Konzept

Hier wird Industriekultur bewahrt

Im linken Teil der ehemaligen Fabrikanlage haben die Hebammenpraxis „Kugelrund“ und ein Osteopath Räume bezogen.
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Im linken Teil der ehemaligen Fabrikanlage haben die Hebammenpraxis „Kugelrund“ und ein Osteopath Räume bezogen.

Feilenfabrik Ehlis wird Veranstaltungsort. Kleines Industriemuseum rundet Konzept ab.

Von Daniele Funke

Auf dem Platz vor der alten Feilenfabrik parken ein paar Autos, Frauen mit Babys steigen aus, eine Schwangere ist auch dabei. Sie treffen sich aber nicht, um in der herrlichen Natur im Eschbachtal spazieren zu gehen, sondern wollen zu „Kugelrund“, der Hebammenpraxis, die sich seit einigen Monaten in einem Teil der Räume des ehemaligen Industriegebäudes niedergelassen haben.

Die Praxis wird einziger Mieter bleiben, der in die Räume des denkmalgeschützten und seit Jahren in der Sanierung befindlichen Industrieareals im Eschbachtal an der Stadtgrenze zwischen Remscheid und Wermelskirchen einziehen wird, entgegen erster Pläne der Besitzer Thomas Abbas, Volker Haag und Walter Pricken. Die drei Männer hatten 2016 die besondere Immobilie erworben und damals eine Vision: Sie wollten die Fabrik ursprünglich so umbauen, dass sich dort bis zu sechs Manufakturen hätten ansiedeln können. Handwerkliche Manufakturen mit Qualitätsanspruch, hieß es damals, eine Werkstatt wollten die Inhaber selbst nutzen.

Maurer André Frohsin kümmert sich um das Mauerwerk.

Heute sehen die Pläne anders aus. „Wir werden den größten Teil der Räume künftig für Vermietungen anbieten, Hochzeiten, Jubiläen, Geburtstage, Firmenfeiern“, erklärt Volker Haag und zeigt auf einen neu abgetrennten Bereich. „Hier wird eine Küche entstehen, die dann zum Beispiel von Caterern genutzt werden kann.“ Eine neu hochgezogene Rehgipswand wurde optisch an das Gesamtkonzept angepasst, indem eine alte Mauer an anderer Stelle abgebaut und Stein für Stein wieder aufgerichtet wurde. „Das war schon eine Menge Arbeit“, erzählt Maurer André Frohsin, „wir haben jeden Stein geteilt, damit die Mauer nicht zu dick wird, gesandstrahlt, bearbeitet.“ Dann tritt er einen Schritt zurück, betrachtet zufrieden das Gesamtergebnis. „Ich kanns nicht anders sagen, aber wir sind schon ziemlich stolz auf das Ergebnis.“

Rund 75 Prozent der Gesamtsanierung sei mittlerweile abgeschlossen, schätzt Haag, die großen Baustellen seien abgeschlossen, nun gehe es um den Feinschliff. Dazu gehört auch, dass die Außenhallen noch abgebaut und fünf Meter weiter wieder originalgetreu errichtet werden müssen. Sie sollen später unter anderem als Lager und Kühlhaus für Getränke und Speisen genutzt werden. „Wir machen das, um den Innenhof zu vergrößern, damit auch dieser besser genutzt werden kann“, fügt Haag an. Zudem wird derzeit an dem musealen Bereich gearbeitet, dort werden künftig Maschinen und Utensilien der ehemaligen Feilenfabrik in Form eines kleinen Industriemuseums zu besichtigen sein.

Mit viel Liebe zum Detail, der Unterstützung regionaler Fachbetriebe sowie des Fördervereins und von Spendern, ist es gelungen, den Ursprung und die Seele der 120 Jahre lang genutzten Fabrik langfristig zu konservieren – und so ein wichtiges Stück bergische Industrie zu bewahren. Das alles kostet viel Geld, „eine Summe irgendwo im hohen sechsstelligen Bereich“, sagt Haag und die gelte es nun, nach und nach abzutragen und auf die andere, „die gute Seite“ des Kontos zu schaufeln.

„Wir sind gerade dabei, uns ein Netzwerk mit den Remscheider Kulturschaffenden wie dem Rotationstheater oder der Klosterkirche aufzubauen, um hier künftig auch Veranstaltungen aus Kultur und Musik anzubieten.“ Auch Lesungen und Ausstellungen sollen regelmäßig stattfinden.

Fotoausstellung ab dem 2. September

Den Auftakt macht die Foto-Ausstellung von Gundis Friege. Die 91-jährige Künstlerin hat 62 Schwarz-Weiß-Exponate ausgewählt, die ab dem 2. September in dem historischen Industrie-Ambiente betrachtet werden können. Sie sei mit Ernst Ehlis befreundet gewesen, erzählt die Künstlerin, sie habe die alte Ehlis-Fabrik für Fotoaufnahmen häufig besucht. Nun ist sie das erste Mal seit Jahren wieder vor Ort im Schlepenpohl und sieht auch die Veränderungen. „Ich bin sprachlos. Ich bin absolut hingerissen von dem, was hier passiert ist. Es ist einfach nur unglaublich wunderbar.“

Villa

Zu dem Areal gehört auch eine Villa, in der derzeit ukrainische Flüchtlinge ein Zuhause gefunden haben. Künftig soll ein Hausmeister für das Gebäudeensemle eingestellt werden, der dort dann einziehen soll. 

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