Straßensperrung

Hünger: Tebroke will Druck machen

CDU-Bundestagsabgeordneter Dr. Hermann Josef Tebroke (l.) und Stefan Leßenich von der Stadt-CDU sprachen mit Bürgern.
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CDU-Bundestagsabgeordneter Dr. Hermann Josef Tebroke (l.) und Stefan Leßenich von der Stadt-CDU sprachen mit Bürgern.

CDU-Abgeordneter will den Ärger über das Bauchaos im Bundestag immer wieder aufs Tapet bringen.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Wolfgang Craen kam gestern mit bedrückenden Nachrichten zum Termin an der Autobahnbrücke in Hünger. „Wenn das so weitergeht, stellen wir den Betrieb in Hünger und den Ortschaften um Burg Ende des Jahres ein“, ließ der Vorsitzende des Bürgerbusvereins Wermelskirchen verlauten. Der Grund: Durch die einspurige Straßensperrung muss auch der Bürgerbus Richtung Stadt den langen Umweg durch die Preyersmühle nehmen. „Das kostet Benzin“, sagt Craen.

Und: „Uns bleiben auch die Fahrgäste weg, die sonst gern mit uns zum Beispiel zum Einkaufen in die Innenstadt gefahren sind. Vielleicht, weil sie jetzt lieber auf Nachbarschaftshilfe zurückgreifen. Aber bei den Benzinpreisen fehlen uns die Fahrten einfach.“

Wolfgang Craen war nicht der einzige Anlieger, der am Dienstagmittag an der Autobahnbrücke Hünger bei einem erneuten Ortstermin seinem Ärger Luft machte. Auf Einladung des CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Stefan Leßenich hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Hermann Josef Tebroke vorbeigeschaut – nicht ohne aktuelle Nachrichten. „Ich habe aus meiner Zeit ja noch einige Kontakte zu Mitarbeitenden der jetzigen Autobahn GmbH“, berichtete der Politiker. Und weil ihm kurze Wege am liebsten seien, habe er diese Kontakte genutzt, um einmal nachzufragen nach Details zu Bauarbeiten und Verkehrsführung.

Tebroke übermittelte vor allem eines: „Ohne die Zustimmung des Ministeriums dürfen sich die Mitarbeiter der Autobahn GmbH nicht öffentlich äußern. Deshalb gebe es auch keine direkte Kommunikation mit den Anwohnern. Tebroke: „Ich habe auch vorgeschlagen, es möge doch jemand von der Autobahn GmbH mitkommen zum Ortstermin. Aber das sei gerade nicht möglich gewesen.“

Auch habe der Mitarbeiter der Autobahn GmbH betont, dass „sämtliche Alternativen zur Verkehrsführung geprüft“ worden seien.

So berge eine Ampelanlage die Gefahr, dass sich zu Hauptverkehrszeiten Rückstaus bis zur Autobahn bilden könnten. Auch die alternative Ausfahrt an der Talsperre sei geprüft worden. „Dort sei das dann hohe Verkehrsaufkommen aber zu gefährlich für die übrigen Verkehrsteilnehmer“, schilderte Dr. Hermann Josef Tebroke die Ausführungen des Mitarbeiters.

Polizei kontrolliertverzweifelte Anwohner

Verzögern würde sich der Baubeginn jetzt unter anderem auch deshalb, weil Baufirmen Termine nicht einhalten könnten und noch auf anderen Baustellen unterwegs seien. Versprochen habe der indes, dass die Baustelle Ende 2023 fertig werde. Ursprünglich war Herbst 2022 angepeilt gewesen. „Dan ist es ja gut, dass wenigstens diese Woche das Schild ,bis Herbst 2022' endlich mal überklebt wurde“, sagte Stefan Leßenich mit einem gewissen Zynismus.

Und den konnten sich auch die Anwesenden nicht mehr verkneifen. „Ist eigentlich klar, wessen Steuergelder die da verbraten?“, wetterte beispielsweise Lothar Weber als Anwohner. „Unsere. Mit uns gesprochen wird aber nicht.“ Eine Anwohnerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, schilderte, dass sie und ihre Nachbarin manchmal über die seit einem Dreivierteljahr nicht genutzte Baustraße fahren würden, um ohne Umweg Richtung Stadt zu gelangen. „Dann werden wir von einem Polizisten ermahnt und uns wird Strafe angedroht. Das ist doch Schikane“, schimpfte die Frau. „Ebenso, dass die Radfahrer absteigen müssen. Es wird doch derzeit nichts gemacht dort. Wäre das so, würde ich das ja verstehen.“

Eine andere Anwohnerin berichtete, dass Taxis aus Burg Wermelskirchen jetzt gar nicht mehr ansteuern würden. Und die Wermelskirchener Unternehmen würden die Fahrgäste bitten, zu Fuß bis hinter die Baustelle zu marschieren. „Das kann es wirklich nicht mehr sein.“

Stefan Leßenich kritisierte noch einmal die Kommunikation der Autobahn GmbH: „Auf mein Schreiben vor einigen Wochen gab es keine Antwort. Lediglich eine Empfangsbestätigung. Andre Ortspolitiker haben nicht einmal das erhalten.“ Dr. Hermann Josef Tebroke betonte, er würde sich der Sache weiter annehmen und das Ganze immer wieder im Bundestag ansprechen. „Das einzige Mittel ist jetzt Druck.“

Bund

Wie einige andere hatte sich auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Marco Frommenkord mit Unterstützung Kollegen in der Sache Autobahnbrücke an Bundesverkehrsminister Dr. Voler Wissing gewandt. Wie Frommenkord jetzt mitteilt, gebe es ein Signal aus Berlin. Mit der Aussicht auf rasche Antwort.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Nicht einknicken

anja.siebel@rga.de

Sie entwickelt sich zur berüchtigten Never-ending-Story, die Geschichte um die Autobahnbrücke Hünger. Dass es jetzt immer mehr Aufhebens darum gibt, die Anwohner auf die Barrikaden gehen und Politikerinnen und Politiker sich der Sache annehmen, ist umso besser. Ehrenwert, dass Dr. Hermann Josef Tebroke als Bundestagsabgeordneter des Kreises die Botschaften des Autobahn-GmbH-Mitarbeiters übermittelt hat.

Befriedigend und aufschlussreich sind die allerdings für alle direkt Beteiligten nicht. Es klingt wie: Geht nicht anders. Basta. Damit geben sich aber weder die Anwohner noch Politiker wie Tebroke zufrieden. Er hat recht, wenn er sagt, dass Druckmachen jetzt das einzig probate Mittel ist. Denn bisher waren die Aussagen der Autobahn GmbH undurchsichtig, intransparent und widersprüchlich. Die Unannehmlichkeiten der Anlieger sind zu groß, um diesbezüglich jetzt einzuknicken.

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