Herr über drei Millionen Kubikmeter Wasser

Routine: Täglich werden vom Talsperrenmeister Daten erfasst und dann gemeldet.
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Routine: Täglich werden vom Talsperrenmeister Daten erfasst und dann gemeldet.

Talsperrenmeister Roland Sorgenicht übt seinen Traumjob aus

Von Timo Lemmer (Text) und Christian Beier (Fotos)

Wer kann es ihm hier draußen schon verdenken? „Es ist ein Traumjob“, sagt Roland Sorgenicht, während er auf der massiven Staumauer stehend seinen Blick in die Weiten der Wälder schweifen lässt. Die Formel für seine Einschätzung ist nicht kompliziert: „Der Punkt schlechthin ist natürlich, dass ich es liebe, draußen zu sein.“ Bei Wind und Wetter - bei der Erkundung im rund zwölf Kilometer großen Wassereinzugsgebiet der Sengbachtalsperre regnet es konstant – ist der 52-jährige Talsperrenmeister mit den Diensthunden Max – mit über 12 Jahren deutlich gelassener als sein viermonatiger Mitstreiter – und Bruno unterwegs. „Und zum anderen liebe ich es“, so Sorgenicht weiter, „die Dinge im Positiven zu beeinflussen und zu verändern.“ Er, seit 1989 bei den Stadtwerken und seit 1995 Talsperrenmeister zwischen Solingen und Witzhelden, hat hier seine Lebensaufgabe gefunden.

„Es geht darum, die Dinge auf lange Sicht und für lange Zeit zu ändern.“

Roland Sorgenicht Talsperrenmeister

Zur täglichen Routine gehört die Kontrolle der maßgeblichen Talsperren-Daten. Im Wasserentnahmeturm läuft der Rechner. Im Betriebstagebuch wird für diesen Tag vermerkt, was auch an die Bezirksregierung gemeldet werden muss: Höhenstand: 35,8 Meter. Inhalt: über 2,7 Millionen Kubikmeter Wasser. Wassertemperatur an der Oberfläche: 5,1 Grad. Niederschlagsmenge der letzten 24 Stunden: 1,1 Millimeter- und so weiter. Sorgenicht erklärt die Daten und betont, hieraus ganz besonders viel Wert und Motivation für seine tägliche Arbeit zu schöpfen: „Ich kann mich hier um das wichtigste Lebensmittel kümmern, das wir haben. Es ist eine Aufgabe, die ich ganz wichtig finde. Es ist Ansporn und Antrieb, die hohe Qualität sicherzustellen.“

Etwa die Hälfte der Solinger Bevölkerung bezieht das Trinkwasser von hier, die andere Hälfte über die Große Dhünn-Talsperre. „Wir haben insgesamt sehr gutes Wasser“, bezieht sich Sorgenicht auf beide Talsperren: „Die Große Dhünn-Talsperre ist noch einmal größer, die Qualität aber bei beiden Talsperren ist gleich gut.“ Bei seiner Talsperre sorgt dafür das nahe Wasserwerk Glüder, dass technologisch immer Vorreiter sei, so Sorgenicht.

Ihn beschäftigt mit den anderen Mitstreitern wie Stadtförster Markus Schlösser oder Forstwirt Michael Knebel momentan aber eher der Beginn der Trinkwasser-Kette: Im Einzugsbereich der Talsperre werden in den kommenden Jahren in einer massiven Wiederaufforstung 50 000 neue Setzlinge in Schutzzone 1 gepflanzt. Rund 10 000 neue Bäume wurden Anfang März angeliefert.

Abgestorben waren insbesondere Fichten – angeliefert wurden in der ersten großen Aktion 5500 Eichen, 3500 Buchen, dazu Erlen und weitere Baumarten. Sorgenicht betont die Wichtigkeit gesunder Bäume im Nahbereich der Talsperre und sagt: „Ein Projekt in dieser Größe ist nicht Standard.“ Es wird mehrere Jahre dauern, die erste Runde mit den jüngst hergebrachten Bäumen bis Ende März. 600 bis 900 Bäume am Tag schaffen die drei Mitarbeiter.

In seiner Zeit ist die Aufforstung das größte Projekt seit der Sanierung der Staumauer auf der Luftseite in 2011. Dort wo Fichten abgestorben sind - die drei trockenen Sommer in Folge seien verheerend gewesen, hätten aber auch „nur“ eine ohnehin bemerkte Tendenz deutlich beschleunigt – wird jetzt auf einen breiteren Mix gesetzt. Der Talsperrenmeister erklärt beispielsweise aus seiner Expertise: „Am Gewässer setzt man immer im ersten Streifen Nadelbäume. Das ist ein mechanischer Schutz, der Laubeintrag ins Gewässer verhindert.“

In den ersten fünf Jahren brauchen die jungen Bäume viel Pflege

Gekauft wurden die neuen Bäume über eine Baumschule in Hünxe. Das war diesmal gar nicht so leicht wie sonst: „Es geht natürlich nicht nur uns so. Auf dem Markt merkt man total, dass es so gut wie keine Pflanzen gibt. Wir haben sechs Baumschulen anfragen müssen, nur zwei hätten liefern können.“ Bei den Eichen hat man auf vierjährige gesetzt, der Terminaltrieb liegt dann schon in 1,20 Meter Höhe und somit außer Reichweite von Rehwild. Die Anwuchschancen sind so umso höher. Verschiedene Schutzmechanismen werden trotzdem angebracht oder aufgetragen. Sorgenicht: „Gerade in den ersten fünf Jahren ist bei neuen Bäumen ganz viel Pflegearbeit gefragt.“

Dem wärmeren Klima zum Trotz, sieht Sorgenicht sein Einflussgebiet gut gerüstet für die Zukunft – da man die Gefahren schon vor Jahren erkannt habe. „Wir wussten früh, dass es der Fichte nicht mehr lange gut gehen wird. Wir sind super aufgestellt, weil wir schon seit Jahren naturnahe Forstwirtschaft betreiben.“ Maßnahmen sind bereits vorher angelaufen. „Wir setzen hier schon lange nicht mehr auf Monokulturen und wandeln den Wald längst um. Allerdings sind wir jetzt früher gezwungen, drastischere Maßnahmen durchzuführen statt uns immer mal wieder kleinere Flächen vorzunehmen. Ich sehe es aber als Chance.“

Die Wiederaufforstung soll letztlich die gewohnt hohe Wasserqualität sicherstellen. Für Sorgenicht ist das eine Lebensaufgabe: „Es geht darum, die Dinge auf lange Sicht und für lange Zeit gut zu ändern.“

Am Fuß der Trockenseite laufen Bauarbeiten. 40 Meter ragt die Staumauer an dieser Seite hoch.
Roland Sorgenicht begutachtet mit Hund Bruno die kleinen Eichen, die im Wald gepflanzt werden.
Die Sengbachtalsperre ist in diesen Tagen gut gefüllt.

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