Ostringhausen

Herbert Reul übergibt Küchen an Hilfsdienste

Dönges-Geschäftsführer Thomas Pletsch (l.) übergab den symbolischen Küchenschlüssel an Herbert Reul. Foto: Roland Keusch
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Dönges-Geschäftsführer Thomas Pletsch (l.) übergab den symbolischen Küchenschlüssel an Herbert Reul.
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Der NRW-Innenminister war zu Gast bei der Firma Dönges in Ostringhausen.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Wenn die alte Gulasch- und Erbsensuppen-Kanone neben der hochmodernen Feldküche platziert ist, hat das schon etwas Antikes. Das findet auch Christian Ballsieper, Zugführer des deutschen Roten Kreuzes (DRK) Wermelskirchen. Er war mit seinen Kollegen vom DRK Rhein-Berg beim feierlichen Moment am Nachmittag auf dem Gelände der Firma Dönges in Ostringhausen dabei. Innenminister Herbert Reul übergab dort symbolisch 108 von der Firma Dönges gefertigte mobile Feldküchen an die Hilfsorganisationen des Landes Nordrhein-Westfalen

„Wir nutzen Küchen bei größeren Einsätzen“, erklärt Ballsieper. Beispielsweise seien das Feuerwehreinsätze, die sich schon mal über Tage hinziehen können. Oder auch Vollsperrungen von Autobahnen, Evakuierungen von Häuser-Vierteln oder größere Übungen. „Wir sehen uns inzwischen weniger im Sanitätsdienst tätig als in der Versorgung der Einsatzkräfte“, fasst es Steffen Schmidt, DRK-Bereitschaftsleiter für den Rheinisch-Bergischen Kreis, zusammen.

Die Firma Dönges ist seit Jahren unter anderem auf die Fertigung solcher Feldküchen spezialisiert. Vor eineinhalb Jahren kam der Großauftrag vom Land Nordrhein-Westfalen. „Von der Vergabe bis zur Fertigstellung, das dauert schon mal seine Zeit“, sagt Dönges-Geschäftsführer Thomas Pletsch. Er hatte zusammen mit seinem Team auf das neue Werksgelände in Ostringhausen eingeladen, wo in Kürze wie berichtet der neue Firmensitz des Unternehmens sein wird.

Zur Ausstattung der mobilen Einsatzküchen gehören unter anderem Einsatztische aus Edelstahl, induktionsfähige Gastro-Normbehälter, ein mobiler Heißluftbackofen sowie ein beleuchteter Küchenbereich.

Innenminister Herbert Reul stellte noch einmal die große Bedeutung der Hilfsdienste, gerade auch im Katastrophenschutz in den Fokus. Und er sagte auch: „Die Ansprüche an die Gastronomie sind auch bei den Einsatzkräften inzwischen höher geworden.“

Christian Ballsieper kann das etwas relativieren: „Die Feuerwehrleute sind bei kleineren Einsätzen natürlich auch mal mit Wurst und Brötchen zufrieden. Wenn es mal länger dauert, sind sie aber natürlich auch dankbar für eine etwas aufwendigere Küche.“

Das Kochen übernimmt bei den Hilfsdiensten ein sogenannter Feldkoch, der extra für diesen Zweck ausgebildet wurde. „Der“, sagt Christian Ballsieper, „hat auch ein umfangreiches Kochbuch zur Hand, dessen Inhalt er mit der neuen Küche natürlich noch einmal besonders zelebrieren kann.“

Klaus Schneider von der Firma Dönges hat das Projekt von Beginn an begleitet. Er unterstreicht, dass die hochmodernen Küchen durchaus auch in der Gastronomie zum Einsatz kommen könnten. „Als das Land die Küchen in Auftrag gegeben hatte, war uns natürlich noch nicht bewusst, dass mit der Corona-Pandemie möglicherweise auch die Gastronomen Bedarf haben könnten“, sagt Schneider. So könnten die Küchen beispielsweise auch bei Live-Koch-Events im Freien Verwendung finden. Die Küchen könnten sowohl in Gebäuden, Zelten, auf Bühnen und unter freiem Himmel genutzt werden.

Schon im Mai lieferte die Firma Dönges die erste Feldküche an eine Hilfsorganisation im Land aus. Bis 2021 sollen dann alle im Einsatz sein.

Küchen kommen auch überregional zum Einsatz

Das DRK des Rheinisch-Bergischen Kreises erhielt direkt zwei der hochmodernen Küchen: eine für den Nord- und eine für den Südkreis. „Wir helfen aber auch gern kreisübergreifend aus“, betont Ingeborg Schmidt als DRK-Kreisvorsitzende. Sie erinnert an einen Einsatz bei Hochwasser in Magdeburg, als die alte Feldküche des Roten Kreuzes überregional zum Einsatz kam.

„Die alten Gulaschkanonen werden wir natürlich etwas vermissen, wir haben gern mit ihnen gearbeitet“, gibt sie zu. „Aber natürlich freuen wir uns, mit den neuen Geräten jetzt ein ganz neues Koch-Erlebnis zu haben.“ 

Kosten

Bei einem Stückpreis von 165 000 Euro kosten die 108 Verpflegungsmodule das Land insgesamt 18 Millionen Euro. Hinzu kommen 14 Millionen Euro für 108 neue Lkw, die unter anderem für den Transport der mobilen Einsatzküchen eingesetzt werden. Stückpreis: 135 000 Euro.

85 Verpflegungsmodule sollen bis Ende 2020 ausgeliefert sein, die übrigen 23 Module folgen im kommenden Jahr.

Standpunkt

anja.siebel @rga-online.de

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

Was haben denn Hilfsdienste wie das Deutsche Rote Kreuz oder das Technische Hilfswerk mit Küchen zu tun, wird sich vielleicht der ein oder andere fragen. Dass es da sehr wohl eine wichtige Verbindung gibt, wurde beim Termin bei der Firma Dönges recht deutlich. Denn es gibt Einsätze, seien es nun Brände, Autobahnsperrungen oder Evakuierungen, die ziehen sich mitunter hin. 

Und bei solchen müssen die Einsatzkräfte und nicht selten auch die betroffenen Personen mit Nahrung und heißen Getränken versorgt werden. Dabei haben inzwischen die alten Gulasch- oder Erbsensuppenkanonen ausgedient. Die hochmodernen Feldküchen bieten eine ganze Menge mehr. Dass das Land 32 Millionen Euro für die Anschaffung dieser Küchen investiert, bedeutet vor allem eine Wertschätzung den meist ehrenamtlichen Helfern gegenüber. Und das ist – gerade in Zeiten, in denen sich Feuerwehr und Einsatzkräfte nicht selten Respektlosigkeiten, Beschimpfungen und Gewalt gegenüber sehen, mehr als berechtigt. In Krisenzeiten wie diesen wird deutlich, wie wichtig Hilfsorganisationen sind. Für alle. 

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