Medizin

Hausarzt behandelt per Video-Schalte

Privatdozent Dr. Dr. Michael Czaplik (l.) und Dr. Andreas Follmann begleiten Dr. Rafael Walocha als Tele-Hausarzt.
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Privatdozent Dr. Dr. Michael Czaplik (l.) und Dr. Andreas Follmann begleiten Dr. Rafael Walocha als Tele-Hausarzt.
  • Anja Carolina Siebel
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Dr. Rafael Walocha nimmt mit dem Seniorenpark Carpe Diem an Pilotprojekt der RWTH Aachen teil.

Von Anja Carolina Siebel

Anni Caplan hat mit ihren 94 Lenzen nicht mehr viel mit Computern zu tun. Ihren Hausarzt Dr. Rafael Walocha sieht sieht die Bewohnerin des Seniorenparks Carpe Diem in Dabringhausen allerdings jetzt öfter via Computer-Bildschirm. Denn Walocha nimmt zusammen mit der Leitung des Carpe Diem seit einigen Wochen an einer Studie der RWTH Aachen teil.

Nancy Heinzmann, Pflegekraft, mit der neuen Apparatur.

Mit dem sogenannten Tele-Hausarzt haben die Forscher der Uniklinik Aachen ein Pilotmodell entwickelt, das die Situation in den überfüllten Hausarztpraxen verbessern soll. Anwendbar ist es in Seniorenheimen, aber auch zuhause. Der Hausarzt ist per Videokonferenz mit dem Patienten verbunden, kann zeitgleich aber auch Vitalfunktionen wie Blutdruck oder Herzfrequenz, ja sogar ein geschriebenes EKG des Herzens, am Monitor begutachten. Voraussetzung ist, dass eine Pflegefachkraft oder Medizinisch Technische Assistenz beim Patienten ist und die Tele-Untersuchung begleitet. Für Senioreneinrichtungen gibt es einen speziellen Rollwagen, an dem die gesamte Technik, inklusive Blutdruckmessung, EKG und anderes angeschlossen ist. Geleitet wird die Studie von der Sektion Medizintechnik, in der die beiden Aachener Anästhesisten PD Dr. Dr. Michael Czaplik und Dr. Andreas Follmann arbeiten. Czaplik gründete zudem das Unternehmen „Docs in Clouds“, das das System für Arztpraxen entwickelt hat.

„Zurzeit machen wir das alle ehrenamtlich“, berichtet PD Michael Czaplik. Es ist ein Testlauf, der in Wermelskirchen seinen Anfang genommen hat. Und das kommt nicht von ungefähr. „Ich habe mit Rafael Walocha Abitur gemacht“, berichtet der Aachener Mediziner. Er wuchs in Burscheid auf. Und seine bergische Heimat liegt ihm nach wie vor am Herzen. „Vor allem die Situation der Hausärzte im ländlichen Bereich“, betont er. So lag es nahe, dass mit Dr. Rafael Walocha der erste Tele-Hausarzt ans Netz ging.

Mit dem Seniorenpark fand sich rasch ein adäquater Partner

Mit dem Seniorenpark Carpe Diem fand sich ein adäquater Partner. „Für unsere Pflegekräfte ist die Kooperation mit dem Hausarzt über den Monitor eine Erleichterung“, sagt Einrichtungsleiterin Eveline Moll. Auch Pflegekraft Nancy Heinzmann bestätigt stellvertretend für ihre Kollegen, dass das Tele-Hausarzt-Modell für Einrichtungen wie das Carpe Diem eine Bereicherung ist: „Vorher passierte ja vieles am Telefon; wir konnten den Arzt nur anrufen. Und wenn es ernster wurde, kam der Krankenwagen.“ Der wird wohl auch weiterhin kommen müssen, aber möglicherweise lässt sich die Zahl der Notarzteinsätze minimieren. „Erklärbar ist das am Beispiel einer Blutdruckkrise“, berichtet Dr. Andreas Follmann. Der Arzt kann dann unter Umständen schon per Videokonferenz veranlassen, dass die Medikamentendosis erhöht wird – und dem Patienten so einen Krankenhausaufenthalt ersparen.

Denkbar ist für das Team von „Docs in Clouds“ auch, das Konzept auf Hausbesuche in Privathaushalten auszudehnen. „Ein spezieller Koffer existiert schon“, berichtet Michael Czaplik. Die Idee ist, dass später Pflegekräfte und MTA eine Zusatzausbildung bekommen, um selbstständig Hausbesuche machen zu können.

Für Dr. Rafael Walocha, dessen Praxis in Dabringhausen „mehr als gut ausgelastet“ ist, wie er sagt, wäre das Tele-Hausarzt-System eine Erleichterung: „Ich hätte mehr Patientenkontakte, die ich heute nicht schaffe.“

AACHENER MODELL

TELE-NOTARZT Das Modell des Tele-Notarztes existiert in Aachen schon seit einigen Jahren. Die Besatzung eines Rettungswagens kann jederzeit einen Telenotarzt zur Einsatzunterstützung konsultieren. Denn über modernste Telekommunikations- und Diagnosetechnik kann der Notarzt aus der Telenotarzt-Zentrale heraus den Einsatz begleiten.

Patientin Anni Caplan würde ihm wahrscheinlich aber auch persönlich nichts anders sagen als in der Videobotschaft: „Hallo, Doktor. Mir geht es altersentsprechend.“

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