Klimastreik am Freitag vor dem Rathaus

Grüne fordern Klimaneutralität der Stadt

Die letzten größeren Klimademos gab es in Wermelskirchen 2019.
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Die letzten größeren Klimademos gab es in Wermelskirchen 2019.

Um den Klimawandel so weit es geht aufzuhalten, gibt es Handlungsempfehlungen für Wermelskirchen.

Wermelskirchen. Nach längerer Pause rufen die Wermelskirchener Grünen für kommenden Freitag, 23. September, noch mal zum Klimastreik auf. Treffpunkt ist um 15 Uhr vor der Rathausfront an der Telegrafenstraße. Hauptmotivation seien die Folgen des Klimawandels, die in diesem Sommer noch einmal deutlich geworden seien. „Starkregen und Hochwasser, Hitzeperiode und Dürre, Waldbrände und sinkende Ernteerträge“, schreiben die Grünen in ihrer Einladung zum Klimastreik. Und: Nur die hartnäckig Unbelehrbaren würden die vom Menschen gemachten Ursachen der spürbaren Katastrophe noch bezweifeln.

Andreas Willinghöfer vom Ortsvorstand der Grünen ist aber überzeugt: „Wir müssen und wir können etwas tun.“ Auch auf lokaler Ebene sei das möglich. Die Kommunen, so Willinghöfer, würden dabei sogar eine wichtige Rolle spielen: „Auch wir in Wermelskirchen können handeln.“

Mögliche Ziele könnten laut den Grünen zum Beispiel die Klimaneutralität der Kommune, die Stärkung der lokalen Energieversorger, ein massiver Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere von Photovoltaik vor Ort auf Gebäuden und landwirtschaftlichen Freiflächen, sein. „Wir müssen als Kommune auch bei Neubauprojekten schauen, dass wir nachhaltig bauen“, sagt Andreas Willinghöfer. „Klar ist das nicht vollständig möglich, aber es geht auch darum, kleine Schritte zu machen.“

Dazu gehören für ihn und seine Wermelskirchener Grünen-Kollegen etwa die Entwicklung nachhaltiger Mobilitätskonzepte sowie der Ausbau von Rad- und Fußwegen, aber auch die Energetische Sanierung von Gebäuden, auch von öffentlichen Gebäuden. Willinghöfer: „Dafür gibt es umfangreiche Fördermittel.“ Und: „Energieeffiziente und nachhaltige Bauleitplanung, alle aktuellen und zukünftigen Vorhaben müssen auf den Prüfstand, die Versiegelung der Landschaft muss eingedämmt werden, neue Projekte müssen klimaneutral sein und widerstandsfähig gegenüber entstehenden Klimaschäden geplant werden.“

Für Willinghöfer ist klar: „Wir können den Klimawandel nicht mehr aufhalten; das haben viele Studien gezeigt. Das heißt: Es ist in vielen Bereichen leider schon fünf nach zwölf. Aber wir können trotzdem noch etwas tun, um Schlimmeres zu verhindern.“

Das Einfachste, was alle seiner Ansicht nach zügig umsetzen können, sei Energie zu sparen. Jede und jeder könne etwas gegen das Fortschreiten des Klimawandels tun.

„Alle Beteiligten in Stadtverwaltung, Lokalpolitik und Wermelskirchener Bürgerschaft tragen Verantwortung für dringend nötige Veränderungen und sind aufgerufen, sich zum eigenen, aber auch zum Wohle der nachfolgenden Generationen einzusetzen“, sagt Willinghöfer. Viele Ratsmitglieder sind wie ich um die 60 Jahre alt. Auch wenn wir die Spitze des Eisbergs in der Klimasache vielleicht nicht mitbekommen, tragen wir doch Verantwortung für unsre Kinder und Nachkommen. Für mich ist das ein klarer Auftrag.“

Der Wermelskirchener Grünen-Politiker räumt ein, in der Vergangenheit auch nicht immer klimaneutral gelebt zu haben. „Ich bin in den 1960er Jahren geboren. Klar bin ich gerne und viel Auto gefahren, habe unvernünftige Dinge getan, die dem Klima und der Natur nicht unbedingt zugutegekommen sein dürften. Aber ich versuche jetzt, zumindest einen Teil dazu beizutragen, Schaden abzuwenden. Zum Beispiel, indem ich viel zu Fuß gehe, fast nur beruflich mit dem Auto unterwegs bin.“

Kleine Schritte, um die Welt zu verbessern

Er wünsche sich, dass diesem Beispiel einige folgen. „Wir können nicht auf einen Schlag die Welt verbessern, aber wir können kleine Schritte machen, um dazu beizutragen.“ Dass die Grünen bundesweit aufgrund der Folgen der Energie-Krise derzeit vielfach Kritik einstecken, weiß Willinghöfer. Er hat dazu aber eine klare Haltung: „Hätten wir uns nicht über Jahre abhängig von russischem Gas gemacht, wären wir heute nicht in dieser Situation. Im Gegenteil wären wir wesentlich weiter mit erneuerbaren Energien.“

Klimastreiks

„Klimakatastrophen wie Überschwemmungen, Trockenheit und Hitzewellen werden immer häufiger und verursachen besonders im Globalen Süden unvorstellbares Leid“, schreiben die Aktivisten von Fridays for Future im Netz. Unter dem Motto #PeopleNotProfit fordert Fridays for Future deshalb am 23. September 2022 auf allen Kontinenten und überall in Deutschland ein, dass die Politik nicht mehr länger Konzerninteressen über Menschenleben stelle.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Die Zeit drängt

anja.siebel@rga.de

Da werden einige laut aufschreien. „Ausgerechnet die Grünen“, werden sie sagen. „Die, die uns jetzt zum Sparen zwingen.“ Mag ja alles nachvollziehbarer Ärger über steigende Preise und leere Geldbeutel sein. Aber das, kleiner Spoiler, wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nicht unser drängendstes Problem sein.

Wer nach den vergangenen fünf Sommern noch abstreiten will, dass die Natur massiv unter dem Klimawandel leidet, der muss mit verbundenen Augen durch die Welt gelaufen sein. Hochwasser-Katastrophen, vertrocknete und vom Borkenkäfer vernichtete Wälder, die sich nicht mehr erholen konnten, braune Wiesen – wochenlange Trockenheit hat ihren deutlichen Preis.

Dass die Grünen nun – wie viele andere Aktivisten – mit einer Klimademo auf die Situation aufmerksam machen wollen, ändert zwar nichts an den Tatsachen, erinnert aber die Menschen vielleicht noch mal daran, umzudenken.

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