Konzerte

Haus Eifgen: Besucher bleiben aus

Auch das Haus Eifgen hat aktuell mit dem Wegbrechen der Konzertbesucher zu kämpfen.
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Auch das Haus Eifgen hat aktuell mit dem Wegbrechen der Konzertbesucher zu kämpfen.

Hausherr Michael Dierks sagt, das betreffe viele Kulturschaffende – Aufgeben will er nicht.

Von Peter Klohs

Wermelskirchen. Es gibt das Phänomen inzwischen bei zahlreichen Konzerten: Zuschauerschwund. Der zuweilen so stark ist, dass selbst Konzerte von namhaften Künstlern abgesagt werden müssen. Beim Konzert der Krautrock-Band Birth Control waren am vergangenen Wochenende noch 100 Gäste im Haus Eifgen anwesend. In wenigen Tagen sollten die ebenso bekannte Rockgruppe Jane in Verbund mit den Rockern von Fargo dort auftreten. Nachdem im Vorverkauf lediglich neun Karten abgesetzt werden konnten, hat Michael Dierks schweren Herzens entschlossen, das Konzert abzusagen. „Wir suchen aktuell nach einem neuen Termin im kommenden Jahr“, sagt Dierks, 1. Vorsitzender der Kulturinitiative. „Das Planen und die Durchführung von Konzerten sind schwieriger geworden“, weiß er und nennt mögliche Gründe.

„Der Ukraine-Krieg, die Inflation, die Erhöhung des Gaspreises und Corona. Alles das macht die Menschen vorsichtig. Seien wir ehrlich: Unsere Zielgruppe im Haus Eifgen ist ja im gesetzten Alter und überwiegend Teil von Risikogruppen. Natürlich sind die vorsichtiger, wenn sie mit ein paar Dutzend anderen Konzertbesuchern auf relativ engem Platz stehen müssen. Open Air geht natürlich, aber ab Oktober haben wir dann ein richtiges Problem.“

Gelegentlich setzt sich Michael Dierks im Haus Eifgen auch an seine geliebte Hammond-Orgel.

Hinzu komme, dass alle Konzerte, die im vergangenen Jahr abgesagt werden müssen, nun nachgeholt würden, was zu einem Überangebot führe. Es gebe auch immer mehr Veranstaltungen, die kostenfrei durchgeführt würden: Straßen- und Sommerfeste. Dierks: „Die Leute wissen doch gar nicht mehr, wo sie hingehen sollen. Konzerte für zehn oder zwölf Euro, das mag ja noch angehen. Aber bei 40 Euro fragen sich viele, ob das denn wirklich sein muss. Zur Zeit müssen wir einen Besucherrückgang von 40 bis 60 Prozent erleben.“ Mit dieser Problematik, weiß Dierks, ist das Haus Eifgen nicht alleine. „Das trifft alle Kulturschaffenden. Größere Häuser wie das ‚Piano‘ in Dortmund, Veranstaltungen wie der Open-Air-Eventgarten in Remscheid – und uns natürlich ebenso.“

Konzept der Kulturinitiative ist auf 30 Jahre ausgelegt

Viele der Künstler und der Agenturen reagieren verständnisvoll und lassen über die Höhe ihrer Gage mit sich reden. „Natürlich gibt es da auch den einen oder anderen, der den Knall nicht gehört hat. Aber die meisten haben großes Verständnis.“

Dierks weist auf die Fördermittel vom Bund hin, die nach seiner Auffassung ausreichend seien. „Damit ist vor kurzem zum Beispiel unser Afrika-Tag durchgeführt worden“, erklärt er. Die Kulturlandschaft, ist sich Michael Dierks sicher, wird sich durch die Digitalisierung in den kommenden Jahren stark verändern. „Das Publikum muss sich daran gewöhnen, dass die vielfältigen Eindrücke eines Livekonzertes nicht in einem Video transportiert werden können. Die gibt es nur im Konzert selbst.“

Die Kulturinitiative Wermelskirchen sei stets im Austausch. „Unser Konzept ist für 30 Jahre angelegt, aber wir überdenken es aktuell. Vielleicht müssen wir auch – wenigstens zum Teil – hauptamtliche Mitarbeiter einstellen. Das Thema ist komplex und nicht in fünf Minuten zu lösen. Und wenn gar nichts mehr hilft, dann kann man das Haus Eifgen sicher auch irgendwann wieder verkaufen. Aber das kann ja nicht der Sinn der Sache sein.“ Wahrlich. Wermelskirchen ohne das Haus Eifgen? Ach, nein.

Termine

Am 9. September werden die Gebrüder Wasserfuhr ihre neue CD vorstellen. Mit der Leif de Leeuw Band wird die Musik der Allman Brothers im Eifgen lebendig (23. September). Am 4. November kommt mit dem Israeli Ron Minis eine der schillerndsten Musikerpersönlichkeiten nach Wermelskirchen.

Kultin.de

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Da hilft nur hingehen

anja.siebel@rga.de

Es scheint, als hätte die Pandemie uns träge gemacht. Sicher könnte es auch andere Gründe dafür geben, warum vermehrt Konzertkarten an den Kassen liegen und Ränge leer bleiben.

Die Inflation zum Beispiel und die Sorge vieler, dass das Geld irgendwann nicht mehr ausreichen könnte für so etwas scheinbar Profanes wie ein Konzert oder eine Kulturveranstaltung. Aber ein bisschen scheint auch die Unternehmungslust vieler auf der langen Corona-Strecke geblieben zu sein. War es doch auf dem Sofa so bequem.

Aber wenn wir möchten, dass es auch dauerhaft vielfältige Kulturangebote in der Region und darüber hinaus geben soll, dann müssen wir uns zwangsläufig mal einen Ruck geben und erheben vom Sofa. Das Leben besteht aus mehr als essen, trinken, arbeiten und schlafen. Einsparen lassen sich sicher viele Dinge, nicht aber unsere Kultur. Ein paar Euro sind sicher immer drin, um zum Beispiel gute Livemusik zu hören.

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