Pandemie

Impfaktion im Vogelsang beginnt verspätet

Dr. Hans-Christia Meyer impft eine Mitarbeiterin. Eine von 190 Menschen, die gestern im Vogelsang ihren Corona-Schutz bekamen. Fotos: Doro Siewert
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Dr. Hans-Christia Meyer impft eine Mitarbeiterin. Eine von 190 Menschen, die am Mittwoch im Vogelsang ihren Corona-Schutz bekamen.
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Mit vierstündiger Verzögerung ging es für die Bewohner und Pflegekräfte los.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Dr. Hans-Christian Meyer, leitender Impfarzt des Nordkreises, brachte es am Mittwoch eigentlich auf den Punkt: „Die Impfung ist unser Weg raus aus der Pandemie. Deshalb ist das schon ein bedeutender Tag heute.“

Allerdings begann alles etwas später als ursprünglich geplant. Die Ansage von der Kassenärztlichen Vereinigung für Mittwoch war eigentlich eindeutig. Gegen 12 Uhr sollte das Fahrzeug mit dem Impfstoff für 190 Bewohner und Pflegekräfte des Haus Vogelsang eintreffen. Der Koordinator der Impfaktion, Dr. Hans-Christian Meyer, konnte sich auch nicht erklären, warum die Spedition mit der wertvollen Fracht an Bord sich derartig verspätete. „Das ist dann wohl höhere Gewalt“, sagte Meyer. Er war sich aber schon sicher: „Zur Not warten wir bis heute Nacht.“

Apotheker Dr. Thomas Winterfeld mit einigen der abgezählten Impfdosen für Bewohner und Mitarbeiter.

Nacht wurde es zwar nicht, aber der Impfstoff traf immerhin mit vierstündiger Verspätung am Vogelsang ein. „Wir waren alle in Wartestellung“, berichtete Pflegedienstleiter Jürgen Becker. Unangenehm sei das vor allem für jene Pflegekräfte gewesen, die am Morgen erst aus der Nachtschicht gekommen waren, ihren Schlaf fürs Impfen extra unterbrochen hatten und am Abend erneut arbeiten mussten. „Aber die meisten nehmen das gern in Kauf“, sagte Becker.

60 Prozent der Mitarbeiter ließen sich impfen

Immerhin 60 Prozent der Mitarbeiter des Haus Vogelsang und fast alle Bewohner hatten sich zuvor für die Corona-Schutzimpfung entschieden. Ihren Anamnesebogen ausgefüllt und ihren Impfpass bereitgehalten. Senioren, die das nicht mehr selbst entscheiden konnten, bekamen die Unterschrift von ihren Angehörigen. Becker: „Gerade die Familienmitglieder sind heilfroh, dass es jetzt losgeht mit den Impfungen. Das gibt allen wieder ein Stück mehr Sicherheit, vor allem den Bewohnern.“

Das „Stück Sicherheit“ rückte gegen 15.45 Uhr am Nachmittag vor der Einrichtung an. Im Kastenwagen. Recht unspektakulär. Die Mitarbeiter, die bereits vor dem Clubraum im Untergeschoss warteten, quittierten die Ankunft der Impfdosen aber mit viel Applaus.

Insgesamt vier Ärzte waren an der Impfaktion im Haus beteiligt. Neben Dr. Christian Meyer waren das Dr. Susanne Birker-vom Stein, Harald Bergerhoff und Sigrun Klawa. „Die Kollegen sind allesamt mit den Bewohnern des Hauses vertraut und werden deshalb die Impfungen auf den Stationen übernehmen“, berichtete Dr. Meyer. Er selbst impfte mit einem Team aus medizinischen Fachangestellten das Personal des Vogelsangs. Beteiligt an der Aktion waren auch Apotheker der Damian- sowie der Montanus-Apotheke, die den Impfstoff vorbereiteten. Dass der kontinuierlich bei minus 70 Grad gelagert werden müsse, sei inzwischen verworfen, stellt Hans-Christian Meyer klar: „Bei Kühlschranktemperaturen hält er sich rund zwei Tage, muss aber in dieser Zeit dann auch verimpft werden.“

Für Michelle Doctorowsky war „von Anfang an klar, dass ich mich so schnell wie möglich impfen lasse“, betonte die 24-jährige Pflegekraft. „Zum einen gibt es mir Sicherheit, zum anderen schützt es aber auch die Bewohner, mit denen ich ja Tag für Tag zusammen bin.“

Felicita Wahl (26), Teamleiterin in der Wäscherei, sieht das anders: „Ich bin noch skeptisch und möchte erst einmal noch eine Zeit abwarten. Ich schütze mich bis dahin mit der FFP2-Maske, Hygiene und Abstand. Wie gehabt.“

Für Dr. Hans-Christian Meyer und das Impf-Team war die Aktion am Vogelsang um kurz vor 18 Uhr beendet. Dann ging es allerdings, mit anderen unterstützenden Hausärzten, im Carpe Diem in Dabringhausen noch weiter. „Natürlich ist das Zeit, die den Patienten in der Praxis verloren geht“, räumte Meyer ein. „Aber ich habe ja Unterstützung von einem jungen Kollegen in meiner Praxis und halte die Impfaktion für so wichtig, dass das jetzt erst einmal große Priorität für uns hat.“ Heute werden die mobilen Teamsdann andere Einrichtungen ansteuern.

Impfaktion

Am heutigen Donnerstag geht die Impfaktion im Carpe Diem in Wermelskirchen weiter. Sukzessive werden dann die Bewohner aller Pflegeeinrichtungen geimpft. Bis Ende Januar sollen die Impfteams damit fertig sein. Dann werden die über 80-jährigen Menschen im Kreis ins Impfzentrum nach Bergisch Gladbach eingeladen, um sich impfen zu lassen.

Standpunkt

anja.siebel@rga-online.de

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

Irgendwie hatte es etwas von Aufbruchsstimmung am Mittwoch im Haus Vogelsang. Die Schlange von Mitarbeitern, vor dem Clubraum – natürlich alle regelmäßig auf das Virus getestet und mit FFP2-Masken ausgestattet – verbreitete Hoffnung. Hoffnung auf „ein bisschen mehr Sicherheit, vor allem für die Bewohner“, wie es Pflegedienstleiter Jürgen Becker ausdrückte. Bei allen verunsichernden Meldungen über Virusmutanten, konstant hohe Infektionszahlen und eine mögliche Verlängerung vieler Einschränkungen bis mindestens Ostern: Wenn die Gefahr größerer Ausbrüche in den Pflegeeinrichtungen schon einmal gebannt ist, ist das ein großer Schritt Richtung Normalität. Wenn es auch noch lange dauert, bis alle geimpft sein und die größten Risiken gebannt sein werden. Aber alles Große beginnt nun mal mit einem Schritt. Und der sollte Ende Januar, wenn alle Pflegeeinrichtungen die Impfungen durchlaufen haben, getan sein. Dann geht es weiter. Es ist ein Lichtstreif am Horizont, aber immerhin gibt es schon mal einen. Das sollten wir zum Anlass nehmen, hoffnungsvoll gestimmt zu sein und die Situation weiter zu meistern. 

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