Impfen schreitet bundesweit voran

Impfen: Ärzte möchten richtig loslegen

Tobias Hopff würde gern wesentlich mehr Menschen in seiner Praxis impfen. Foto: Anja Carolina Siebel
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Tobias Hopff würde gern wesentlich mehr Menschen in seiner Praxis impfen.

Noch ist aber viel zu wenig Impfstoff da, um alle zu immunisieren.

Von Anja Carolina Siebel

Das Impfen schreitet bundesweit voran. So auch im Rheinisch-Bergischen Kreis. Am Mittwoch waren es insgesamt 148 329 Geimpfte im Kreis, davon 119 305 Erst- und 29 024 Zweitimpfungen. Geplant ist, dass das demnächst noch schneller geht. Denn gleich mehrere Bundesländer hoben bereits in dieser Woche die Priorisierung für alle Corona-Impfstoffe auf. Das Land Nordrhein Westfalen hingegen folgt dem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz. Heißt: Impfen für alle ab 7. Juni. Das gilt dann sowohl in Arztpraxen, bei Betriebsärzten und in den Impfzentren. Es ist allerdings möglich, dass die Priorisierung gerade in den Impfzentren noch aufrecht erhalten bleibt, weil zu wenig Impfstoff da ist.

„Eine Aufhebung der Priorisierung wird auch höchste Zeit“, sagt Dr. Hans-Christian Meyer, Impfarzt im Rheinisch-Bergischen Nordkreis. „Nachdem die vulnerablen Gruppen durchgeimpft sind, sollten alle die Chance bekommen, sich zu schützen.“ Meyer sieht die Hausarztpraxen für diese Aufgabe „bestens aufgestellt“.

So sieht das auch Tobias Hopff, der Sprecher der Wermelskirchener Hausärzte. Der Dabringhauser Mediziner beklagt indes: „Wir haben immer noch viel zu wenig Impfstoff“. So habe er für die vergangene Woche beispielsweise nur ein kleines Fläschchen mit dem mRNA-Impfstoff Corminaty der Firma Biontech/ Pfizer erhalten. „Das reicht dann für sechs Dosen, wenn ich mich anstrenge, für sieben“, sagt Hopff. „Das betrifft die Erstimpfungen. Für die Zweitimpfungen bekommen wir natürlich so viel wie wir benötigen, damit der Impfschutz für die schon Geimpften auch gewährleistet ist.“

Aber gerade auch mit den Erstimpfungen sollte es jetzt vorangehen, findet Tobias Hopff. Er bekomme „extrem viele Anfragen von Impfwilligen“ in seiner Praxis. Und muss einen Großteil vertrösten. Es gibt schlichtweg nicht genug.

„Bei uns melden sich jetzt sogar schon Eltern, die ihre Kinder gern impfen lassen möchten“, berichtet der Hausarzt. Er befürworte es zwar, Kinder ab dem 12. Lebensjahr zu impfen. „Aber dafür ist es jetzt noch zu früh.“

Der Impfstoff von Astrazeneca ist inzwischen wieder für alle Altersgruppen freigegeben. Allerdings sollten auch Impfwillige, die Astrazeneca bekommen wollen, nicht erwarten, direkt einen Termin zu bekommen und Geduld mitbringen.

Dennoch: Die Nachfrage nach Astrazeneca sei wesentlich geringer als die nach den mRNA-Impfstoffen von Biontech/ Pfizer oder Moderna, berichtet Hopff. „Das ist sicher dem schlechten Image geschuldet, das Astrazeneca auch durch die öffentliche Berichterstattung erhalten hat“, findet der Arzt. Das sei vor allem insofern bedauerlich, als dass Astrazeneca „ein hochwirksamer und guter Impfstoff“ sei.

Samstags impfen Tobias Hopff und sein Team in der Praxis in Dabringhausen mit Astrazeneca. Er müsse auch an Wochenenden arbeiten. Anders lasse sich das Impftempo nicht einhalten.

Patienten sollten nicht genutzte Termine absagen

Eine Bitte hat der Mediziner indes an seine impfwilligen Patienten: „Es kommt häufig vor, dass Patienten sich bei uns einen Impftermin geholt haben, sich aber dann im Impfzentrum impfen lassen und nicht absagen. Das bereitet uns Schwierigkeiten. Ich fände gut, wenn sie zumindest absagen würden.“ Ansonsten vertrete er die Ansicht: „Jeder Geimpfte ist ein Fortschritt auf dem langen Weg.“

Viele sind gerade jetzt besonders interessiert an einer Impfung, weil die meisten Lockerungen an bestimmte Bedingungen geknüpft sind. Entweder man ist getestet, genesen oder eben – zweifach – geimpft. Erst dann darf man beispielsweise zum Friseur oder, ab Ende der Woche auch im Rheinisch-Bergischen Kreis, die Außengastronomie nutzen oder ohne Termine in bestimmten Geschäften, die nicht zum täglichen Bedarf gehören, einkaufen.

Ab einer Sieben-Tages-Inzidenz von unter 50 dürfte es noch interessanter werden: Dann dürfen Sportstudios und Schwimmhallen wieder öffnen.

Aufklärung

Die Aufklärung über mögliche Risiken und Nebenwirkungen des Impfstoffs durch den Arzt erfolgt in der Regel in der Praxis, ähnlich wie in den Impfzentren. Eine umfassende Aufklärung gerade für Impfwillige unter 60 Jahren für Astrazeneca wird für die Hausärzte nach der Freigabe für alle erwachsenen Altersgruppen noch wichtiger. Denn sollte ein Patient umfassend aufgeklärt worden sein und nach der Impfung die bislang sehr seltenen schweren Nebenwirkungen auftreten, haftet das Land.

Standpunkt: Sensibles Thema

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Es wird immer mehr zum sensiblen Thema: das Impfen. Denn während jetzt immer mehr Menschen stolz ihren Stempel im Impfpass zeigen oder sich in den sozialen Netzwerken mit dem Status „geimpft“ ausweisen, werden jene, die noch nicht die Chance auf den begehrten Piks hatten, zunehmend ungeduldig. Viele Hausarztpraxen haben ihre Telefone bereits stundenweise auf „besetzt“ gestellt, weil sie der Flut der Anrufe einfach nicht mehr Herr werden. Und fast immer geht es um das eine Thema: Wann werde ich geimpft? Viele drängen jetzt freilich auch auf ihre Zweit-impfung, weil sie gern die Freiheiten genießen würden, die vollständig Geimpften nach zweiwöchiger Karenz wieder zustehen. Aber das sollte jetzt, wo noch nicht alle immunisiert sind, nicht im Vordergrund stehen. Es gilt viel mehr, noch etwas Geduld mitzubringen. Und sich als Geimpfter vielleicht erstmal darüber zu freuen, dass die Wahrscheinlichkeit, schwer an Covid-19 zu erkranken, mit hoher Wahrscheinlichkeit gebannt ist. In ein paar Wochen können wir uns dann alle gemeinsam über neu gewonnene Freiheiten freuen. Und sie auskosten. | Impfen: Ärzte möchten richtig loslegen

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