Flüchtlingshilfe

„Willkommen in Wermelskirchen“ ist wichtiger Bestandteil der Stadt

Jochen Bilstein.
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Jochen Bilstein.
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Das Netzwerk kümmert sich um alle Flüchtlinge, die Unterstützung brauchen, hilft aber auch der Stadt.

Von Susanne Koch

Wermelskirchen. Die Zeit scheint zu fliegen. Nächstes Jahr besteht das Netzwerk „Willkommen in Wermelskirchen“ bereits zehn Jahre. „Dass uns das Thema so lange begleiten wird, hätten wir anfangs nicht gedacht“, sagt SPD-Ratsmitglied Jochen Bilstein, der sich dort als Ehrenamtlicher engagiert und immer noch sehr viele Beratungsgespräche mit geflüchteten Menschen führt. „Ich habe unendlich viel gelernt“, sagt die Koordinatorin Dorothea Hoffrogge. „Sehr viel Interessantes aus anderen Kulturen, aber vieles auch in der Auseinandersetzung mit mir selbst, mit Vorurteilen, die ich hatte, mit anderen Vorstellungen vom Leben.“

„Willkommen in Wermelskirchen“ wurde 2014 gegründet. „Wir wollten in Wermelskirchen eine Willkommenskultur schaffen“, sagt Jochen Bilstein. „Und uns um die Flüchtlinge kümmern“, sagt Dorothea Hoffrogge ergänzend. Es seien 400 bis 500 Menschen, die sich in dem Netzwerk zugunsten der Flüchtlinge engagiert haben oder noch engagieren. „Einige bieten regelmäßige Veranstaltungen an, wie beispielsweise Thomas Wintgen, der sich zusammen mit Andrea Henkel mit meist arabischen Frauen zu einem Stammtisch im Haus Eifgen trifft.“ Es gibt eine internationale Kochgruppe, das Internationale Café findet regelmäßig donnerstagnachmittags im evangelischen Gemeindehaus am Markt mit überwiegend ukrainischen Flüchtlingen statt, im Waschhaus werden Flüchtlinge beraten, außerdem werden wir Sprachgruppen angeboten.

Dorothea Hoffrogge.

„Manche Wermelskirchnerinnen und Wermelskirchener haben Patenschaften für einzelne Flüchtlinge oder Familien übernommen“, sagt Dorothea Hoffrogge. „Einige bieten Beratungen an, andere engagieren sich, indem sie Gelder akquirieren.“ Es sei schön mitzuerleben, wie viele sich durch Spendenaktionen beteiligen. „Da sind Kindergärten darunter, Grundschulen, beispielsweise mit einem Schullauf, Vereine und Initiativen“, sagt Dorothea Hoffrogge. „Wir sammeln auch Geld, um in Afghanistan für eine Grundration an Nahrungsmittel für eine bestimmte Gemeinde zu sorgen“, sagt Jochen Bilstein. „Im Dezember haben wir noch 5000 Euro dahin überwiesen.“ Das alles sei so organisiert, dass die Taliban darauf keinen Einfluss haben. „Neben den Grundnahrungsmitteln wie Öl oder Mehl, das vor Ort in Afghanistan besorgt wird, ist auch immer an die medizinische Versorgung der Menschen vor Ort gedacht.“

Durch den schrecklichen Angriffskrieg von Putins Russland in der Ukraine seit dem 24. Februar 2022 sind auch etwa 400 ukrainische Frauen mit ihren Kindern in Wermelskirchen untergekommen. „Sie sind bei den Sprachkursen dabei und das Café International wird derzeit überwiegend von Ukrainern genutzt“, sagt Jochen Bilstein. Etwas, das nicht so schön sei, ist das ukrainische Flüchtlinge andere Rechte und Umgangsmöglichkeiten haben, als zum Beispiel Menschen aus afrikanischen Ländern. „Diese Ungleichbehandlung hat zu Frust bei den Altflüchtigen geführt“, sagt Jochen Bilstein. „Sie können sich immer nur in bestimmten Regionen aufhalten, während die Ukrainer ganz Europa besuchen können.“

Das erste Grundgesetz.

Die Corona-Pandemie hatte auch die Aktivitäten von „Willkommen in Wermelskirchen“ beschränkt. „Aber jetzt können wir wieder alles in den Blick nehmen“, sagt Jochen Bilstein. „Und auch an unsere politischen Formate anknüpfen.“ Denn nach wie vor würden Menschen im Mittelmeer untergehen. „Und ich hoffe, dass der neue Kommandeur von Frontex aus den Niederlanden für Menschlichkeit sorgt“, sagt Jochen Bilstein. „Wir hören oft schlimme Fluchterfahrungen aus Bulgarien, Serbien, Ungarn.“

Der Koordinierungskreis von Willkommen in Wermelskirchen bestehe aus meist elf bis zwölf Personen und treffe sich einmal im Monat. „Was ich sehr schön finde, ist das Wermelskirchen sehr viel offener und bunter geworden ist“, sagt Dorothea Hoffrogge. „Und auch, dass viele Geflüchtete, denen geholfen wurde, sich nun ebenfalls engagieren und sich für andere Flüchtlingen einsetzen.“

Hintergrund

„Willkommen in Wermelskirchen“ steht für die demokratische Gesellschaft ein und für das Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Die Initiative verteidigt das Grundgesetz und die „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ (1948) und die Werte der „UN-Kinderrechtskonvention“.

Standpunkt von Susanne Koch: Ein Gewinn für alle

susanne.koch@rga.de

Die Initiative oder noch besser das Netzwerk „Willkommen in Wermelskirchen“ müsste erfunden werden, wenn es das Netzwerk nicht schon fast zehn Jahre gebe. Menschen aus Gemeinden sind da genauso engagiert, wie an der Thematik interessierte Ehrenamtliche. Sie unterstützen dadurch die Stadt Wermelskirchen in ihrer Arbeit mit Geflüchteten und Asylsuchenden sehr.

Und am Ende ist die Arbeit des Netzwerks sogar sehr fruchtbar: Durch die Vermittlung der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer werden viele Behördengänge leichter. Das entspannt die Situation für die Geflüchteten genauso wie für die Behördenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter. Und ganz nebenbei wirbt „Willkommen in Wermelskirchen“ für mehr Toleranz und ein gutes Miteinander.

Das „Willkommen in Wermelskirchen“ nicht nur in der Heimat aktiv ist, zeigt sich beispielsweise an den Spenden, die regelmäßig nach Afghanistan geschickt werden.

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