Erinnerung

Im Wolfhagen: Stolperstein für Karl Noske verlegt

Legten Blumen am frisch gesetzten Stolperstein nieder (v. l.): Marcel Nau, Norbert Galonska, Marion Lück, Inge Eichhorn, T. Martin Krüger und Petra Schindler.
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Legten Blumen am frisch gesetzten Stolperstein nieder (v. l.): Marcel Nau, Norbert Galonska, Marion Lück, Inge Eichhorn, T. Martin Krüger und Petra Schindler.

Gymnasium will fünf weitere Erinnerungsstücke legen lassen.

Von Stephan Singer

Bereits 75 000 verlegte Stolpersteine bilden das größte dezentrale Mahnmal in Europa. Auf diese Bedeutung der von dem Kölner Künstler Gunter Demnig 1992 initiierten Aktion verwies Bürgermeisterin Marion Lück. Sie legte gemeinsam mit einem ihrer Stellvertreter, Norbert Galonska, Blumen an dem nunmehr elften Stolperstein in Wermelskirchen nieder.

Dieser erinnert an Karl Noske, der als Jehovas Zeuge von den Nationalsozialisten verhaftet, deportiert und zur Zwangsarbeit im Konzentrationslager Buchenwald gezwungen wurde. „Das Nazi-Regime war unfassbar grausam“, betonte Marion Lück: „Die Freiheit und speziell die Meinungsfreiheit gehören zu unseren kostbarsten Gütern.“

Stolperstein für Karl Noske.

Autor T. Martin Krüger, der die Verfolgung der Zeugen Jehovas zwischen 1933 und 1945 in Wermelskirchen, Radevormwald und Hückeswagen in einem knapp 80-seitigen Buch aufgearbeitet hat, erinnerte an die Geschichte von Karl Noske: „Er wurde 1900 in Schlesien geboren und katholisch erzogen. 1933 verbot das Nazi-Regime Jehovas Zeugen. Karl Noske war fleißiger Schreiner und Tapezierer. 1935 verlor er seine Arbeit, weil er den Hitler-Gruß verweigerte. 1937 wurde er schließlich verhaftet.“

Danach sei Karl Noske über Zwischenstationen 1939 im Konzentrationslager Buchenwald gelandet, wo er im Steinbruch Schwerstarbeit habe leisten müssen. „Dort freundete sich Karl Noske mit Friedrich Brosius an, der ihn später nach Wermelskirchen holte, wo er Im Wolfhagen 24, wo jetzt der Stolperstein verlegt ist, lebte“, berichtete Krüger. Für Friedrich Brosius wurde in Wermelskirchen bereits 2002 ein Stolperstein verlegt. Dessen Tochter Inge Eichhorn war ebenfalls zu Gast bei der Stolperstein-Verlegung für Karl Noske, genauso wie Noskes Enkelin Petra Schindler.

„Ich überbringe die Grüße von Ingelore Noske, der Schwiegertochter von Karl Noske, die im Seniorenheim lebt“, sagte T. Martin Krüger und richtete seinen Dank an die Stadt Wermelskirchen und den Verein „Bergische Zeitgeschichte“, welcher die Kosten der Verlegung übernahm. „Im Januar jährt sich der Todestag von Karl Noske zum 50. Mal. Sein Mut, für seine Überzeugung einzutreten, darf nicht vergessen werden“, unterstrich der Autor.

Unter der Verfolgung im Dritten Reich hatte auch Krügers Großvater, der Wermelskirchener Ludwig Bischoff, zu leiden, der wegen seiner Religionszugehörigkeit in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht wurde und die unmenschliche Behandlung überlebte. An der Berliner Straße 112 wurde ihm der zehnte Stolperstein in der Stadt gewidmet.

Vergangenheit soll nicht nur in aus Daten und Fakten bestehen

Angesichts aktueller Probleme erscheine die Vergangenheit im Alltag oft weniger wichtig, aber historische Fakten dürften nicht auf Jahreszahlen und Daten reduziert werden, appellierte Marcel Nau, Sprecher von Jehovas Zeugen in Nordrhein-Westfalen. bei der Stolperstein-Verlegung. „Karl Noske ist ein Beweis für das Einstehen für christliche Werte und Zivilcourage.“

Ein Jahr nach der Befreiung des Lagers Buchenwald durch US-Truppen, wurde Noske zu einem reisenden Beauftragten, der Jehova-Gemeinden an verschiedenen Orten besuchte. So konnte Noske sich seiner 1950 geplanten Verhaftung durch die Stasi entziehen. In der DDR wurde die Gemeinschaft kurz zuvor verboten. Karl und Anna Noske  flohen daraufhin nach Berlin und zogen 1951 auf Einladung ihres Freundes Friedrich Brosius nach Wermelskirchen. Zunächst wohnte das Paar in Tente und seit den 1960er-Jahren unter der Adresse Im Wolfhagen 24. Karl Noske starb 1973.

Wie Wermelskirchens Stolperstein-Experte Armin Himmelrath, der auch Führungen dazu organisiert, berichtete, sollen auf Initiative des Städtischen Gymnasiums fünf weitere Stolpersteine in Wermelskirchen in den Boden gesetzt werden. Dieses Engagement geht zurück auf die jüngste Projektwoche der Schule, bei der  sich Gymnasiasten auch mit den Euthanasie-Verbrechen im Dritten Reich beschäftigten.

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