Interview der Woche

Sie halten den Dialekt lebendig

Rainer Tillmanns und Ursula Preyer von den Mundartfreunden besuchten zum Interview die WGA-Redaktion. So manches mussten sie für die Autorin ins Hochdeutsche übersetzen.
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Rainer Tillmanns und Ursula Preyer von den Mundartfreunden besuchten zum Interview die WGA-Redaktion. So manches mussten sie für die Autorin ins Hochdeutsche übersetzen.

Einmal Monat findet ein Mundart-Treffen statt. Rainer Tillmanns und Ursula Preyer sind immer mit dabei.

Das Gespräch führte Nina Bossy

Wenn Rainer Tillmanns und Ursula Preyer sich unterhalten, kommt nicht jeder mit. Beide sind Freunde der Mundart – obwohl sie längst nicht dieselbe Sprache sprechen. Im Interview erzählen sie über die Feinheiten der bergischen Dialekte – und warum ihnen die Pflege der Mundart am Herzen liegt.

Haben Sie ein Lieblingswort auf Mundart? 

Rainer Tillmanns: Krönselnstrückelchen, kleiner Stachelbeerenstrauch. 

Die Mundartfreunde treffen sich regelmäßig. Wie viele Menschen kommen zu diesen Nachmittagen? 

Tillmanns: Wir sind etwa 20 Leute. Mal mehr, mal weniger. Vorwiegend ältere Herrschaften.

Was passiert an diesen Nachmittagen? 

Tillmanns: Wir lesen ältere Texte vor – natürlich in Mundart – und darüber kommen wir sehr nett ins Gespräch. Jedes Mal haben wir ein Thema. Essen, Bauernweisheiten oder ähnliches und vieles mehr. Frau Preyer sucht entsprechende Texte heraus. 

Ursula Preyer: Ich lese aber nichts auf Wermelskirchener Platt, ich spreche nur die Mundart von Kreckersweg. 

Da gibt es Unterschiede? 

Preyer: Natürlich. Zwischen Wermelskirchen und Kreckersweg verläuft die Benrather Linie. Diese verzeichnet eine Veränderung in der Sprache der regionalen Dialekte. Von Eupen in Belgien beginnend, durchquert sie die Niederlande um nördlich Kerkrade auf die deutsche Grenze zu treffen, von wo sie dann westöstlich verläuft. Bei uns verläuft sie durch das Eifgental – und trennt somit zum Beispiel Kreckersweg und Wermelskirchen. 

Was spricht man zum Beispiel in Kreckersweg anders? 

Preyer: Auf hochdeutsch sagt man Zunge, in Wermelskirchen ‘Tong’ und in Kreckersweg ‘Zong´. Straße heißt in Wermelskirchen ‘Schtroote’, in Kreckersweg ‘Strooße’. 

Wer kommt zu den Treffen der Mundartfreunde? 

Tillmanns: Menschen, die unsere Mundart lieben und die Lust haben, sich an ihre Kindheit zu erinnern. Preyer: Das Schöne ist, dass davon auch zwei etwas jünger sind. Ein Teilnehmer ist um die 40 Jahre alt, ein anderer sogar erst um die Mitte 20. 

Fänden Sie es schön, wenn mehr junge Leute sich für den heimischen Dialekt interessieren würden? 

Tillmanns: Natürlich, weil wir ihn erhalten wollen. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass vorwiegend nur die Menschen den Dialekt sprechen können, die mit ihm aufgewachsen sind. 

Glauben Sie, diese alte Sprache geht verloren? 

Tillmanns: Vermutlich ja, aber zum Glück hat Ursula Preyer ein wahres Archiv, das zumindest die hiesigen Mundarten vor dem Vergessen schützt. Wenn sich denn Menschen finden, die diesen Schatz pflegen und nutzen. „Et litt an us“. 

Preyer: Die ersten Aufzeichnungen über die hiesige Mundart reichen bis Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Dann gab es immer wieder Initiativen, die sich mit Aufzeichnungen, um den Erhalt bemüht haben. 

Wird Mundart auch heute noch gesprochen? 

Preyer: Sicherlich! Alleine wenn ich in Dabringhausen einen Bekannten beim Einkaufen treffe, schwatzen wir auf Platt einfach drauf los. 

Tillmanns: Ich habe mich neulich sogar mit einem Mann, den ich gar nicht kannte, einfach auf Mundart unterhalten. Seitdem sind wir uns sehr sympathisch. 

Warum liegt Ihnen so viel an der Mundart? 

MUNDARTFREUNDE
TREFFEN Am Freitag. 2. Oktober, steht wieder ein Treffen der Mundart-Freunde an. Um 17 Uhr geht es im Hotel zur Eich um das Thema: „Wat frö’er hie gekocht wu’eden“. Die Treffen finden immer am ersten Freitag im Monat statt.
Tillmanns:
Sie erinnert an die gute olte Zoch joot aul Tied. 

MUNDARTFREUNDE

TREFFEN Am Freitag. 2. Oktober, steht wieder ein Treffen der Mundart-Freunde an. Um 17 Uhr geht es im Hotel zur Eich um das Thema: „Wat frö’er hie gekocht wu’eden“. Die Treffen finden immer am ersten Freitag im Monat statt.

Preyer: Sie ist ein Kulturgut, Heimat, Erinnerung an alte Tage und Identität zugleich.

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