Ihr Herz schlägt für ein blühendes Stadtentrée

Margot Rombach (83) bei ihrer „Arbeit“: Zwei- bis dreimal die Woche gießt sie die Geranien.
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Margot Rombach (83) bei ihrer „Arbeit“: Zwei- bis dreimal die Woche gießt sie die Geranien.

Margot Rombach kümmert sich seit zwölf Jahren um die Blumenkästen an den Bürgerhäusern. Auch mit 83 Jahren will sie ihr Engagement nicht aufgeben.

Von Udo Teifel

Für Margot Rombach sind die Bürgerhäuser auf der Eich das „schönste Gebäude“ in Wermelskirchen. Gemeinsam mit dem Hotel Zur Eich bilden die Bürgerhäuser hinter dem neuen Kreisverkehr das Entrée zur Innenstadt. Während das Hotel schon seit Generationen der Familie Jörgens gehört, ist die Stadt seit Jahrzehnten Besitzer der Bürgerhäuser. Welchen Stellenwert für die Familie Jörgens das Gebäude hat, darf jeder bewundern, der auf die Fassade blickt: Die mit rot-lilafarbenen Geranien bepflanzten Blumenkästen sind neben den grünen Schlagläden ein Hingucker vor dem bergischen Schiefer. In nichts nach stehen da seit zwölf Jahren auch die Bürgerhäuser gegenüber: Da hat die Wermelskirchenerin Margot Rombach das „Regiment“ übernommen. Sie konnte einfach nicht mehr die triste Fassade mit ansehen.

Die Unternehmerin redet nicht lange, sondern handelt. Als sie vor zwölf Jahren von einem Einkauf in einem Strumpfladen auf der Eich kam, blickte sie auf die triste Fassade – in den Blumenkästen steckte im Mai noch Tannengrün. Sie ergriff die Initiative, ging ins Rathaus, trug ihr Anliegen vor. Dann begann das Drama um den Schlüssel: Jedes Mal, wenn sie im ersten Jahr zum Gießen kam, musste sie in den dritten Stock zu Fuß hoch und den Schlüssel erst holen und dann wieder abgeben. Nach einem halben Jahr schien man dann doch Vertrauen zur Unternehmerin zu haben.

Seit zwölf Jahren holt sie im Frühjahr die 13 Kästen nach Hause, bepflanzt sie mit ihrem Ehemann Karl auf eigene Kosten, und geht zwei- bis dreimal in der Woche zum Gießen. „Ein Familienmitglied baut ein fahrbares Gerüst auf, holt die Kästen runter und hängt sie später nach der Bepflanzung wieder auf“, so Margot Rombach: „Ohne Klaus Thiel, der mich dabei unterstützt, ginge das gar nicht.“

Bepflanzt werden die Kästen im Frühjahr mit Hängegeranien in den Farben weiß, rot, lila. „Das ist dann ein schönes Pendant zum Hotel Zur Eich“, freut sie sich. Im Herbst ist dann wieder Klaus Thiel im Einsatz, holt die Kästen runter, und Margot und Karl Rombach bepflanzen sie mit schöner Heide. „Viele denken, dass die Stadt dies bepflanzt und pflegt. Aber das ist privates Engagement.“

Prächtige Blumen am schönsten Haus in Wermelskirchen, den Bürgerhäusern Eich 6/8.

Zweimal die Woche, in diesen heißen Tagen auch dreimal, steigt sie dann die schmalen, durchgetretenen Treppenstufen in den Bürgerhäusern in den ersten Stock hoch und gießt die Geranien. 65 Liter Wasser verteilt sie von Mai bis Anfang November mit der Gießkanne. Für eine heute 83-Jährige schon eine ambitionierte Aktion. Da steht sie aber drüber. „Es muss schön sein“, ist ihre Überzeugung. Und dafür setzt sie sich ein. „Die Bürgerhäuser sind unser Wahrzeichen. Da dürfen keine vertrockneten Tannen in den Kästen liegen.“ Punkt!

Wohl nur die engsten Freunde wissen von diesem privaten Einsatz für die Allgemeinheit. Und auch im Rathaus scheint das keiner zu wissen. Vor zehn Jahren hätte sie deshalb bald hingeschmissen. Denn plötzlich seien die Schlösser ausgetauscht worden, und die Lauferei begann von Neuem. Mal ein kleines Dankeschön gab es auch nicht.

Als dann die neue Musikschulleiterin Celia Spielmann sie begrüßte, sich an der Blumenpracht erfreute und hörte, dass eine damals 80-jährige Seniorin dies pflegte, gab’s einen riesigen Blumenstrauß. „Sie sagte, sie erfreue sich immer wieder an diesem Anblick, wenn sie aus Köln komme.“ Damit hatte sie Margot Rombach überzeugt, denn ihre Arbeit wurde anerkannt. Von Celia Spielmann gab’s dann auch im nächsten Jahr einen Blumenstrauß. Und Margot Rombach wird es weitermachen, solange die Gesundheit mitspiele, sagt sie sehr vehement im Gespräch mit der Redaktion.

Dass ihr die bergische Heimat sehr am Herzen liegt, zeigt ihr zweiter „Einsatzort“: Seit zwei Jahren ist sie im Haus Eifgen aktiv. „Mein Mann und ich sind sehr musikbegeistert. Wenn dort Musik erklingt, die uns gefällt, sind wir dabei.“ Und da sind ihr dann die Blumenkübel aufgefallen, wo eben Pflege notwendig war.

„Im Haus Eifgen wird ja alles ehrenamtlich gemacht. Ich habe einfach gefragt, ob ich helfen kann. Die waren sogar so lieb und haben mir eine Wasserleitung gelegt. Das sind überhaupt alles ganz liebe Leute“, lobt sie das Eifgen-Team. Und seither bepflanzt und bewässert sie die sechs Betonkübel ums Haus Eifgen rum. „Da muss ich jetzt auch noch hin“, lacht sie.

Musikschule und Trauzimmer

Erbaut: Das Haus Nr. 8 wurde 1763 von Adolf Schmidt, Schmied und Zollpächter, nach dem großen Stadtbrand von 1758 erbaut; seine Tochter Liselotte heiratete Johann Adolf Schumacher. Die Fabrikantenfamilie Schumacher baute das Gebäude später zum großen Patrizierhaus aus.

Heute: Die historischen Bürgerhäuser sind laut Stadt das Herzstück der Innenstadt. Hier kann man nicht nur heiraten, sondern auch das Sitzungszimmer für Veranstaltungen von Vereinen, Firmen oder Behörden mieten. Dort befinden sich das Trauzimmer sowie seit 2009 die Musikschule.

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