Trauer

Gottesdienst erinnert an verstorbene Kinder

Britta Kowalewske (l.) und Beate Haldenwang organisieren den Gottesdienst gemeinsam
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Britta Kowalewske (l.) und Beate Haldenwang organisieren den Gottesdienst gemeinsam
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Verwaiste Eltern haben ein rührendes Ritual, das die Verstorbenen nicht vergessen lässt.

Wermelskirchen. Wenn man Beate Haldenwang fragt, wie sie und ihre Familie ihr Schicksal so gut meistern können, dann sagt sie: „Weil wir ja unseren Glauben haben.“ Und das meint sie auch so. Im festen Glauben an Gott und ein Leben nach dem Tod leben die Haldenwangs – Beate, Ehemann Udo und die Söhne Matthias (35) und Simon (16). Sie leben aber auch in dem Wissen, dass einer im Familienbunde dauerhaft fehlt. Sohn Michael starb 1998 mit knapp zehn Jahren an einer speziellen Form der Leu-
kämie.

Im Jahr 2002 gründete das Ehepaar aus Dabringhausen dann den Gesprächskreis „delfin“. Im Dabringhauser Gemeindehaus treffen sich seitdem an jedem ersten Freitag im Monat Eltern, die das unfassbar schwere Schicksal miteinander teilen, ein Kind verloren zu haben.

Die Zahl der Eltern, die den Gesprächskreis besuchen, variiere, erzählt Beate Haldenwang. „Manche kommen auch nach Monaten mal wieder, andere stoßen zu uns neu dazu. Das ist alles so in Ordnung.“

Und: In der Evangelischen Kirche in Dabringhausen organisieren die Haldenwangs mit anderen engagierten Eltern jedes Jahr im Dezember den Gedenkgottesdienst für verstorbene Kinder – so auch an diesem Sonntag, 11. Dezember (siehe Info-Kasten).

Auch die Haldenwangs trauern, auch bei ihnen ist eine Narbe zurückgeblieben, die nicht weg zu denken ist. Aber sie haben einen Weg gefunden, das Unvorstellbare irgendwie lebbar zu machen. „Indem ich mich hier engagiere, Erfahrungen teile, unsere Geschichte erzähle, erfahre ich auch Trost“, schilderte Udo Haldenwang vor einiger Zeit in der Gesprächsgruppe sein eigenes Erleben als Vater.

Zudem leitet der Dabringhauser eine Väter-Gesprächs-Gruppe auf der onkologischen Station der Kinderklinik Düsseldorf, in der ihr Sohn Michael lange behandelt wurde. „Michael ist in vielen Situationen bei uns, begleitet uns“, erzählen die Haldenwangs. Das Leben habe heute nicht mehr denselben Sinn wie damals, als es Michael auf dieser Erde noch gab. Aber einen anderen.

Beate Haldenwang weiß, dass Eltern unterschiedlich mit dem Verlust eines Kindes umgehen. „Eingeladen zu unserem Gottesdienst sind alle. Auch zum Beispiel Eltern, die ihr Kind im späteren Alter verloren haben. Denn ein Kind bleibt für Eltern ihr Kind, auch wenn mit 60 verstirbt.“

Und: Sie möchte auch die Geschwisterkinder nicht vergessen. „Oft ist es bei so einem Verlust ja so, dass immer nach der Mutter gefragt wird. Weniger werden die Geschwister gefragt, wie es ihnen denn eigentlich geht. Unser Sohn Matthias beispielsweise vermisste seinen etwa gleichaltrigen Bruder besonders, als er erwachsen wurde. Jemanden zum Austausch, über die eigene Wohnung und so weiter.“

Ein weiteres Problem, das die verwaisten Eltern in der Gesprächsgruppe „delfin“ immer wieder äußern: Die Menschen wenden sich von ihnen ab, wagen sich oft nicht, die Eltern, die so ein Schicksal tragen müssen, irgendwie anzusprechen. Wie denn auch? Dabei wünschen sich die meisten Eltern, zumindest bei „delfin“ diese Ansprache. Sie wollen, dass man sie nicht ausgrenzt, das Geschehene nicht buchstäblich „tot schweigt“.

Der Gottesdienst am kommenden Sonntag soll deshalb wieder für all jene eine Ausdrucksform und ein Treffpunkt sein, die einen lieben Menschen verloren haben. Besonders aber für die verstorbenen Kinder. „Wir zünden für jedes Kind eine Kerze an und nennen auf Wunsch der Eltern oder Elternteile auch den Namen während des Gottesdienstes“, sagt Beate Haldenwang. Die Eltern dürfen die Kerzen dann später mit nach Hause nehmen. „Die Kinder sollen ja nicht vergessen werden. Unser Michael, der ist immer bei uns. Wenn auch nur in Gedanken.“

Und den entscheidenden, für die Eltern so tröstenden Satz, den hat der damals nicht einmal zehn Jahre junge Michael ganz kurz vor seinem Tod noch zu seinen Eltern gesagt: „Ich muss ja keine Angst haben. Ich bin ja dann bei Gott. Und da sehe ich alle wieder, die schon vorausgegangen sind.“

Gottesdienst

Der Gottesdienst zum Weltgedenktag verstorbener Kinder findet am 2. Sonntag im Dezember statt und richtet sich an alle, die trauern. Der Gottesdienst, unter anderem von „delfin“ gestaltet und organisiert, findet am Sonntag, 11. Dezember, von 17 bis 18 Uhr in der evangelischen Kirche Dabringhausen statt.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Rührendes Engagement

anja.siebel@rga.de

Es ist für nicht Betroffene ein nicht fassbares Schicksal, das Eltern tragen, die ihr Kind verlieren. Und jene, die im Laufe ihres Lebens damit konfrontiert werden, gehen auf unterschiedliche Weise damit um.

Beate und Udo Haldenwang haben einen bewundernswerten Weg gewählt, ihren Verlust zu akzeptieren und dabei den geliebten Sohn nicht zu vergessen. Unter anderem, indem sie andere Eltern in ähnlicher Situation unterstützen. Mit dem Gesprächskreis „delfin“ und mit dem Gedenkgottesdienst, der diesen Sonntag wieder stattfindet. Diese Arbeit ist so wertvoll, wenn man bedenkt, dass Eltern oft nicht wissen, wo sie hin sollen mit ihrem Schmerz und ihrer Trauer, ihrem Unverständnis und vielleicht auch ihrer Wut.

In der Gruppe, der Gemeinschaft ähnlich Betroffener wird manches einfacher. Vor allem gibt es die Möglichkeit zu sprechen. Und vielleicht muss man manchmal auch einfach Dinge aussprechen. Sind sie auch noch so traurig.

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