Energiekrise

Holz für den Kaminofen ist Mangelware

Antonio Cagna spaltet Kaminholz: Er kommt kaum nach.
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Antonio Cagna spaltet Kaminholz: Er kommt kaum nach.

Wermelskirchener Lieferanten werden mit Anfragen überhäuft.

Von Rosa Röhder und Guido Radtke

Wie bei fast jedem Kaminholz-Lieferanten im gesamten Bundesgebiet steht seit Wochen auch auf der Straußenfarm in Emminghausen das Telefon nicht still. „Wir werden mit Nachfragen überrannt“, berichtet Mitarbeiterin Kerstin Schnabel. Die Anfragen kommen nicht nur aus der Region, sondern sogar vom Niederrhein.

In Emminghausen wird Kaminholz auf natürliche Weise getrocknet. Daher gibt es aktuell nur begrenzte Bestände, die verkauft werden können.

Die angespannte Energieversorgungslage und die damit verbundene Kostensteigerung für Gas verunsichert immer mehr Bürger. Viele suchen nach Alternativen, um sich für die kalte Jahreszeit abzusichern. Die Variante, sich einen Kamin anzuschaffen oder einen lange Zeit nicht genutzten Ofen wieder in Betrieb zu nehmen, scheint für einige nun der richtige Weg zu sein.

Kai Kessing vom Kaminstudio „pro-Kaminfeuer“ in Wermelskirchen bestätigt, dass die Anschaffung eines Kamins ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln scheint. Schon während der Corona-Pandemie sei die Nachfrage deutlich angestiegen, doch seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs seien es mittlerweile vier bis fünfmal so viele Anfragen wie früher. Damit einher gehe jedoch auch eine verlängerte Lieferzeit sowie eine Preiserhöhung.

„Die Industrie kommt der Vielzahl an Bestellungen von Kaminöfen nicht hinterher“, sagt Kessing. Während die Lieferzeiten im letzten und vorletzten Jahr noch bei drei bis vier Monaten lagen, liegen sie nun bei über einem Jahr und mehr. Das Topseller-Modell des Kaminstudios sei beispielsweise erst im Oktober 2023 wieder verfügbar. Hinzu komme, dass die Materialpreise in der Produktion stetig ansteigen. Während die Preise früher bereits ein Jahr zuvor von der Industrie festgelegt wurden, komme es mittlerweile zwei bis dreimal im Jahr zu einer Preiserhöhung.

Mit 200 bis 300 Prozent mehr Anfragen machen sich auch bei Kaminholz-Lieferant Jan Riedmiller die Folgen bemerkbar. Bei ihm sei kein getrocknetes Kaminholz mehr verfügbar. Die neue Produktion sei zwar bereits gestartet, jedoch werde es noch fast ein ganzes Jahr dauern, bis dieses erhältlich sei. „Auf die hohen Zahlen waren die Produktionen des vergangenen Jahres nicht ausgelegt“, so Riedmiller. Auch hier gehe die erhöhte Nachfrage mit einer Preissteigerung einher: Der Preis für Kaminholz habe sich fast verdoppelt.

In Emminghausen heißt es aktuell ebenfalls: Laubholz ausverkauft. „Die Mengen, die wir zusagen konnten, sind bereits alle bestellt und werden täglich ausgeliefert beziehungsweise abgeholt“, erklärt Kerstin Schnabel. Im Bestand sei allerdings noch Fichtenholz. „Dieses liefert die gleichen Brennwerte wie Buche oder Eiche, wurde bislang aber weniger stark nachgefragt, weil es etwas schneller verbrennt.“

Eine weitere Berufsgruppe, die die Folgen der Energiekrise bei der täglichen Arbeit bemerken, sind Schornsteinfeger wie André Ehmann. Für den Schornsteinfegermeister und Energieberater sei es in erster Linie wichtig, dass der Primärenergiebedarf gesenkt werde. „In diesem Zusammenhang ist ein Kaminofen eine gute Idee.“ Die Sorge um die damit einhergehende Feinstaubbelastung seien für ihn nicht mehr ausschlaggebend: „Die neuen Öfen sind heutzutage genormt. Daher ist die Feinstaubbelastung auch nicht mehr so hoch wie früher“.

Dass die Nachfrage nach Kaminöfen gestiegen ist, kann im Übrigen auch André Ehmann bestätigen. Viele Kunden benötigen nach der Anschaffung die Hilfe eines Fachmanns, um einen neuen Ofen anzuschließen oder einen bestehenden Kamin wieder in Betrieb nehmen zu können, berichtet Ehmann. Daher klingelt auch bei ihm deutlich häufiger das Telefon als noch vor der Energiekrise. Es sei schwer, alle Terminwünsche zu erfüllen.

Feuerstätten

Verordnung:Die Bundesimmissionsschutz-Verordnung, die in ihrer Form seit 2010 besteht, regelt, was genau in welchem Ofen verbrannt werden darf. „Jeder Hersteller von Feuerstätten braucht eine Zulassung für die Stoffe, die man in den Öfen verbrennen darf“, sagt Andreas Ehlert, Schornsteinfegermeister und Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf. 

Interesse: Neben Kaminöfen interessieren sich Kunden vermehrt auch für regenerative Energien, wie beispielsweise Wärmepumpen oder Pelletheizungen. Herausforderung für viele Haushalte bei der Anschaffung ist unter anderem, dass das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) die Fördersumme zum 15. August gekürzt hat.

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