Helga Kunitz entdeckt den Iran privat

Früher reiste sie viel und gerne mit ihrem verstorbenen Mann Dr. Friedrich-Wilhelm, vom dem auch dieses Cordoba-Gemälde stammt: Helga Kunitz, noch voller Eindrücke ihrer Iran-Reise, mit einem Mitbringsel von dort.©
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Früher reiste sie viel und gerne mit ihrem verstorbenen Mann Dr. Friedrich-Wilhelm, vom dem auch dieses Cordoba-Gemälde stammt: Helga Kunitz, noch voller Eindrücke ihrer Iran-Reise, mit einem Mitbringsel von dort.<br><i>©

Helga Kunitz hat lange warten müssen auf das Visum. Teheran entschied, wann es los ging: im Mai. Reichlich spät, der Temperaturen wegen. 45 Grad, "das war mir manchmal fast zu viel", erinnert sich die Rentnerin aus Wermelskirchen. Die sich vorkam als einzige Touristin aus dem Ausland. Dafür gab es jede Menge - besonders junge - Touristen aus dem Inland.

"Ich wollte nicht auffallen - denkste . . ." Aber immerhin hat sie beim Nähen des Kleides darauf achten lassen, dass es - anders, als bei gedankenlosen Pauschal-Touristinnen - hoch geschlossen war. Früher ist sie mit ihrem Mann viel gereist - vorzugsweise nach Asien. Auch als Witwe reist sie noch gerne. Und diesmal erfüllte sich die 72-jährige gelernte Krankenschwester einen völlig ungewöhnlichen Wunsch: Sie wollte den Iran "ganz privat entdecken" und war zwei Wochen unterwegs auf einer Rundreise durchs ganze Land mit Hassan, ihrem Fahrer und Führer, ein Mann, der in Deutschland studiert hat und deutsch spricht.

Angst habe sie nicht gehabt, im Gegenteil. Während Hassan sie von allem fernhalten wollte, sei sie geradezu ausgebüxt, um näher heranzukommen an Menschen und Märkte, Gebäude und Sehenswürdigkeiten. "Hassan wollte mich immer beschützen", schmunzelt Helga Kunitz. Die einzige Enttäuschung sei gewesen, dass "wir lange keine Moschee gesehen haben und ich keinen einzigen Muezzin gehört habe". Dabei sei sie unter anderem der Moscheen wegen in den Iran gereist. Aber "für die Moscheen lohnt es sich nicht".

Dafür hat sie eine Menge anderer, schöner Dinge gesehen. Edelstein-Schleifer, Kupferstecher, die ihre Arbeiten verzieren, Gewürze, Teppiche, Tees und Kaffees, Ölfelder, Oasen, Gebirge, Salzwüsten, Ausgrabungen und Tempelanlagen, Kurden, die als einzige eine Nationaltracht tragen im Iran. "Jedes Dorf hat genug Wasser und Strom", ist der Reisenden aufgefallen. Deshalb brauchen die Frauen im Iran nicht kilometerweit mit dem Wassereimer gehen wie in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern. Dafür gibt es viele Nomaden, hat die Wermelskirchenerin beobachtet, ein wenig enttäuscht von der Eintönigkeit ihrer Kleidung. "Montezumas Rache" hat sie während der beiden Wochen nicht erfahren, denn "die Verpflegung in den tollen Hotels war europäisch". Das einzige, was in kleineren Hotels an den Orient erinnerte, war das Fladenbrot. Die großen Hotels hätten sogar Croissants zum Frühstück gereicht.

Auf Plantagen und nicht nur für den eigenen Verbrauch hat sie Pistazien, Tomaten, Auberginen und Feigen wachsen sehen. Und sich an den Hotels freuen können, dass "meine Stiefmütterchen" dort wuchsen. Das waren Gelegenheiten, mal wieder "auszubrechen". "Ich hatte manchmal das Gefühl", sagt sie, "als müsste ich Hassan überlisten." Dass sie an keiner Ausgrabungsstelle jemanden arbeiten gesehen hat, führt sie auf die nicht gerade sichere Situation im Land zurück. Französische Archäologen zum Beispiel hätten sich völlig zurückgezogen. Kunitz hat Land und Zeitpunkt nicht zuletzt in dem Bewusstsein gewählt, dass niemand ausschließen könne, dass die US-Amerikaner nicht eines Tages auch im Iran einmarschieren und dass dann ein Besuch unmöglich wird.

(s.n.). Iran:

Das Land zählt mit 74 Mio. Einwohner auf gut 1,6 Mio. qkm - 44,9 pro qkm - zu den 20 bevölkerungsreichsten und größten Staaten der Welt. Allein Teheran hat ca. 17 Mio. Einwohner. 65 Prozent der Bevölkerung sind Perser; 98 % gehören zum Islam (Staatsreligion) und zwar vorwiegend zu den Schiiten. Amtssprache ist persisch; die Islamische Republik "Iran" hieß bis 1935 auch Persien und heißt auf deutsch "Land der Arier". Geografisch liegen im Norden der Kaukasus, im Süden die Arabische Halbinsel, im Osten Indien und China, im Westen Mesopotamien und Syrien; im Norden ist das Kaspische Meer, im Südwesten der Persische Golf, im Süden Golf von Oman (Indischer Ozean) Iran grenzt u.a. an Türkei, Irak, Afghanistan und Pakistan. 53 % der Landesfläche sind Wüste; der höchste Berg misst 5 671 m.

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