Handy am Steuer: Schon 300 Anzeigen

Wie groß das Problem Handy am Steuer ist, zeigt die hohe Zahl der Anzeigen allein für Wermelskirchen.
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Wie groß das Problem Handy am Steuer ist, zeigt die hohe Zahl der Anzeigen allein für Wermelskirchen.

Seit die Schülerin (13) aus Overath vor knapp drei Wochen beim Überqueren der Bahngleise in Engelskirchen von einem Zug überrollt und tödlich verletzt wurde, ist vielen Jugendlichen und vor allen Dingen Eltern noch einmal deutlich geworden, wie lebensgefährlich es sein kann, wenn ich nicht mitbekomme, dass ein Zug naht. Oder ein anderes Auto.

Ob jemand Kopfhörer trägt, um übers Mobiltelefon Musik zu hören, oder ob er telefoniert, um dem Freund kundzutun, dass es ein paar Minuten später werden könnte - der Effekt ist derselbe: Der Betreffende konzentriert sich in diesem Moment aufs Gespräch, nicht seine Umgebung.

Die 13-Jährige verstarb an der Unfallstelle. Die Polizei hat im Fall des Mobiltelefons am Steuer die Möglichkeit, es zunächst einmal zu konfiszieren. Es gibt Städte und Kreise, in denen die Polizei das sehr konsequent durchführt. "Das machen wir im Rheinisch-Bergischen Kreis bis heute nicht", sagt Polizeisprecher Peter Raubuch, "mal abgesehen von Einzelfällen."

Beamte achten gezielt aufs Telefon am Ohr

Immerhin handele es sich bei vorübergehender Beschlagnahme um einen Rechtseingriff, und der bedürfe der Zustimmung des Staatsanwalts. Einen Gerichtsbeschluss benötigt die Polizei für den häufigeren Fall, dass sie bei dem jeweiligen Netzbetreiber abfragt, ob ein Verdächtiger zum fraglichen Zeitpunkt telefoniert hat oder nicht.

Das sei der Regelfall, beschreibt Raubuch: dass der Unfallhergang so rätselhaft ist, dass die Polizei von einer Unaufmerksamkeit ausgehen muss oder womöglich gar Hinweise von Zeugen darauf hat, dass der Unfallverursacher telefoniert hat.

Der Regelfall ist freilich parallel auch, dass die Polizei nicht zwingend in jedem Fall, aber zwingend im Fall eines schweren Unfalls mit gravierenden Folgen der Frage eines verbotenen Telefonats am Steuer nachgeht.

"Wer sichtbar ein Handy am Ohr hat, den nehmen sich die Kollegen zur Brust", lässt Peter Raubuch keinen Zweifel daran, dass der Polizei sehr bewusst ist, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt. Und dass sie gewillt ist, der Gefahr zu begegnen. "Dafür gibt es schließlich die Freisprechanlage", verweist der Polizeisprecher auf technische Hilfe.

Wie häufig es zu Verstößen gegen das Handyverbot am Steuer kommt, belegen auch die Zahlen in der Statistik: Allein in Wermelskirchen ist es allein während der ersten neun Monate dieses Jahres bis heute zu rund 300 Anzeigen gekommen. Vor dem Gesetz handelt es sich um Ordnungswidrigkeiten.

ACHTUNG, PUNKTE!

TEURER Seit 1. Mai 2014 kostet das Telefonieren bzw. das Surfen im Internet am Steuer eines Autos nicht mehr 40, sondern 60 Euro.

KONSEQUENTEN Bei vier Verstößen gegen das Handyverbot am Steuer greifen erste Sanktionsmaßnahmen und bei acht Verstößen bzw. Punkten ist erstmals der Führerschein weg, rechnet Polizeisprecher Peter Raubuch vor.

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