Pandemie

Händler haben mit Hürden zu kämpfen

Hat wieder gut zu tun in seinen Geschäften: der Wermelskirchener Unternehmer Jörg Michels. Foto: Roland Keusch
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Hat wieder gut zu tun in seinen Geschäften: der Wermelskirchener Unternehmer Jörg Michels.
  • Anja Carolina Siebel
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Alle hoffen, dass die Sieben-Tages-Inzidenz bis kommende Woche unter 50 bleibt

Wermelskirchen. Ihm geht es besser. Jörg Michels, Wermelskirchener Unternehmer, unter anderem für Braut- und Damenmode, aber auch für Schmuck und Dekoartikel, kann sich inzwischen nicht mehr beklagen über sein Geschäft in der Pandemie. Das sah vor einigen Wochen noch ganz anders aus. Da beschwerte sich der Wermelskirchener bitter über die Corona-Verordnung, vor allem auch deshalb, weil auf dem Wochenmarkt und im erweiterten Lebensmittelhandel Textilien und andere Waren verkauft würden, während die Einzelhändler ihre Geschäfte weitgehend geschlossen halten mussten.

„Inzwischen haben wir wieder ganz gut zu tun“, freut sich Michels. Zwar sei es noch nicht die Damenmode, die bei ihm über den Ladentisch gehe. „Das ist aber auch dem unglaublich schlechten Wetter geschuldet; da haben viele einfach keine Lust auf Frühjahrs- und Sommermode“, vermutet er. Aber die angehenden Ehemänner würden sich zuhauf Termine bei ihm holen. Michels: „Während ja große Hochzeiten derzeit noch nicht stattfinden, trauen sich die Paare aber doch standesamtlich. Und die Männer kaufen bei uns nun vermehrt Anzüge.“

Aber Jörg Michels und sein Team haben auch umgedacht, was den Verkauf, das Sortiment angeht. „Wir haben unseren Online-Shop erweitert“, berichtet der Unternehmer. So seien seine vorwiegend weiblichen Mitarbeiterinnen derzeit von der Verkäuferin zur Verpackerin geworden. „Wir haben viel Recherche betrieben, wohin wir unseren Verkaufsfokus verlagern könnten“, berichtet Michels. „Und da fielen uns ganz klar die Dekoartikel ins Auge, denn zurzeit möchten die meisten Menschen einfach ihr Zuhause schön gestalten.“ Ein Vorteil an Dekoartikeln sei auch, dass es, anders als beim Versandhandel mit Kleidung, wenig Retouren gebe. „Wir haben aber noch mehr vor, wollen uns noch weiter entwickeln“, verrät Michels jetzt schon. „Dazu berichten wir aber später mehr.“

Erst einmal sei er froh, die härteste Zeit der Pandemie als Unternehmer hinter sich gelassen zu haben. „Wir freuen uns aber natürlich auch, wenn endlich die Inzidenz weiter gesunken ist und wir endlich unsere Geschäfte wieder vollständig öffnen können. Dann werden die Kunden hoffentlich auch wieder mehr Kleidung bei uns einkaufen.“

Ähnliche Hoffnungen hegt Wolfgang Müllenmeister vom Spielwarengeschäft Holzwürmchen. Er sieht die Test- beziehungsweise Nachweispflicht in den Geschäften als zusätzliche Hürde. Und zwar für Unternehmer wie Kunden. „Ich als Spielwarenhändler wünsche mir fröhliche, unbeschwerte Menschen in meinem Geschäft“, sagt er. „Was ich aber zunehmend sehe, sind verängstigte und verunsicherte Gesichter. Da wird nicht mehr beim Eintreten gesagt: ,Ich wünsche mir. . .‘ , sondern eher ,Darf ich. . .‘ – das finde ich so schade.“

WiW-Vorsitzender sieht trotz allem viel Optimismus

Stefan Rojewski schiebt den eher verhaltenen Vertrieb in seinen beiden Bekleidungsgeschäften an der Telegrafenstraße vor allem aufs Wetter. „Die Leute haben bei sechs Grad Celsius morgens einfach keine Lust auf Sommermode.“ Er hofft aber auch, dass er die Menschen ab kommender Woche wieder ohne Test-, Genesungs- oder Impfnachweis in seine Geschäfte lassen darf. „Dann werden wir unsere Öffnungszeiten auch wieder erweitern. Zurzeit haben wir nur von 10 bis 18 Uhr geöffnet“, sagt er.

André Frowein, Vorsitzender des Stadtmarketingvereins WiW, sieht trotz vieler Hürden bei den Händlern auch „ganz viel Optimismus“. „Die Wermelskirchener haben einfach ihren Kampfgeist nicht verloren“, unterstreicht er. „Und sie haben während dieser schwierigen Zeit so viel Kreativität bewiesen, so viele Impulse und Zeichen gesetzt. Ich ziehe davor absolut meinen Hut.“ Frowein glaubt nicht, dass in der Wermelskirchener Innenstadt Geschäfte wegen der Corona-Pandemie schließen müssen. „Ich glaube, das habe wir alle ganz gut hinbekommen, dass das nicht passiert“, sagt er.

Hintergrund

Die Corona-Regeln in der neuen Corona-Schutzverordnung des Landes NRW sind Inzidenz-abhängig, die Lockerungen sollen in zwei Stufen erfolgen: bei einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 und bei einer Inzidenz unter 50. Liegt der Wert über 100, greift die Bundesnotbremse. Dann gelten die bundeseinheitlichen Regelungen, von denen alle Kommunen in NRW jüngst betroffen waren.

Standpunkt

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Dass niemand mehr so richtig durchblickt, was man jetzt eigentlich darf und was nicht, das wird ja vielerorts deutlich. Fakt ist, derzeit dürfen Gäste als Geimpfte, Genesene oder negativ Getestete im Rheinisch-Bergischen Kreis unter anderem die Außengastronomie nutzen und im Einzelhandel einkaufen. Für Gastronomen und Händler ist das allerdings keineswegs eine reine Erleichterung nach all den Monaten der Entbehrung. Es ist mit einer Menge an Mehraufwand verbunden. Deshalb fiebern wohl alle dem Zeitpunkt entgegen, an dem die Sieben-Tage-Inzidenz so konstant unter 50 gesunken ist, dass zum Beispiel auch die Innengastronomie wieder öffnen und man ohne negativen Antigen-Schnelltest in einem Geschäft einkaufen kann. Wenn alles gut geht, könnte das Anfang kommender Woche soweit sein. Denn am Dienstag war der erste Werktag mit einer Sieben-Tages-Inzidenz unter 50. Sollte sich das Blatt dann wieder wenden, wäre dann aber auch schon wieder Zurückrudern angesagt. Bei allem Verständnis – für die Unternehmer ist das eine einzige Zumutung. Von der hoffentlich alle bald verschont werden

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