Land hatte mitgeteilt, dass Transporte der Seren durch mobile Impfteams nicht zulässig seien. Was das in der Konsequenz bedeutet, ist derzeit noch nicht absehbar.

Fest steht aber, dass es die Pläne, rasch und direkt in den Kitas und Grundschulen zu impfen, zunächst einmal durchkreuzen würde und damit erneut Hürden auf die Impfteams zukämen. Es ist wirklich ein Hohn. Nun sind Impfstoffe da, der Weg wäre geebnet, auch die zweite priorisierte Gruppe Menschen zu impfen – und einmal mehr gibt es bürokratische Vorgaben, die es verhindern, dass es mit der Immunisierung ordentlich vorangeht. Was dringend nötig wäre, weil die Infektionszahlen wieder Fahrt aufnehmen. Sehr bitter. Und obendrein auch sehr peinlich für jene, die Entscheidungen treffen.

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