Geschichtsverein blickt ins Umland

Der Bergische Geschichtsverein Abteilung Wermelskirchen e. V. startete in sein Herbstprogramm mit der Fortsetzung der gelungenen Umschau in die Bergische Nachbarschaft. Lothar Weller brachte den Zuhörern "Gruiten - das niederbergische Düssel-Dorf" unterhaltsam näher.

Das "östliche Tor zum Neandertal" kann auf eine rund 100-jährige Geschichte zurückblicken, steht als Gesamtensemble unter Denkmalschutz und ist doch einer breiten Öffentlichkeit weitgehend nur wegen seiner guten Verkehrsanbindungen und Autobahnausfahrt Haan-Ost bekannt. Selbst Gruitener haben nicht unbedingt das Insiderwissen, dass sich der vor 21 Jahren zugezogene Lothar Weller mit wachsendem Interesse angeeignet hat.

1090 ist die Gemeinde erstmals von Mönchen erwähnt worden

Eine Besonderheit in der von großer und kleiner Düssel durchflossenen Gemeinde ist die ursprünglich oberhalb des Dorfes auf einem Bergsporn angelegte Kirche mit Friedhof und Wehrmauer. 1090 wird sie erstmals von Mönchen erwähnt, weil es einen zur Kirche gehörenden Hof gab, der dem Kloster gehörte und Abgaben von "Grutena" erhielt. Die Kirche war dem heiligen Nikolaus geweiht, was auf eine Filialkirche von Werden schließen lässt, das auch Nikolaus geweiht ist. An der wichtigen Handelsstraße von Köln nach Werden gelegen war Gruiten einst ein Sackgassendorf ohne Durchfahrt, was mit ein Grund gewesen sein mag, dass es nie überfallen wurde.

Der als Bauernburg ausgebaute Hof konnte durch Anstauen der großen und kleinen Düssel zudem als Wasserburg gesichert werden. Der auf 1200 geschätzte Taufstein weist die Kirche, von der heute nur noch der auf 1075 geschätzte Turm existiert, als eine Taufkirche aus - aber erst nach der Patronatsübernahme durch das Kloster Gräfrath nach 1427 ist sie als Pfarrkirche genannt.

Gruiten war immer urbergisches Gebiet

Gruiten - heute ein Stadtteil von Haan - war immer urbergisches Gebiet, während Haan zu Kur-köln gehörte. Im Mittelalter war der Ort eine Ansammlung von immer am Wasser gelegenen Höfen, die mehrheitlich entfernt von Gruiten Richtung Amt Schöller, den weltlichen Herren von Gruiten, lagen. In der Reformationszeit wurde Gruiten mit Schöller in einem Atemzug anlässlich der bergischen Synode von 1589 genannt, aber erst 1604 gab es klare Hinweise für eine Reformationszugehörigkeit, die sich ab 1609 in einem für Schöller und Gruiten zuständigen Prediger manifestierte.

Dennoch besetzte 1615 juristisch einwandfrei das Kloster Gräfrath die katholische Pfarrstelle in der Kirche, was zu der paradoxen Situation führte, dass es quasi eine katholische Kirche ohne Gemeinde und eine evangelische Gemeinde ohne Kirche gab. Erst seit 1721 gibt es eine eigene evangelische Kirche und inzwischen auch eine neue katholische Kirche. Bis 1863 wurde auf dem Gelände des Bergsporn der Friedhof noch als Simultanfriedhof von beiden Konfessionen genutzt.

Im Zuge der Napoleonischen Neuordnung wurden nach 1806 erstmals Gruiten und Haan in der Bürgermeisterei zusammengefasst. Immer noch dominierte die Landwirtschaft als Haupterwerbszweig, aber es gab auch Hauswebereien. Mit dem Bau der Eisenbahnlinie 1837 bis 1841 von Düsseldorf nach Elberfeld begann ein rasanter Aufschwung. Bei der Streckenführung über Gruiten galt es bei Hochdahl eine Steigung von 18 Prozent zu bewältigen, was bis 1926 mit einer Umlenkkontrolle gemeistert wurde: talwärts fahrende Züge zogen die bergwärts fahrenden, die von Schiebeloks unterstützt wurden. Erst in den 1970er Jahren erledigte sich das Problem endgültig durch die Elektrifizierung der Strecke.

Auf der Strecke Mettmann-Gruiten fuhr der erste moderne O-Bus

Erzförderung zog mehr Ansiedlung und eine neue Infrastruktur nach sich, ein neuer Stadtteil entstand. Von 1900 bis 1910 beherrschte Kalkabbau in zehn Brüchen das Stadtbild; heute ist das Terrain ein idealer Wander- und Radweg ohne Steigungen. 1920 gab es in Gruiten den höchsten Schornstein Deutschlands und um 1930 fuhr auf der Strecke Mettmann-Gruiten der erste moderne Oberleitungsbus Deutschlands. Die Fortführung über 1952 hinaus scheiterte, weil eine Verlängerung der Strecke nach Haan nicht möglich war.

Mit einem gedanklichen Brückenschlag nach Wermelskirchen beendete Lothar Weller seinen interessanten Vortrag: Urkundlich danken die Gruitener 1706 "den Wermelskirchener Glaubensbrüdern für eine Spende".

  1. Kontakt Bergischer Geschichtsverein, Abteilung Wermelskirchen: Klaus-Dieter Buse, Tel.: 888428. Informationen zur Arbeit und den einzelnen Abteilungen des Vereins unter: www.bgv-gesamtverein.de

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