Umfrage

Heizungen bleiben noch abgeschaltet

Marion Lück (49)
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Marion Lück (49)

Etliche Menschen haben die Heizung noch runter gedreht. Und zeigen Erfindungsreichtum für mehr Wärme.

Text und Fotos von Arnd Janssen und Stephan Singer

Wermelskirchen. Frierst du noch oder heizt du schon ? Mit der Heizperiode kommt auch die Sorge über zunehmend unbezahlbare Heizkosten. Unsere Umfrage in der Innenstadt ergibt: Viele Bürger aus Wermelskirchen und Region hielten sich mit  dem Heizen bis zuletzt zurück, andere wollen den Heizbeginn noch weiter hinauszögern. Sparen ist für viele schon alltäglich. Nicht wenige machen sich bereis Gedanken, wie sie weitere Kostensteigerungen und eventuelle Engpässe bei der Strom- und Gasversorgung stemmen können. Die Lage zeigt aber auch: Not macht erfinderisch.

„Wir machen abends den Ofen an. Die normale Heizung müssen wir bisher nur hin und wieder anschalten“, sagt die Wermelskirchenerin Birgit Hübner. „Wir haben schon vor der Energiekrise gespart. Ich fahre mit dem Fahrrad in die Stadt, spare beim Duschwasser und schalte Geräte früher ab. So richtig Sorgen mache ich mir aber nicht – eher um die Leute, die dann die Miete nicht mehr zahlen können“, erzählt die 62-jährige Bautechnikerin weiter.

Lisa Lebrecht (43)

Marktverkäuferin Lisa Lebrecht aus Bergisch-Born hat die Heizung vor zwei Wochen angemacht. „Da wurde es mir zu kalt. Ich heize aber nur bestimmte Räume und nur wenig. Man denkt schon drüber nach, Energie zu sparen. Ich hänge die Wäsche eher auf, anstatt den Trockner zu nutzen“, sagt sie.

Wolfgang Poranzke (67)

Auf Sparflamme heizen auch der Rentner Wolfgang Poranzke und seine Frau Andrea (62). „Wir haben aber ältere Leute im Haus, die können wir nicht frieren lassen. Wie schon vor der Krise sparen wir: Höchstens 20 Grad im Haus. Im Schlafzimmer heizen wir fast nie, maximal auf 16 bis 17 Grad“, sagen die beiden. Da sie eine Ölheizung nutzen, sind sie überzeugt, gut über den Winter zu kommen. Beim Auto sei man schon auf ein sparsameres Modell umgestiegen, zudem haben beiden einen energiefressenden Eisschrank außer Betrieb genommen.

Jamy Bestges (25)

Der gelernte Facility Manager Jamy Bestges zieht es derweil vor, zu frieren. „Ich werde nicht heizen, ich habe genug Klamotten. Damit die Wände nicht auskühlen, stelle ich die Heizung aber auf Eins. Wegen der Krise passe ich mich an. Da ich aber den ganzen Tag auf der Arbeit bin, friere ich eh kaum“, sagt der 25-Jährige, der glaubt, dass ein „Blackout“ im Winter gut möglich ist.

Aus finanziellen Gründen spart auch Sarah Konikowski aus Tente bisher, die als Auszubildende in der Pflege nicht viel Puffer hat. „Ich hatte die Heizung nur einmal bisher an, da war es nur 15 Grad in der Wohnung. Ansonsten versuche ich, beim Duschen zwischendurch das Wasser abzudrehen“, sagt die 21-Jährige. „Ich mache mir schon Sorgen, so teuer wie das Heizen gerade ist. Ich habe nicht so viel Geld angespart.“ Immerhin habe sie in ihrer kleinen Wohnung wenig Heizbedarf.

Viele warten noch mit dem Heizen bis es nicht mehr anders geht

Janina Mertes (32)

Janina Mertes ist in ihrem Freundeskreis jedes Jahr die Letzte, die die Heizung anschaltet – wegen der Kosten hält sie sich jetzt zusätzlich zurück. „Ich muss im Bad leider ein bisschen aufdrehen. Ansonsten gibt es dicke Kleidung und Wolljacke“, empfiehlt sie. Früher habe sie bis in den Oktober häufig noch T-Shirt getragen. Seit sie Rollstuhlfahrerin ist, braucht sie mehr Heizwärme. Zum Energiesparen zieht die 32-jährige Hückeswagenerin Geräte so oft es geht aus der Steckdose.  Michael Nähle aus Wermelskirchen wartet noch mit dem Heizen, Schuld sind die Kosten. „Solange es geht, irgendwann muss ich Heizen“, sagt der Koch. Sein Abschlag beim Energieversorger wurde schon verdoppelt.

Michael Nähle (43)

Vorbildliches Verhalten gibt es auch im Rathaus: „Ich friere ziemlich schnell“, gesteht Bürgermeisterin Marion Lück ein. Deshalb habe sie bereits bei sich zuhause zwei Heizkörper eingeschaltet: „Aber nur auf Stufe Eins.“ Darüber hinaus leiste der Kaminofen gut Dienste. „Und ich helfe mir mit dickem Pulli und einer Decke“, sagt Marion Lück: „Auch im Büro im Rathaus benutze ich eine dicke Decke.“ Und daheim ist ebenfalls Kürzertreten angesagt: „Ich verzichte deshalb auf meine geliebte Zeit in der Badewanne.“

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