Vorweihnachtsgeschäft

Händler: 2G ist „wie ein Damoklesschwert“

Noch läuft es in der Innenstadt. Aber es könnte auch sein, dass es künftig zu weiteren Beschränkungen kommt. Foto: Dominic Lipinski
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Noch läuft es in der Innenstadt. Aber es könnte auch sein, dass es künftig zu weiteren Beschränkungen kommt.

Noch läuft das Vorweihnachtsgeschäft bei den meisten gut. Weitere Verschärfungen würden mehr Aufwand bedeuten.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) möchte in Nordrhein-Westfalen im Freizeitbereich flächendeckend die 2G-Regel einführen. Damit würde beispielsweise die Nutzung von Sportstudios oder die Teilnahme an Kulturveranstaltungen nur noch für geimpfte oder genesene Personen möglich sein. Richtwert für weitere Maßnahmen soll laut Regierung die Hospitalisierungsrate sein, das heißt die Zahl der Krankenhauseinweisungen.

Steigt die weiter an, könnten weitere Maßnahmen erfolgen, zum Beispiel auch eine 3G- oder sogar 2G-Regel für Gastronomie und Handel.

„Noch bemerken wir nichts von steigenden Zahlen oder deshalb verhaltenen Kunden“ , berichtet Barbara Busch von der Buchhandlung Marabu. Das Vorweihnachtsgeschäft laufe sehr gut und der Laden an der Telegrafenstraße sei täglich voll. „Sollten weitere Beschränkungen auf uns zukommen, müssten wir uns schon eine Strategie überlegen, wie wir das im Weihnachtsgeschäft händeln“, räumt Busch ein. „Denn dann muss ja auch immer jemand an der Tür sein und die Kontrolle vornehmen. Das wäre bei dem Stress, den wir momentan haben, schon eine Herausforderung. Es könnte dann auch wieder nur eine bestimmte Anzahl Leute in den Laden und wir müssten alles etwas anders organisieren.“

Eine kleine Herausforderung sei auch jetzt schon die Uneinsichtigkeit einiger weniger Kunden, was das Tragen der medizinischen Maske angehe. „Da hatten wir schon einige unnötige Diskussionen.“

Sie und ihr Team würden hoffen, sagt Barbara Busch, dass es am Ende nicht zu weiteren Beschränkungen komme, und der Handel von den strengen Auflagen ausgenommen werde. Busch: „Aber es schwebt immer wie ein Damoklesschwert über uns.“

Auch Vera Morsches (Tausendschön) wünscht sich, dass der Handel möglichst ausgenommen wird von verschärfteren Maßnahmen. „Wir sind gerade froh darüber, dass dieses Jahr das Weihnachtsgeschäft laufen kann.“ Und es läuft im Moment. „Man hat das Gefühl, dass die Leute es genießen, wieder vor Ort einkaufen zu können. Sie sind irgendwie auch müde geworden von der ganzen Situation.“

Die meisten Kunden sind ohnehin geimpft.

Johannes Schnütgen, Quick Schuh

Über schlechte Geschäfte kann sich zurzeit auch Johannes Schnütgen (Quick Schuh) nicht beklagen. „Wir haben eine Menge zu tun. Uns wir haben auch das Gefühl, dass die Kunden gern vor Ort einkaufen, dankbar sind, dass sie es wieder können.“

Eine mögliche 3G- oder 2G-Regel würde indes auch sein Team vor Herausforderungen stellen. Schnütgen: „Man muss das natürlich organisieren, Personal für die Kontrollen freistellen. Aber ich bin sicher, dass wir das auch hinbekommen würden. Ich denke, dass bei uns in Wermelskirchen die Uhren ohnehin noch etwas anders ticken. Die Kunden sind verständnisvoll, man kennt sich. Die meisten sind ohnehin geimpft, kommunizieren das auch offen.“

Sportstudios und Vereine müssen schon jetzt mit der 3G-Regel arbeiten, möglicherweise bald sogar mit 2G. „Bei uns läuft es zurzeit ganz gut mit 3G“, berichtet Domenic vom Feld (Fit Inn). „Viele unserer Besucher sind geimpft. Einige wenige haben sich aber auch extra für den Besuch im Studio testen lassen. Wir kontrollieren das beim Einlass.“

Problematisch würde es, wenn die Regeln insoweit verschärft würden, dass sich die Geimpften und Genesenen zusätzlich testen lassen müssten. „Oder wenn wir wieder ganz schließen müssen. Das befürchte ich für Dezember“, sagt vom Feld.

Während des Sommers habe man ordentlich durchatmen können. „Es war so entspannt, wir haben viele Aktionen gestartet und hätten auch nicht gedacht, dass sich die Situation noch mal so dramatisch entwickelt.“

Neue Verordnung

Die Landesregierung hat die Coronaschutzverordnung am Donnerstag angepasst und setzt die bei den Bund-Länder-Beratungen am vergangenen Donnerstag beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie um. Klar ist schon jetzt: 2G soll zum Beispiel für Kinos, Kneipen, Restaurants und Konzerte gelten, aber auch für Weihnachtsmärkte, Fußballstadien und andere Großveranstaltungen. In Situationen mit besonders hohem Infektionsrisiko – etwa bei Karnevalsveranstaltungen und in Diskotheken – solle 2G plus gelten. Es müssen sich also alle Teilnehmer zusätzlich testen lassen.

Standpunkt: Notwendiges Übel

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Natürlich wünschen sich die meisten, dass es möglichst keine weiteren Beschränkungen mehr geben möge. Genug haben alle bereits erleiden müssen – an Maßnahmen, an Einschränkungen. Auch die Einzelhändler mussten auf das letzte Weihnachtsgeschäft praktisch verzichten. Die Läden waren zum Großteil dicht, nur Bestellungen online oder an der Ladentür waren möglich. Umso froher ist man jetzt, dass es irgendwie weitergehen kann. Die dramatische Entwicklung der Infektionszahlen lässt aber kaum eine andere Wahl, als zumindest über mögliche Auswege nachzudenken. Und das ist zum einen die Impfung für jene, die sich bisher noch nicht dazu entschließen konnten und für jene, die eine Auffrischungsimpfung benötigen. Das allein wird aber laut Aussage vieler Wissenschaftler nicht reichen. Es ist praktisch unumgänglich, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen. Und dabei müssen eben jene zurückstecken, die nicht bereit sind, sich impfen zu lassen und somit etwas zum Allgemeinwohl beizutragen. Sie sind immerhin jene, die das Pandemiegeschehen maßgeblich befeuern. Nicht nur mit großen Worten.

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