Krieg in der Ukraine

Helfer holen Menschen von der Grenze

Helferinnen und Helfer bereiteten den Transport am Dienstagabend vor, darunter Dorothea Hoffrogge und Busunternehmer Harro Meinhardt. Foto: Doro Siewert
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Helferinnen und Helfer bereiteten den Transport am Dienstagabend vor, darunter Dorothea Hoffrogge und Busunternehmer Harro Meinhardt.

Willkommen in Wermelskirchen und die Freikirchliche Gemeinde organisieren einen Hilfstransport nach Polen.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Der Bus ist schon vollgepackt, die beiden Fahrer machten sich in der Nacht bereits auf den Weg. Es geht nach Przemysl, an die polnisch-ukrainische Grenze. „Ein bisschen ins Ungewisse“, sagt Dorothea Hoffrogge von der Initiative Willkommen in Wermelskirchen, die den Hilfstransport zusammen mit dem Treffpunkt Hoffnung in Wermelskirchen organisiert. Der Plan: Hilfsgüter werden mit einem Reisebus hintransportiert und eine Gruppe Geflüchteter mit nach Wermelskirchen gebracht.

„Wir haben den Kontakt über eine russisch-orthodoxe Organisation geknüpft“, sagt Dorothea Hoffrogge. Und so ist auch eigentlich genau festgelegt, welche Familien sie, zumeist Frauen mit Kindern, die aus dem ukrainischen Lemberg zur polnischen Grenze kommen, mit ins Bergische nehmen. Hoffrogge: „Es gibt eine Liste. Aber wir wissen natürlich nicht genau, ob die Menschen den Übergang nach Polen auch rechtzeitig schaffen.“ 41 Menschen sollen es sein. Und das ist auch genau abgestimmt mit der Stadt Wermelskirchen. „Die Zusammenarbeit klappt hervorragend“, lobt Hoffrogge. „Besser und unbürokratischer könnte es gar nicht laufen.“

Welle der Hilfsbereitschaft ist enorm

„Wenn die Geflüchteten bei uns angekommen sind, werden Mitarbeiter des Sozialamtes sich um sie kümmern und ihnen Unterkünfte vermitteln“, sagt Jochen Bilstein von der Initiative Willkommen in Wermelskirchen. Die Stadt hatte sich schon zu Anfang Kriegs in der Ukraine bereiterklärt, zu unterstützen und Wohnraum zur Verfügung zu stellen: „Die Menschen suchen Schutz und wir in Wermelskirchen sind bereit, zu helfen“, sagt Bürgermeisterin Marion Lück. Die ersten Ukrainer seien bereits angekommen. „Und wir müssen damit rechnen, dass es noch viel mehr werden“, sagt die Bürgermeisterin. Die Welle der Hilfsbereitschaft sei auch in Wermelskirchen enorm, sagt Sozialamtsleiterin Tanja Dehnen.

Um diese Angebote besser zu koordinieren und schnell und gezielt zu helfen, haben sich die Stadt Wermelskirchen, die Initiative Willkommen in Wermelskirchen sowie die Tafel Wermelskirchen nun unter dem Motto „Wermelskirchen hilft!“ zusammengeschlossen, um die Hilfe für die ukrainischen Flüchtlinge aufeinander abzustimmen. Unter dem Schirm der Initiative können sich auch Bürger, Vereine, Schulen oder Kitas zusammenschließen und gemeinsam Aktionen durchführen, um Spendengeld zu sammeln.

Diese Spenden könnten gezielt für unbürokratische Hilfen für ankommende Geflüchtete genutzt werden, schreibt die Stadtverwaltung. Wichtig sei das vor allem, um sofort notwendige Dinge beschaffen zu können, die nicht aus den Regelleistungen der Sozialhilfe oder aus Sachspenden gedeckt würde. Zudem sollen mit dem Spendengeld auch Angebote zur Trauma-Bewältigung, spezielle Angebote für Kinder oder auch Kommunikationsmöglichkeiten mit Verwandten ermöglicht werden.

Die in Wermelskirchen für die Geflüchteten zur Verfügung stehenden Plätze konnte die Stadt sofort an das Land NRW melden, weitere Plätze würden gerade geschaffen. Zusätzlich hätten viele Bürgerinnen und Bürger signalisiert, dass sie Menschen bei sich aufnehmen wollen.

Als erste Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger, die helfen wollen, hat die Stadt außerdem eine zentrale Mailadresse eingerichtet. Darüber können Unterkünfte, Sachspenden oder weitere Hilfsangebote gemeldet werden. „Wir werden das dann an Willkommen in Wermelskirchen und an die Tafel weiterleiten und gemeinsam mit ihnen koordinieren“, so Dehnen.

Auf die Zuweisungen des Landes auf die einzelnen Kommunen könne man aufgrund der lebensgefährlichen Situation vor Ort aktuell nicht warten. „Wir müssen jetzt handeln“, sagt Bürgermeisterin Marion Lück.

wermelskirchenhilft@ wermelskirchen.de

Hintergrund

Für Spenden an die Initiative Wermelskirchen hilft! stehen zwei Konten zur Verfügung: Konto der Initiative Willkommen in Wermelskirchen, Evangelische Kirche IBAN DE83 34051570 0000 100271 BIC WELA DED1WMK Verwendungszweck: Ukraine

oder für die Tafel das Konto der Katholischen Kirche / Caritas: DE57 34051570 0000 110148 BIC WELADED1WMK Verwendungszweck: WkiWK Ukraine

Standpunkt: Gezielte Unterstützung

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Es ist jetzt so wichtig, den Menschen aus der Ukraine zu helfen. Einfach, schnell und unbürokratisch. Sie kommen aus dem direkten Kriegsgebiet, sind vielfach geschockt, haben grausame Dinge erlebt und sind möglicherweise sogar schon traumatisiert. Hilfsangebote gibt es von überall zahlreich. Und auch in Wermelskirchen mehren sich die Nachrichten, dass geholfen wird. Jetzt sogar gebündelt durch die Initiative „Wermelskirchen hilft!“, bestehend aus Willkommen in Wermelskirchen, den Kirchengemeinden, der Stadt und der Tafel. Dass diese wichtige Hilfe an zentraler Stelle gebündelt wird, ist richtig und wichtig. Denn es nützt wenig, wenn alle helfen wollen, aber von ganz unterschiedlichen Stellen. Dann geht schnell etwas durcheinander und letztlich kommt die Hilfe nicht richtig und gezielt an. Noch ist nicht klar, wie viel Unterstützung überhaupt in Wermelskirchen benötigt wird. Umso besser ist es, dass so viele in den Startlöchern stehen und bereit sind, für das, was da kommt. Es wird nicht gezögert und lamentiert, sondern einfach gemacht. Das ist ohnehin das Beste.

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