IHK Köln befürwortet die 3G-Regel

Ab dem morgigen Mittwoch sind die Unternehmen gesetzlich dazu berechtigt, den Impf- oder auch Genesenenstatus ihrer Mitarbeiter per Abfrage zu erfahren. Foto: dpa
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Ab dem morgigen Mittwoch sind die Unternehmen gesetzlich dazu berechtigt, den Impf- oder auch Genesenenstatus ihrer Mitarbeiter per Abfrage zu erfahren.

Ab Mittwoch gelten in allen Betrieben verschärfte Corona-Maßnahmen

Von Theresa Demski

Julia Suer und ihre Kollegen drehten am Montagmorgen eine große Runde durch den Betrieb im Industriegebiet. Neben der freundlichen Begrüßung in einer neuen Arbeitswoche fragten sie dann nach dem Impfnachweis der Mitarbeiter. Das Ergebnis: Weniger als zehn Arbeitnehmer bei Suer sind weder geimpft noch genesen. „Wir haben uns nun dazu entschlossen bis Weihnachten für diese Mitarbeiter täglich Tests im Unternehmen durchzuführen“, sagt Julia Suer von der Geschäftsleitung, „dadurch wird der Betriebsablauf am wenigsten beeinflusst und gestört.“

Damit hat die Firma Suer die Marschroute zur Umsetzung der neuen Richtlinie des Bundes bereits zwei Tage vor deren Start auf den Weg gebracht. Ab Mittwoch soll die neue 3G-Regelung am Arbeitsplatz gelten: Dann ist der Arbeitgeber verpflichtet, sicherzustellen, dass jeder der Mitarbeiter im Betrieb negativ getestet, geimpft oder genesen ist. Bisher durften Arbeitgeber streng genommen diese Information von ihren Mitarbeitern nicht abfragen. Wegen der steigenden Inzidenzzahlen hat die Politik nun umgeschwenkt.

 Die IHK in Köln, die auch für die heimischen Betriebe zuständig ist, befürwortet die neue Verordnung: „Wir begrüßen den Gesetzentwurf sehr, nach dem Unternehmer von ihren Mitarbeitenden endlich die Vorlage eines 3G-Nachweises verlangen dürfen. Dies stärkt den Infektionsschutz am Arbeitsplatz erheblich und erleichtert die Betriebsorganisation nachhaltig“, sagt Dr. Nicole Grünewald, IHK-Präsidentin in Köln. Allerdings bedeutet die neue Regelung auch einen erhöhten Aufwand für Betriebe, Verwaltung und Händler – vor allem dann, wenn Mitarbeiter nicht geimpft oder kürzlich genesen sind.

„Die neuen Regelungen stellen die Stadtverwaltung vor große Herausforderungen, weil alle 3G-Nachweise kontrolliert und auch protokolliert werden müssen“, sagt Bürgermeisterin Marion Lück für die Stadtverwaltung.

Während Geimpfte und kürzlich Genesene lediglich einmal ihren Nachweis vorzulegen brauchen, muss die Negativ-Testung jeden Tag neu nachgewiesen werden. Dabei reicht es nicht, wenn der Arbeitnehmer selbst einen Test durchgeführt hat. Um seinen Arbeitsplatz betreten zu dürfen, muss er einen inzwischen wieder kostenlosen Test einer offiziellen Corona-Teststelle vorlegen. Oder der Arbeitgeber sorgt freiwillig für Testmöglichkeiten.

„Die Regelung, wie die Testnachweise für ungeimpfte Mitarbeitende täglich kontrolliert werden, ist abschließend noch nicht geklärt.“

Marion Lück, Bürgermeisterin

„Aktuell ist in der Klärung, wie die Umsetzung genau geregelt werden kann“, sagt die Bürgermeisterin. Schließlich gebe es neben dem Rathaus noch weitere Dienstgebäude. Geimpfte und genesene Mitarbeiter der Verwaltung können ihre Nachweise freiwillig bereits jetzt an eine extra eingerichtete Mailadresse ans Haupt- und Personalamt schicken. Ihnen bleibt es dann erspart, jeden Morgen, ihren Nachweis zu zeigen – weil sie dann grundsätzlich von den täglichen Zugangskontrollen ins Rathaus ausgenommen sind.

 Alle Mitarbeiter seien aber informiert, dass sie den entsprechenden Nachweis entweder als Zertifikat auf dem Smartphone oder das Impfbuch bei sich haben müssen. Die Regelung, wie die Testnachweise für ungeimpfte Mitarbeitende täglich kontrolliert werden, sei abschließend noch nicht geklärt, erklärt Marion Lück. Bis die neue Regelung greift, werde es aber dafür eine Lösung geben. Generell sei die neue Regelung sicherlich sinnvoll, um die vierte Welle zu brechen. „Ein Blick auf die rasant steigenden Zahlen im Kreis und auch in Wermelskirchen reicht schon, um zu wissen, dass etwas passieren muss“, sagt die Bürgermeisterin.

 Übrigens begrüßen die heimischen Betriebe nicht alle Bestandteile der neuen gesetzlichen Regelungen: So schreibt die Politik auch vor, dass ab Mittwoch wieder das Angebot zum Homeoffice gelten muss – Zuhause braucht es übrigens keinen 3G-Nachweis. „Warum die Homeoffice-Pflicht reaktiviert werden soll, ist unverständlich und nicht akzeptabel“, betont die IHK-Präsidentin. Mit ihren Hygienekonzepten, der 3G-Regelung und der über Monate geübten Homeoffice-Praxis seien die Betriebe bestens in der Lage, sich selbst der Pandemiesituation entsprechend zu organisieren. Dazu brauche es keine „zusätzliche starre Vorschrift, die Betriebsabläufe stört, Unternehmen wieder in die Krise zurückwirft und die noch nicht wieder normal laufende praktische Ausbildung in den Betrieben gefährdet“. Aus dem Homeoffice seien auch keine Schülerpraktika möglich, die für die Berufsorientierung wichtig seien. Die IHK-Präsidentin appelliert an die Politik, diesen Passus dringend aus dem Gesetzentwurf zu streichen.

 Währenddessen hat sich die Firma Suer auch auf diese Regelung bereits eingestellt: „Die kaufmännischen Mitarbeiter werden soweit wie möglich wieder ins Homeoffice geschickt“, sagt Julia Suer. Ansonsten bleib alles beim Alten: Maske tragen, Abstand halten, Hygienemaßnahmen beachten. Die Firma Suer konnte mit ihrem Betriebsarzt außerdem bereits einen Termin zur Boosterimpfung vereinbaren.

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