Vereinsleben startet wieder

Bergischer Geschichtsverein: Hinter den Kulissen geht die Arbeit weiter

Im Vereinsarchiv (von rechts): Der Vorsitzende Volker Ernst, sein Stellvertreter Burkhard Stock, Schriftführerin Margret Wischow. Foto: Peter Klohs
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Im Vereinsarchiv (von rechts): Der Vorsitzende Volker Ernst, sein Stellvertreter Burkhard Stock, Schriftführerin Margret Wischow.

In der Pandemie hatte sich der Bergische Geschichtsverein zurückgezogen. 2023 ist Stadtjubiläum.

Von Peter Klohs

Wermelskirchen. Das Vereinsleben des Bergischen Geschichtsvereins in Wermelskirchen wurde in den vergangenen zwei Jahren, so der Vorsitzende des Vereins, Volker Ernst, „auf praktisch Null zurückgefahren.“ Das Archiv auf der Jahnstraße wurde geschlossen, der in normalen Zeiten übliche Publikumsverkehr, donnerstags zwischen 17 und 20 Uhr, musste entfallen. Und das, so sind sich der Vorsitzende, sein Stellvertreter Burkhard Stock und die Schriftführerin Margret Wischow einig, war auch gut so. „Ein Großteil unserer Mitglieder ist schon im reiferen Alter“, sagt Stock, „und somit deutlich gefährdet, an Corona zu erkranken. Dieses Risiko wollen und können wir nicht eingehen.“

Immerhin ist es seit Jahresbeginn den Mitgliedern des Vereins wieder möglich, Recherchen in den Räumlichkeiten des Vereins durchzuführen, wenn auch in kleinen Gruppen. „Noch lieber wäre es uns, wenn die Mitglieder einzeln zu uns kämen“, sagt Volker Ernst. „Und zur Zeit ist es auch so. Wir zählen drei oder vier Besucher pro Monat.“

Der Vorstand gibt halbjährig ein Rundschreiben an die Mitglieder heraus, in dem die Neuigkeiten und Pläne des Vereins mitgeteilt werden. Die Jahreshauptversammlung wurde bisher zweimal verschoben. Der Vorsitzende, sein Stellvertreter, der zusätzlich noch als Kassenwart fungiert, sowie die Schriftführerin haben sich bereit erklärt, ihre Ämter bis zur nächsten möglichen Hauptversammlung fortzuführen.

Schriftführerin freut sich über konstante Mitgliederzahlen

„Es ist sehr schön“, berichtet Margret Wischow, „dass unsere Mitgliederzahlen konstant sind. Und da wir wissen, dass einige Nachbarstädte mit schwindenden Mitgliederzahlen zu tun haben, sind wir dankbar und ein bisschen stolz, dass es bei uns nicht so ist.“

Trotz aller Widrigkeiten geht die Arbeit im Bergischen Geschichtsverein weiter. Ein großes Projekt unter der Leitung des Archivleiters Gerd Werner Gries ist die Erstellung eines Findbuches. „Seit 1927“, erzählt Volker Ernst, „sammeln wir Daten, hauptsächlich zur Wermelskirchener Stadtgeschichte, aber auch zum gesamten Bergischen Land. Diese Informationen werden seit sieben Jahren digitalisiert. Und diese Arbeit ist auch während der Pandemie weitergegangen. Es ist eine richtiggehende Jahrhundert-Aufgabe, die Herr Gries mit einigen unserer Mitglieder und Freiwilligen auf sich nimmt.“

Freiwillige kann der Verein immer gebrauchen, fügt Burkhard Stock an. Geschichtsinteresse und vor allem IT-Kenntnisse werden gerne gesehen. „Und wenn die Interessierten dann noch tagsüber Zeit hätten, das wäre große Klasse.“

Der Gegenpart zum Findbuch ist der Aufbau eines Bildarchivs. „Wir haben zwischen 20 000 und 30 000 Fotos hier“, weiß Ernst, „und diese gilt es zu digitalisieren und so zu dokumentieren, dass die Suche nach Fotomaterial nicht lange dauert.“

Außerdem hat sich Volker Ernst sehr intensiv mit der Schulgeschichte in Wermelskirchen befasst. Die Arbeit an der entsprechenden Publikation geht ebenso weiter. „Bis 1960 waren Schulchroniken normal“, berichtet der Vorsitzende. „Aber danach konnte die Arbeit von den Schulen nicht mehr geleistet werden. Und die Recherche ist jetzt mühsam und zuweilen auch kräftezehrend.“

Der Bergische Geschichtsverein in Wermelskirchen bereitet sich selbstverständlich intensiv auf das kommende Jahr vor. „Denn 2023“, weiß der Vereinsvorstand, „ist 150-jähriges Stadtjubiläum. 1873 bekam Wermelskirchen die Stadtrechte zugesprochen. Für die entsprechenden Feierlichkeiten haben auch wir einen Beitrag geplant, an dem wir zur Zeit arbeiten.“

Im ersten Halbjahr bleibt der Verein im Digitalen

Im ersten Halbjahr sollen die Mitglieder wie bisher die Möglichkeit wahrnehmen können, sich digital zu treffen und den Vorträgen beizuwohnen. „Wenn die Corona-Zahlen im Herbst erträgliche Ausmaße aufweisen“, so Volker Ernst, „werden wir darüber nachdenken, wieder in Präsenz tagen zu können.“

Hintergrund

Der Bergische Geschichtsverein in Wermelskirchen hat aktuell 126 Mitglieder. Die nächste Veranstaltung des Vereins findet am 12. Mai um 19 Uhr statt. Marc Pawlowski Mariano wird in einem Online-Vertrag über Heimatvertriebene in Wermelskirchen nach Ende des Zweiten Weltkrieges sprechen. „Ein wichtiger Vortrag“, urteilt Volker Ernst, „da er eine Lücke in der Stadtgeschichte schließt. Außerdem hat der Vortragende in unserem Archiv recherchiert.“ Anmeldungen: info@bgv-wermelskirchen.de

Standpunkt

Kommentar von Nadja Lehmann

nadja.lehmann @rga.de

Der Bergische Geschichtsverein hat seinen meist älteren Mitgliedern Tribut gezollt und sich in der Pandemie aus Präsenz-Begegnungen zurückgezogen. Auch 2022 lässt der Vorstand noch Vorsicht walten. Das ist angesichts der hohen Inzidenzen nur folgerichtig, und damit wurde gut und besonnen entschieden. Denn es hieß ja nicht, dass die Vereinsaktiven seit 2020 ihre Hände in den Schoß legten. Die Arbeit lief ja weiter – bloß hinter den Kulissen. Und wer schreibt und recherchiert, weiß: Das passiert ohnehin eher im stillen Kämmerlein, ohne Publikum. Vorträge und Ausflüge, sie werden zu gegebener Zeit schon wieder zurückkehren. Freuen dürfen sich alle an der Stadtgeschichte Interessierten auf das Jubiläum, das Wermelskirchen im kommenden Jahr feiert. Dabei ist natürlich auch der BGV mit von der Partie. Vielleicht hat sich der ein oder die andere in diesen außergewöhnlichen beiden Jahren auch überlegt, Weichen neu zu stellen, sich irgendwo zu engagieren. Den Geschichtsverein würde es freuen. Neue Gesichter sind dort willkommen. Und gewiss nicht nur dort.

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