Heute vor 100 Jahren brannte Schloss Burg

Der Dachstuhlbrand vor 100 Jahren hinterließ verheerende Spuren auf Schloss Burg. Das Bergische Museum wurde nahezu komplett vernichtet.
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Der Dachstuhlbrand vor 100 Jahren hinterließ verheerende Spuren auf Schloss Burg. Das Bergische Museum wurde nahezu komplett vernichtet.

Wermelskirchener Wehrleute kämpften gegen die Flammen

Von Klaus Hinger

Es war Freitag, der 26. November 1920, 5 Minuten vor 6 Uhr morgens – ein Herr Hackländer in Neuenflügel und eine Frau Schüttler in Oberburg meldeten der Feuermeldestelle, dass das Schloss brennt. Der Mitarbeiter der Feuermeldestelle informierte telefonisch die Feuerwehr und anschließend in deren Auftrag den Wasserwerksdirektor und die verschiedensten Fuhrwerksbesitzer. Die Direktion des Wasserwerks schickte unverzüglich einen Mitarbeiter mit dem Fahrrad nach Neuenflügel, um dort den Anschluss der Wermelskirchener Wasserleitung an die Burger Leitung herzustellen. Diese Maßnahme war von besonderer Wichtigkeit, da man in Oberburg nicht genügend Wasser zum Löschen hatte.

Die Fuhrwerke wurden geordert, um zum einen Geräte und zum anderen Mannschaften zum Einsatzort zu transportieren. Um 6.20 Uhr traf der fünfte Löschzug Oberwinkelhausen mit einer Feuerspritze am Brandplatz ein. Um 7 Uhr erreichten der erste und zweite Löschzug mit einer mechanischen Leiter und zwei Löschabteilungen mit einem Hydrantwagen das Schloss. Kurze Zeit später traf der dritte Löschzug mit einer Feuerspritze und einem Hydrantwagen ein.

6.20 Uhr: Die Burger Wehr war seit 6.20 Uhr mit ihrer Spritze am Grabentor tätig und wurde von dem fünften Löschzug abgelöst. Die Burger Wehr startete dann ihren Löschangriff im Schlosshof mit Unterstützung der Westhausener Feuerwehr.

7 Uhr: Die Berufsfeuerwehr Elberfeld war bereits mit dem Legen einer Schlauchleitung beschäftigt. Da der Rittersaal durch die Flammen sehr bedroht wurde, befahl der Branddirektor den Einsatz von zwei Schiebeleitern auf dem Schlossplatz. Die Aufrichtung der Leitern wurde durch abgestürzte, brennende Balken erschwert. Über eine der Leitern legte man die Schlauchleitung der kleinen Spritze und versorgte so aus der Höhe die Decke des Rittersaales mit Wasser.

Die Reste des Stockwerkes über dem Rittersaal standen zu diesem Zeitpunkt vollständig in Flammen. Die brennenden Wände und Balken über dem Rittersaal mussten unbedingt beseitigt werden, weshalb man in diesem Inferno eine Anstellleiter mit 42 Sprossen aufstellte. Hier gab es dann den ersten Personenschaden, weil ein Feuerwehrmann aus Elberfeld beim Aufsteigen auf diese Leiter durch die Betondecke in den Rittersaal stürzte. Er trug zum Glück keine größeren Verletzungen davon. Steiger des ersten und zweiten Löschzuges versuchten, die brennende Wand über dem Rittersaal nach außen zu stoßen. Unter Wasserschutz aus dem Strahlrohr wurde ein Steiger während des Angriffs geschützt, und es gelang ihm unter großer Gefahr und mit Unterstützung von rund 25 Feuerwehrleuten von außen – mit Seilen – die Wand nach außen zu stürzen.

Kurze Zeit später hatte die Berufsfeuerwehr Elberfeld kein Wasser mehr und wurde unmittelbar durch die Feuerspritze des dritten Löschzuges Hilfringhausen abgelöst. Der fünfte Löschzug Oberwinkelhausen kämpfte zu diesem Zeitpunkt Nähe Grabentor. Ein Hydrant im Bereich Grabentor und ein Hydrant auf dem Schlossplatz lieferten das nötige Löschwasser.

Verhängnisvoll war der Einsatz der Motorspritze der Berufsfeuerwehr, weil sie mit ihrem großen Saugschlauch den anderen Wehren das Wasser wegnahm. Da die Gefahr für den Rittersaal gebannt war und die Motorspritze der Berufsfeuerwehr inzwischen ausgefallen war, verfügten die Spritzen der Freiwilligen Feuerwehren über ausreichend Wasser und man konzentrierte sich nun unter größter Vorsicht darauf, auf der Decke des Rittersaales die Feuerherde zu löschen.

9.30 Uhr: Die Motorspritze war wieder einsatzbereit.

11 Uhr: Oberbrandmeister Wilke löste den Branddirektor Langenohl wegen einer Augenverletzung ab. Nun erfolgte der Löschangriff durch die Wermelskirchener Wehr auf der Decke der Kemenate. Hier herrschte eine solche Hitze, dass freiliegende Bleirohre schmolzen. Die Solinger und die Remscheider Wehren konnten bei diesem Löscheinsatz kaum tätig werden, da sie nur über Leitern, nicht über Spritzen verfügten.

18.30 bis 8.30 Uhr des Folgetages: Eine Brandwache unter Leitung von Brandmeisters Schmitz konnte eingerichtet werden. Die Mannschaften konnten nach erfolgreicher Arbeit wieder abrücken. Landrat Hentzen, der damalige Vorsitzende des Schlossbauvereins, bedankte sich ausdrücklich für die „tatkräftige und opfermutige Hilfe“.

Chronik

Schäden: Bis 1923 dauerte die Wiederherstellung nach dem großen Brand.

ab 1950: In der Nachkriegszeit wird Schloss Burg zu einem Touristenmagnet. Jährlich besuchen bis zu 160 000 Gäste das bergische Wahrzeichen.

seit 2016: Die Sanierung erfolgt in mehreren Abschnitten. Abgeschlossen sind die Arbeiten in der alten Schule (Besucherzentrum), am Bergfried und am Grabentorhaus. Weitere Arbeiten am Hauptgebäude, an der Kapelle sowie an Burgtor und Zwingertor geplant.

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