Nachhaltigkeit

Gymnasiasten basteln an der Zukunft

Lehrer Markus Herbertz (l.) und Felix Albrecht vom Reparaturcafé zeigten, was man alles reparieren kann.
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Lehrer Markus Herbertz (l.) und Felix Albrecht vom Reparaturcafé zeigten, was man alles reparieren kann.

41 Projekte gab es bei der Projektwoche an der Stockhauser Straße – Bei vielen ging es um Nachhaltigkeit.

Von Anja Carolina Siebel und Noah Charara

Wermelskirchen. So ein Smartphone kann man tatsächlich reparieren. Für Finn (11) ein erstaunliches Phänomen. Der Elfjährige, Sechstklässler am Gymnasium, findet das faszinierend. „Eben weil man das Handy, wenn der Akku leer ist, ja ansonsten wegwirft.“ Und darum ging es gerade in der Projektgruppe Nachhaltigkeit am Gymnasium: Nicht wegwerfen, sondern Ressourcen schonen, es ging um Mülltrennung, um Vermeidung von Verpackungsmüll – und so weiter.

41 Projekte gab es während der Projektwoche, die heute mit einem großen Präsentations-Vormittag an der Stockhauser Straße endet. Unter dem Motto „Verantwortung und Verbundenheit“ gestalteten die Schüler auch ein Stückchen Zukunft.

Die Gruppe Nachhaltigkeit etwa, bestehend aus Schülern der sechsten bis zu zwölften Klasse, war am Donnerstag im Reparaturcafé zu Gast. Und dort reparierte einer der Ehrenamtler, Tobias Hagenbücher, eben das Smartphone. Seit 2010 arbeitet der 37-Jährige schon mit bei den Tüftlern im Reparaturcafé. Und findet, dass diese Tätigkeit auch viel mit Ressourcenschonung zu tun hat. „Klar, niemand würde so schnell drauf kommen, einen Akku für vergleichsweise kleines Geld zu kaufen und dann wieder einzubauen. Aber wenn das klappt, hat man das Smartphone eben auch wieder für eine Zeit hergestellt.“

Dem pflichtet Felix Albrecht bei, über den der Kontakt zum Gymnasium zustande kam. Auch er steht noch mitten im Berufsleben, hilft in seiner Freizeit aber beim Reparaturcafé mit. „Man kann auch schon beim Kauf von beispielsweise Elektrogeräten darauf achten, dass man sie öffnen kann. Und wenn sie dann defekt sind, kann man vielleicht noch was machen.“

Lehrer Markus Herbertz, der die Projektgruppe leitete, hatte den Besuch bei den Tüftlern in der Stadtbücherei initiiert. Und er war begeistert von der Initiative seiner Schüler: „Wir haben ja im Prinzip drei Dinge erreicht während dieser Woche“, berichtete er. „Zum einen haben wir vermittelt, dass man nicht alles gleich wegwerfen sollte. Und wir haben dazu einen Image-Film für die Eltern entwickelt, in dem wir erklären, dass der meiste Müll an unserer Schule eigentlich durch mitgebrachte Sachen entsteht. Und dass man nicht alles verpacke muss, sondern einiges einfach auch in Mehrwegbehältern transportieren kann“.

Zudem erstellte die Gruppe einen Film für die Schüler. Darin geht es um die Mülltrennung in der Schule. „Die findet bei uns praktisch zurzeit nicht statt“, sagt Markus Herbertz. „Die Schüler werfen ihren Müll, egal, was es ist, in die Mülltonnen. Die Hausmeister können aber logischerweise diesen Müll nicht im Nachgang trennen.“

Das System soll am Gymnasium nun optimiert werden. „Wir erklären in besagtem Film, dass wir zunächst anfangen, an verschiedenen Stellen zu trennen. Plastik-, Rest- und Papiermüll wollen wir konsequent voneinander trennen“, erklärt Markus Herbertz. „Wir hoffen natürlich, dass alle diese Idee mittragen, mitziehen und dass wir das Ganze später weiter ausbauen können.“

Und: Es soll eine Internet-Tauschbörse geben. „Wir haben festgestellt, dass verschiedene Materialien, die wir in unserem Schulleben brauchen, für den einen irgendwann nutzlos werden, während die andere genau das wiederum brauch“, beschreibt Herbertz. „Solche Utensilien, wie etwa Bücher oder Taschenrechner, sollen in der Internetbörse angeboten werden.“

Schüler testeten Stadt auf Barrierefreiheit

Eine andere Projektgruppe unterstütze die Stadt und den Behindertenbeirat bei der Erstellung einer Barrierefrei-App. Die Schüler ermittelten etwa, an welchen Stellen es für Rollstuhlfahrer unmöglich ist, in eine Café zu gelangen. Oder welche Hürden Sehbehinderte in der Stadt erwarten. Schon vor drei Jahren hatte der Beirat die Entwicklung einer entsprechenden App angeregt. Unter www.rbk-barrierefrei.de können Betroffene wenig zugängliche Orte bereits jetzt auflisten. Dr. Martin Burghoff zeigte sich als stellvertretender Schulleiter hoc zufrieden mit den Ergebnissen der Projektwoche: „Es war einfach auf ganz vielen Ebenen gelungen.“

Ergebnisse

Heute in der Zeit von 11 bis 13 Uhr stellen die Schülerinnen und Schüler ihre Projekte und deren Ergebnisse noch einmal Eltern, Freunden und Interessierten vor. Einige waren kreativ, haben musiziert oder Theater gespielt, andere haben sich Gedanken um die Zukunft gemacht oder Ideen entwickelt.

Standpunkt von Anja Siebel: Woche der Zukunft

anja.siebel@rga.de

Projektwoche, das klingt ja immer ein bisschen profan. Und den einen oder die andere wird es vermutlich an Bastelvormittage oder Werkelstunden in der Vergangenheit erinnern. Aber wer den Schülern des Gymnasiums bei ihrer Projektwoche über die Schulter geschaut hat, der wird schnell bemerkt haben, dass es inzwischen bei einer Projektwoche um mehr geht.

Zum Beispiel um Nachhaltigkeit und ein besseres Leben. Die Schüler haben sich mit Barrierefreiheit beschäftigt, mit gesunder Ernährung oder Müllentsorgung. Themen, die in der Gegenwart und Zukunft mehr Relevanz haben werden denn je. Und mehr noch: Sie haben sogar dafür gesorgt, dass sich an ihrer Schule langfristig Dinge ändern. Sie haben also etwas für die Zukunft geschaffen, von dem letztlich alle Schüler etwas haben werden. Das war vielleicht eine etwas andere Projektwoche, die aber durchaus Potenzial hatte. Glückwunsch zu so viel Kreativität.

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