Landtagswahl 2022 in NRW

Herbert Reul (CDU) räumt im Kreis ab

Wahlsieger Herbert Reul (CDU, Mitte) bekam viele Glückwünsche in Bergisch Gladbach - auch vom hiesigen Bundestags-Abgeordneten Dr. Hermann-Josef Tebroke (links) und seinem Vorgänger dem ehemaligen Landtagsabgeordneten Rainer Deppe (rechts).
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Wahlsieger Herbert Reul (CDU, Mitte) bekam viele Glückwünsche in Bergisch Gladbach - auch vom hiesigen Bundestags-Abgeordneten Dr. Hermann-Josef Tebroke (links) und seinem Vorgänger dem ehemaligen Landtagsabgeordneten Rainer Deppe (rechts).
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Der NRW-Innenminister wird nun auch Landtagsabgeordneter für seine Heimatregion.

Wermelskirchen. Er könne es kaum glauben, sagte Wahlsieger Herbert Reul (CDU), der am späten Sonntagabend noch von Düsseldorf ins Kreishaus nach Bergisch Gladbach gereist war. Den Besuch, betonte er, habe er sich nicht nehmen lassen wollen.

Die Wählerinnen und Wähler im Kreis machten den derzeitigen NRW-Innenminister mit 51,1 Prozent der Stimmen zum neuen Landtagsabgeordneten für den Rheinisch-Bergischen Kreis. Reul löst damit Rainer Deppe ab, der zu dieser Landtagswahl nicht mehr angetreten war. Und dass „der Neue“, der in Leichlingen zu Hause ist, diese Aufgabe als Abgeordneter sehr ernst nehmen wird, lässt sich bereits erahnen.

Herbert Reul war in den vergangenen Wochen viel unterwegs in seinem Heimatkreis, hat mit den Menschen gesprochen. „Und das werde ich auch weiterhin intensiv tun, wann immer es die Zeit zulässt“, verspricht der Wahlsieger. In Wermelskirchen zum Beispiel sei schon in Kürze ein weiterer Besuch geplant.

Die Wähler haben ein deutliches Zeichen gegen eine SPD geführte Regierung gesetzt.“

Herbert Reul, CDU

Große Koalition? Ampel? Oder möglicherweise noch einmal Rot-Grün? „Letzteres ist meiner Ansicht nach nicht möglich, denn die Wähler haben ja ein deutliches Zeichen gegen eine SPD-geführte Regierung gesetzt“, unterstreicht Herbert Reul. „Alles andere müssen wir abwarten und miteinander sprechen.“

Vom „großen Rückenwind aus Berlin“ sprach die Grünen-Kreisvorsitzende Ursula Ehren. „Von der guten Arbeit, die vor allem Annalena Baerbock und Robert Habeck derzeit machen, konnten wir auch im Land profitieren“, sagt Ehren. „Sie machen ihren Job wirklich gut, und das spiegelt sich hier wider.“

Erststimmen Rheinisch-Bergischer Kreis II Landtagswahl NRW 2022

Vor allem die geringe Wahlbeteiligung - im Kreis waren es immerhin 61,83 Prozent - machte Sebastian Lemmer, Direktkandidat der SPD, für den Abrutsch auf Landes- und Kreisebene verantwortlich. „Das sind ein Großteil unserer Wähler, die da nicht hingegangen sind“, ist er sicher. Möglicherweise sei das auch ein Ergebnis der großen Verunsicherung, die viele Bürgerinnen und Bürger aufgrund des Ukraine-Krieges gerade spüren, kann Lemmer nur vermuten. Der Leichlinger Ratsherr war vor einigen Monaten für Heike Engels angetreten, die aus Krankheitsgründen ihre Kandidatur zurückgezogen hatte.

Ergebnisse der Landtagswahl vom 15. Mai 2022 in Wermelskirchen

„Ich habe mich mit vielen Menschen im Kreis unterhalten“, berichtet Lemmer. „Natürlich hatte Herbert Reul durch seine Funktion als NRW-Innenminister auch klare Vorteile“, räumt er ein. „Er hat sich das Vertrauen vieler Wählerinnen und Wähler erarbeitet. Das muss man anerkennen.“

Der Wermelskirchener Marco Frommenkord, der sich für die FDP als Direktkandidat zur Wahl gestellt hatte, verließ früh das Kreishaus in der Hauptstadt. Mit 5,9 Prozent fuhren die Liberalen auch auf Kreisebene ein historisch schlechtes Ergebnis ein. „Ich bin zutiefst entsetzt“, sagte Frommenkord, der in seiner Heimatstadt Wermelskirchen immerhin 8,9 Prozent der Stimmen holen konnte. „Wir müssen das jetzt erst einmal aufarbeiten und, ja, auch unsere Wunden lecken. Ich kann es heute eigentlich nur mit den Worten der Partei 'Die Partei' ausdrücken: Hauptsache, das Wetter ist schön.“ Sagte es und machte sich von dannen ins heimische Wermelskirchen.

Wahl in Wermelskirchen

Auf dem Boden des Großen Ratssaals im Wermelskirchener Rathaus wuchsen am Abend die Berge an blauen Umschlägen. So berichtete zumindest Wermelskirchens Stadtsprecherin Kathrin Kellermann im sozialen Netzwerk Facebook. „Hier werden nämlich gerade die Stimmen der Briefwahl ausgezählt. Mehr als 7500 Wermelskirchenerinnen und Wermelskirchener hatten für die Landtagswahl 2022 Briefwahl beantragt. 2017 waren es nur 4620 Briefwählerinnen und Briefwähler.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Trotz allem überraschend

anja.siebel@rga.de

Wie erwartet gab es Gewinner und Verlierer gestern Abend. Auch im Bergisch Gladbacher Kreishaus. Die einen jubelten, die anderen müssen jetzt ihre Niederlage aufarbeiten. Dass im Rheinisch-Bergischen Kreis die CDU stets die Nase vorn hat, ist nichts Neues. Aber mit so deutlicher Mehrheit – damit hätte wohl kaum jemand gerechnet. Sicher liegt das zum einen am hohen Bekanntheitsgrad des Wahlsiegers Herbert Reul.

Als NRW-Innenminister hat er in den vergangenen Jahren ordentliche Arbeit geleistet, vor allem im Bereich der Sicherheitspolitik. Und: Er ist als Leichlinger bekannt im Kreis. Ein Faktor wird aber auch, wie es Jochen Bilstein und Sebastian Lemmer (beide SPD) vermuten, die derzeitige Krise aufgrund des Angriffskriegs in der Ukraine sein. Die Menschen sind verunsichert und wünschen sich eine klare Linie, die aber derzeit niemand so recht vermitteln kann. Entsprechend sind einige, im Kreis etwa 40 Prozent der Wähler, wohl erst gar nicht zur Wahlurne gegangen. Möglicherweise zu Lasten der SPD.

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