Pandemie

Grüne fordern mehr Luftfilter für Schulen und Kitas

„Fenster auf“ lautet in den meisten Klassenzimmern immer noch das Gebot der Stunde. Symbolfoto: Roland Keusch
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„Fenster auf“ lautet in den meisten Klassenzimmern immer noch das Gebot der Stunde.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Die Stadt will bisher nur acht Geräte für eine Schule und sechs Kitas anschaffen

Wermelskirchen. Die Ortspolitiker der Grünen treibt weiterhin das Thema „Luftfilter in Schulen“ um. Eine entsprechende Anfrage haben Fraktionsvorsitzender Stefan Janosi und Stellvertreterin Conchita Encina-Finken für den Fachausschuss gestellt.

Der Hintergrund: Seit dem 26. August besteht eine Verwaltungsvereinbarung zwischen dem Land Nordrhein Westfalen und dem Bund zur Förderung von mobilen Luftfilteranlagen. Das Land stellt den Schulträgern 90,4 Millionen Euro für die Anschaffung von mobilen Luftfilteranlagen zur Verfügung. Alle Räume der sogenannten Kategorie 2 könnten somit entsprechend ausgestattet werden. Es handelt sich dabei um Räume, in denen nur eingeschränkte Lüftungsmöglichkeiten bestehen, weil beispielsweise Fenster nur gekippt und nicht komplett geöffnet werden können.

Nun möchten die Grünen wissen, ob die Stadt denn geplant habe, kurzfristig die Anlagen zu beschaffen und entsprechende Fördermittel zu beantragen.

„Ja, das haben wir“, sagt der Erste Beigeordnete der Stadt. Stefan Görnert, auf Nachfrage. Allerdings wird die Stadt für den Herbst vorerst nur acht solcher Filteranlagen anschaffen. Zwei wird die Grundschule Am Haiderbach bekommen und sechs werden in städtischen Kitas verteilt. „Für mehr würden wir zurzeit keine Fördergelder bekommen“, sagt Görnert. „Denn es werden ja immer nur dort Fördermittel vergeben, wo kein ausreichendes Lüften möglich ist.“

Das Umweltbundesamt teilt Schulräume aus „innenraumhygienischer Sicht“ in drei Kategorien ein: Zur Kategorie 1 zählen Räume mit guter Lüftungsmöglichkeit, das heißt, sie besitzen entweder schon eine Lüftungsanlage oder die Fenster in dem Raum sind gut zu lüften. Zur Kategorie 2 zählen Räume mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit (keine raumlufttechnische Anlage, Fenster nur kippbar oder Lüftungsklappen mit minimalem Querschnitt). Erhebungen in zwei Bundesländern zufolge liege der Anteil solcher Klassenräume bei rund 15 bis 25 Prozent, heißt es beim Bundesumweltamt. Nicht zu belüftende Räume gehören der Kategorie 3 an.

Während der Einsatz von Luftfilteranlagen in Klassenräumen der Kategorie 1 nicht notwendig sei, könne in Räumen der Kategorie 2 „als technische Maßnahme die Zufuhr von Außenluft durch den Einbau einfach und rasch zu installierender Zu- und Abluftanlagen erhöht werden“. Laut Stefan Görnert gibt es in den Wermelskirchener Schulen nur eine geringe Zahl an Räumen der Kategorie 2.

Stefan Janosi (Grüne) bezweifelt das. „Allein in Fachräumen wie zum Beispiel Laboren können doch die Fenster nicht vollständig geöffnet werden.“ Mehrere Studien würden indes belegen, dass die Wirksamkeit und Notwendigkeit von mobilen Luftfilteranlagen in Schulen gegeben sei. „Unter anderem haben Wissenschaftler vom Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik der Universität der Bundeswehr das Lüftungskonzept der Kultusminister untersucht“, sagt Janosi. „Sie kommen zu dem Schluss, dass die Möglichkeit durch regelmäßiges kurzes Lüften die Viruslast im Klassenzimmer zu reduzieren, stark überschätzt wird und zeigen auf das die Viruslast durch Luftfilter deutlich reduziert werden kann.“

Eine Studie der Universität München zeige zudem eine Reduktion der Virenlast gegenüber Stoßlüften von 50 Prozent. „Aktuelle Geräte reduzieren die Viruslast der gefilterten Luft um circa 99 Prozent bei einer Geräuschemission von maximal 35 Dezibel. Eine Störung des Unterrichts ist somit ausgeschlossen.“ Die Stadtverwaltung hatte zuletzt auch auf die höhere Lärmbelästigung solcher Luftfilteranlagen hingewiesen.

„Ich finde es einfach bitter, dass wir schon wieder vor einem Herbst stehen, in dem die Corona-Infektionszahlen steigen werden und trotzdem nicht Hinreichendes unternommen wird, die Kinder und Jugendlichen zu schützen. Denn jetzt schon zeigt sich, dass unter ihnen viele Infektionsfälle sind, weil sie ja noch keinen Impfschutz haben“, sagt Janosi.

Umweltbundesamt

Aerosolpartikel spielen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des Virus Sars-CoV-2. Angesichts der aktuellen Ausbreitung von Mutationen stellt sich die Frage nach Maßnahmen zur Verminderung der Übertragung des Virus auch an Schulen. Das Umweltbundesamt fasst die Einsatzbereiche von Lüftung, Lüftungsanlagen und mobilen Luftreinigern an Schulen auf seiner Internetseite zusammen.

www.umweltbundesamt.de

Standpunkt

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Die Corona-Fallzahlen steigen seit einigen Wochen wieder – und viele Betroffene sind im jugendlichen Alter. Unter anderem deshalb, weil die meisten Schüler bisher nicht geimpft sind. Aktuelle Studien zeigen, dass es derzeit vor allem Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 14 Jahren trifft. Nachvollziehbar, dass auch die Wermelskirchener Grünen sich mit dem Thema beschäftigen und nach Lösungen in den Klassenräumen suchen. Bis dato wird auch vonseiten der Stadtverwaltung auf die Informationen des Umweltbundesamtes verwiesen. Und da heißt es wie berichtet, dass nur Geräte für Räume gefördert werden, die nicht gut lüftbar sind. In Wermelskirchen seien das nur vereinzelte Klassenzimmer, heißt es seit geraumer Zeit aus der Verwaltung. Trotzdem lohnt sicher nochmal eine genaue Prüfung sowie Befragung der Lehrer oder Schulleiter, ob das denn wirklich alles ist für Wermelskirchen. Denn Stefan Janosi hat recht, wenn er sagt, dass wieder ein Herbst vor der Tür steht. Und niemand möchte wohl riskieren, dass es wie voriges Jahr wieder Distanzunterricht für die Schüler geben muss.

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