Pandemie

Haus Regenbogen: Herzlichkeit tröstet über Sorge hinweg

Einige Mitarbeiter und zwei Bewohner im Haus Regenbogen.
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Einige Mitarbeiter und zwei Bewohner im Haus Regenbogen.
  • Anja Carolina Siebel
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Nach einem Corona-Ausbruch sind auch zwei Bewohner positiv auf das Virus getestet.

Von Anja Carolina Siebel

Gleichwohl sie damit gerechnet hatten und es auch in anderen Einrichtungen in Wermelskirchen schon Corona-Ausbrüche gab: Die Covid-19-Infektionen einiger Mitarbeiter und zweier Bewohner, die diese Woche bekannt wurden, haben an der Remscheider Straße einiges durcheinander gerüttelt. Eine komplette Etage ist bis 11. Dezember unter Quarantäne, das nicht erkrankte Pflegepersonal arbeitet dort mit Schutzkleidung. Am Freitag gab es noch einmal vom Gesundheitsamt angeordnete Tests aller Bewohner und Mitarbeiter.

„Wir haben derzeit zwei erkrankte Bewohner“, sagt Einrichtungsleiterin Edith Runkel-Wünschmann. Sie würden in ihren Zimmern betreut. „Es gibt auch noch andere Bewohner, denen es nicht gut geht, aber wir wissen natürlich nicht, ob das die Infektion ist oder ob sie andere gesundheitliche Probleme haben, weil sie vorerkrankt sind“, sagt die Leiterin. Deshalb zur Vorsicht die Tests bei allen.

Den meisten Mitarbeitern, die erkrankt waren, gehe es wieder besser. Sie können voraussichtlich ihren Dienst Mitte Dezember wieder antreten.

Edith Runkel-Wünschmann versucht, ihren Mitarbeitern und den Bewohnern ein wenig Sicherheit in unsicheren Zeiten zu vermitteln. „Wir haben auch viele Pflegekräfte, die Sorge haben, sich zu infizieren oder andere anzustecken. Aber Angst ist immer ein schlechter Begleiter“, unterstreicht die examinierte Krankenschwester, die durch ihren christlichen Glauben Kraft tankt. „Bei aller Sorge müssen wir auf dem Teppich bleiben und dürfen keine Panik haben und sie vor allem nicht verbreiten.“

Freude machen ihr und ihrem Team in dieser Zeit die vielen kreativen Menschen, die auch das Wohl der Senioren im Blick haben. „Da war zum Beispiel die Tochter einer Bewohnerin, die neulich für alle Mitarbeiter unseres Hauses selbst gebackene Plätzchen mitbrachte. Oder die Landwirte aus der Region, die sich am Samstag mit beleuchteten Traktoren und Weihnachtsliedern vor unserem Haus angekündigt haben. Sowas erwärmt einfach unsere Herzen“, sagt Edith Runkel-Wünschmann.

Angehörige dürfen mit Bewohnern vor die Tür gehen

Im Moment steht das Haus unter Quarantäne. „Wir geben den Angehörigen und gesunden Bewohnern aber trotzdem die Gelegenheit, sich draußen zu einem Spaziergang zu treffen“, berichtet die Einrichtungsleiterin. Der Lockdown im Frühjahr mit seinen strengen Beschränkungen, gerade für die Heimbewohner, habe vielen ganz schön zugesetzt. Edith Runkel-Wünschmann „Ich kann mir das auch nicht vorstellen, wenn ich alt wäre und meine Kinder und Enkel überhaupt nicht sehen dürfte. Das ist schon hart.“ Andererseits sei sie froh darüber, dass die Mitarbeiter sich liebevoll um die alten Menschen kümmern und somit oft die Nähe der Angehörigen, die derzeit doch häufig fehlt, zumindest zu einem Teil ersetzen könnten. „Das wissen unsere Bewohner zu schätzen.“ 

Standpunkt: Pflegekräfte unter Druck

Von Anja Carolina Siebel

Immer wieder wird von den alten und vorerkrankten Menschen gesprochen, die in der Pandemie besonders zu schützen sind. Keine Frage, das ist auch so. Allerdings darf auch nicht vergessen werden, unter welchem besonderen Druck die Pflegekräfte der Senioreneinrichtungen dieser Tage stehen. Sie müssen einerseits in der Einrichtung alles geben und ihrem Job gewissenhaft nachkommen, haben aber andererseits auch noch ihr

anja.siebel@rga-online.de

Privatleben, in dem sie einkaufen gehen, mit ihrer Familie zusammen sind und im Rahmen des Erlaubten eben auch ein paar wenige andere Menschen treffen. Und immer ist da die Sorge, dass sie sich irgendwo infiziert haben könnten und das Virus bei der Arbeit an jene herantragen, die es ganz besonders hart treffen könnte. Beruhigend, wenn ein Team dann eine solche Frau an der Spitze hat wie Edith Runkel-Wünschmann, die Mitarbeitern und Bewohnern mit Bedacht und Herzlichkeit ihre eigene Besonnenheit zu vermitteln versucht. Nur so kann es funktionieren, die unsichere Zeit gut zu überstehen und trotzdem noch ein wenig Freude zu empfinden und den Senioren diese auch zu vermitteln.

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