Babysitter werden mehr als 100 Taten zur Last gelegt

Zeugenaussage im Missbrauchsprozess: „Ich war so blöd, ich habe versagt“

Der Angeklagte Marcus R. im Gerichtssaal.
+
Der Angeklagte Marcus R. im Gerichtssaal.

Der Prozess im Falle des Marcus R. geht weiter.

Von Claudia Hauser

Wermelskirchen. So zurückhaltend Marcus R. in den Chats mit anderen Pädokriminellen war, was die Preisgabe persönlicher Lebensumstände anging, so leichtfertig beging er seine Taten. Der Mann, der nach Feierabend als Babysitter jobbte, um in Kontakt mit kleinen Kindern zu kommen, missbrauchte in einem Fall einen kleinen Jungen, während dessen Mutter zu Hause war. Er hätte sie über die Holztreppe rechtzeitig nach oben kommen hören, antwortet er am Montag dem Vorsitzenden Richter Christoph Kaufmann auf Nachfrage. In den Chats hingegen schrieb er nur unter einem Alias-Namen und gab einen falschen Wohnort an. Seine Chat-Partner waren da oft wesentlich offener, wie an diesem Prozesstag deutlich wurde.

Die Festnahme von Marcus R. hatte die Ermittler auf die Spuren zu vielen weiteren Pädokriminellen geführt. Durch die Auswertung der Chats, Bilder und Videos, die immer noch andauert, gibt es inzwischen Ermittlungsverfahren gegen mehr als 130 weitere Beschuldigte. Im Kölner Prozess gegen Marcus R., dem die Staatsanwaltschaft 122 Taten teils schwersten sexuellen Missbrauch von Kindern zur Last legt, sagte nun ein bereits verurteilter 40-Jähriger als Zeuge aus. Per Webcam-Übertragung ließ er R. etwa dabei zusehen, wie sein damals acht Jahre alter Stiefsohn badete. „Ich war so blöd, ich habe versagt, ich Idiot“, sagt er mit tränenerstickter Stimme.

R. sei die treibende Kraft gewesen, habe ihn quasi erpresst, den Jungen zu filmen. Er selbst habe eigentlich nur Kontakt zu Männern in einschlägigen Chats gesucht. Doch R. sei bald auf Kinder zu sprechen gekommen, da habe er von seinem Stiefsohn und den Töchtern und Nichten erzählt. Man habe Missbrauchsvideos aus dem Netz ausgetauscht. „Die habe ich aber nur geschickt, damit ich meinen Stiefsohn nicht wieder zeigen muss“, sagt der Mann.

Die Kammer hört sich seine Aussagen zunächst an, Richter Kaufmann wird aber nach einer kurzen Unterbrechung deutlich: „Die Chats erzählen eine ganz andere Geschichte“, sagt er und ermahnt den schluchzenden Zeugen, die Wahrheit zu sagen. Der zieht prompt die Geschichte der Erpressung zurück. Dass er selbst aktiv Missbrauchsfantasien beschrieben habe, gibt er nicht offen zu – was auch daran liegen mag, dass er unter anderem seine Frau mit in den Gerichtssaal gebracht hat. Drei Jahre lang haben der Angeklagte und er regelmäßig gechattet. Die Kammer spricht von einem „gegenseitigen Aufstacheln“, es ging auch um Sex mit Säuglingen, um Gewalt. Der Mann wurde vom Landgericht Wuppertal verurteilt und darf keinen Kontakt zu seinem Stiefsohn haben. Nun könnte ein Verfahren wegen Falschaussage auf ihn zukommen.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Übler Streich? Puppenkopf baumelt von Brücke in Wermelskirchen
Übler Streich? Puppenkopf baumelt von Brücke in Wermelskirchen
Übler Streich? Puppenkopf baumelt von Brücke in Wermelskirchen
Ein Pkw brennt in Eifgen aus
Ein Pkw brennt in Eifgen aus
Ein Pkw brennt in Eifgen aus
Neue App: Der Weg zum Wildfleisch aus der Region
Neue App: Der Weg zum Wildfleisch aus der Region
Neue App: Der Weg zum Wildfleisch aus der Region
Hobbykünstler-Markt in der Katt
Hobbykünstler-Markt in der Katt
Hobbykünstler-Markt in der Katt

Kommentare