Engagement

Heimat-Preis freut die Mitglieder sehr

Die Feier zum Einjährigen wurde 2015 mit den Flüchtlingen ausgiebig gefeiert. Archivfoto: Roland Keusch
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Die Feier zum Einjährigen wurde 2015 mit den Flüchtlingen ausgiebig gefeiert.

Mehr als 200 Menschen engagieren sich bei „Willkommen in Wermelskirchen“.

Von Susanne Koch

Über die Wertschätzung der Bürgermeisterin Marion Lück anlässlich der Heimat-Preis-Übergabe am vergangenen Mittwoch haben sich die Mitglieder von „Willkommen in Wermelskirchen“ besonders gefreut. „Das Preisgeld über 2500 Euro setzen wir für unsere Arbeit ein“, sagt Dorothea Hoffrogge, eine der Koordinatorinnen. Der Heimat-Preis wird von der Stadt Wermelskirchen ausgelobt. Das zuständige Ministerium in NRW gibt die Gelder dafür an die Kommunen weiter.  

„Wir geben die 2500 Euro für Soforthilfen aus. Die geflüchteten Menschen, um die wir uns kümmern, brauchen unter Umständen auch finanzielle Unterstützung – sei es, dass wir ihnen einen Kredit geben, um den Deutschkurs zu finanzieren, sei es, dass wir ihnen das Zugticket nach Berlin als Vorschuss bezahlen, wenn sie beispielsweise eine Botschaft aufsuchen müssen.“

„Wir setzen uns dafür ein, dass die zugezogenen Menschen hier Akzeptanz und Respekt erfahren.“

Dorothea Hoffrogge, Koordinatorin

2014 hat „Willkommen in Wermelskirchen“ mit der Arbeit angefangen. 2015 wurde die Initiative gegründet. „Wir setzen uns dafür ein, dass die zugezogenen Menschen hier Akzeptanz und Respekt erfahren“, sagt Dorothea Hoffrogge. „Entstanden ist die Initiative in christlichen Gemeinden, es sind aber sehr schnell auch andere Wermelskirchenerinnen und Wermelskirchener dazu gekommen“, sagt die Presbyterin der Gemeinde in Hilgen-Neuenhaus.  

Mehr als 200 Menschen sind im Bündnis „Willkommen in Wermelskirchen“ aktiv. „Wir bieten etwa im Waschcafé regelmäßig Beratungen an“, sagt Dorothea Hoffrogge. „Wir helfen Formulare ausfüllen, und über Zoom haben wir Gesprächsgruppen jetzt in der Corona-Zeit angeboten. Die meisten unserer Mitglieder treffen sich aber auch mit den geflüchteten Menschen.“ Sprachkurse werden für die angeboten, die aus den unterschiedlichsten Gründen noch keinen VHS-Kurs besuchen können.

„Leider ruht das Café International, ein Treffpunkt für Alt- und Neubürger, wegen der Corona-Pandemie“, sagt Dorothea Hoffrogge. „Willkommen in Wermelskirchen hilft bei der Wohnungs-, Arbeit- und Ausbildungssuche. Mehr als 50 Menschen hätten bereits eine Ausbildung abschließen können. „Darauf sind wir sehr stolz“, sagt die Presbyterin.

Sie selbst sei glücklich und dankbar über dieses ehrenamtliche Engagement. „Ich lerne selber ganz viel“, sagt sie. „Ich habe gelernt, unsere Perspektive in Frage zu stellen“, sagt sie. „Unsere Vorstellungen und Bilder sind immer relativ.“ Ein Beispiel: Sie habe sich selbst dabei ertappt, Vorurteile gegenüber Frauen mit Kopftuch zu haben. „Dabei ist es ein Ausdruck ihrer Religion“, betont Dorothea Hoffrogge. „Wenn wir beispielsweise samstags auf der Balkan-Trasse Waffeln verkaufen, sind einige muslimische Frauen ängstlich, dabei zu sein. „Sie denken, dass sie nicht dazugehören würden, sie meinen mit Kopftuch dürften sie das nicht.“

Sie selber habe, seitdem es „Willkommen in Wermelskirchen“ gibt, unendlich viele Kontakte geknüpft, sowohl zu Geflüchteten als auch zu Ur-Wermelskirchenern, die sie anders gar nicht kennengelernt hätte. „Und das ist sehr bereichernd.“ Dorothea Hoff-rogge ist Bau-Ingeneurin von Beruf. „Ich unterrichte jetzt aber am Gymnasium.“

„Wir müssen uns dafür engagieren, dass diese Menschen bei uns mit Respekt aufgenommen werden.“

Dorothea Hoffrogge

Sie betont, wie wichtig der Einsatz für die geflüchtete Menschen ist. „Wir müssen uns dafür engagieren, dass diese Menschen bei uns mit Respekt aufgenommen werden und sie sich in die Gesellschaft integrieren können.“ | Standpunkt

Heimat-Preis

Der Rat der Stadt Wermelskirchen hat im Juni 2020 beschlossen, an dem Landesprogramm „Heimat-Preis NRW“ teilzunehmen, um damit ehrenamtliches Engagement zu fördern. Möglich wird die Verleihung und die damit verbundene finanzielle Unterstützung durch die Förderung des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW im Rahmen des Förderprogramms „Heimat. Zukunft. Nordrhein-Westfalen. Wir fördern, was Menschen verbindet“.

Standpunkt: Eine Erfolgsgeschichte

Von Susanne Koch

susanne.koch@rga.de

Mehr als 50 geflüchtete Menschen konnten bereits mit Unterstützung von „Wir in Wermelskirchen“ eine Ausbildung abschließen. Mehr als 200 Wermelskirchenerinnen und Wermelskirchener sind in dieser Initiative aktiv. Sie treffen sich mit den geflüchteten Menschen, beraten sie, helfen beim Ausfüllen von Formularen, helfen bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, helfen beim Suchen von Möbeln und Kleidung und setzen sich dafür ein, dass die Neuzugezogenen möglichst schnell Deutsch lernen können. Die Stadt Wermelskirchen hat den Heimat-Preis zu Recht an „Wir in Wermelskirchen“ vergeben. Denn die vielen Ehrenamtlichen sorgen dafür, dass die geflüchteten Menschen aus aller Herrenländer sich in Werrmelskirchen zurechtfinden. Das verhilft zu einem guten Miteinander und auch, dass sich die geflüchteten Menschen besser und schneller integrieren. Die Stadtgesellschaft ist damit noch bunter und vielfältiger geworden. Wovon alle profitieren, wenn sie sich darauf einlassen. Ich wünsche „Wir in Wermelskirchen“ weiterhin viel Erfolg und ein baldiges Ende der Einschränkungen durch die Pandemie.

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