Pandemie

Maskenpflicht: Geschäfte setzen auf Deeskalation

Die Maskenpflicht sorgt vielerorts für Probleme. Foto: Bernd Thissen/dpa
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Die Maskenpflicht sorgt vielerorts für Probleme.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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An Tankstellen und in Bäckereien kommt es häufiger vor, dass Maskenverweigerer uneinsichtig sind

Wermelskirchen. Dana Kuschel arbeitet gern in der Tankstelle am Hünger. Seit dem Vorfall in Idar-Oberstein, wo ein Mann, der sich geweigert hatte, seine Corona-Schutzmaske zu tragen und nach mehrmaliger Aufforderung den Tankstellenmitarbeiter erschoss, hat sie aber Angst. Das gibt die junge Frau unumwunden zu. „Ich denke dann immer, besser nicht vehement werden, besser deeskalieren, als mich selbst oder andere in Gefahr zu bringen“, sagt sie.

Nicht ohne Grund. Denn auch in der Nachbarstadt Hückeswagen stand jetzt ein Mann vor Gericht, der ohne medizinische Maske eine Bäckerei betreten und daraufhin von den Mitarbeitenden angesprochen wurde. Der Mann hatte vor allem die weiblichen Mitarbeiterinnen daraufhin unflätig beschimpft und beleidigt.

Häufiger hätte auch sie es erlebt, dass Menschen ohne Maske in die Tankstelle kommen: „Die haben dann Taschentücher vorm Gesicht oder tragen ihre Maske unterm Kinn – oder eben gar nicht.“ Spricht sie sie an, haben manche Einsicht. „Die haben das dann vielleicht auch einfach mal vergessen.“ Manche würden aber auch aggressiv. „Da sage ich dann besser nichts“, berichtet Dana Kuschel.

Generell seien die Rhein-Berger, was die Maskenpflicht angeht, aber noch „recht anpassungsfähig“, sagt Polizeisprecher Christian Tholl auf Nachfrage. „Zumindest gab es bei uns bisher keine größeren Einsätze wegen Eskalationen zu diesem Thema.“

Das bestätigt auch Daniel Steiner vom Wermelskirchener Ordnungsamt: „Wir haben Einzelfälle, wo es nicht funktioniert und wir einschreiten müssen“, berichtet er. Vor allem zu Anfang der Corona-Pandemie habe es zudem Anfragen von einigen Supermarktbetreibern gegeben. Steiner: „Sie sind ja befugt, das Hausrecht anzuwenden, wenn sich jemand weigert, eine medizinische Maske zu tragen. Das heißt: Sie können diese Kunden des Ladens verweisen. Sie wollten sich dann aber vergewissern, dass das auch tatsächlich ihr Recht ist.“

Zu Anfang der Pandemie waren viele aggressiv

Eine Tankstellenbetreiberin, die namentlich nicht genannt werden möchte, berichtet, froh zu sein, „dass sich die Lage wieder etwas entspannt“ habe. „Zu Anfang der Pandemie haben uns viele beschimpft und beleidigt, weil sie einfach nicht einsehen wollten, dass das Masken-Tragen eben derzeit der Bestimmung von Bund und Ländern entspricht“, sagt sie. „Das war wirklich schlimm und das wünsche ich keinem. Ich habe das Gefühl, dass wir und der Einzelhandel damals herhalten mussten für den ganzen Frust, der sich in den Leuten aufgestaut hatte. Zurzeit ist es nur noch so, dass einige Kunden nicht einsehen, die Maske zu tragen, weil sie geimpft sind. Sie sind der Meinung, das sei nun nicht mehr nötig.“

Oliver Platt, Geschäftsführer bei Evertzberg, hört von seinen Mitarbeitern in den Bäckerei-Filialen ähnliches. „Es sind aber bei uns eher nicht die Maskenverweigerer, sondern jene, die sich zum Kaffeetrinken oder Frühstücken in unseren Filialen aufhalten möchten, aber dann nicht einsehen, nachweisen zu müssen, dass sie geimpft, getestet oder genesen sind. Einige werden dann böse.“ Oliver Platt bringt dafür wenig Verständnis auf. „Mich als Chef dürfen sie gern anschreiben oder sich telefonisch beschweren. Ich kann das ab. Aber die Mitarbeiter haben das nicht verdient. Sie bekommen Anweisungen, die sie befolgen und nach denen sie sich richten müssen. Sie können am wenigsten dafür, dass die Situation in der Gastronomie und bei uns derzeit nun mal eine andere ist als noch vor zwei Jahren.“

Oliver Meuser, Betreiber der Shell-Tankstelle in Neuenhöhe hat ein wirksames Mittel für jene, die sich nicht an die Bestimmungen halten wollen: „Ich gucke die mal böse an. Und dann läuft das. Große Probleme haben wir damit eigentlich nicht.“

Maskenpflicht im Freien

Die neue Corona-Schutzverordnung (1. Oktober) sieht unter anderem den Wegfall der Maskenpflicht im Freien vor. Bislang galt, dass in Warteschlangen und Anstellbereichen sowie unmittelbar an Verkaufsständen, Kassenbereichen und ähnlichen Dienstleistungsschaltern sowie bei Sport-, Kultur und sonstigen Veranstaltungen im Freien mit mehr als 2500 Besuchern das Tragen einer Maske erforderlich war. Diese Pflicht fällt weg. Trotzdem wird die Maske bei nicht gegebenem Mindestabstand noch empfohlen.

Standpunkt

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Der Ton wird rauer. Das ist am Telefon spürbar, in der Öffentlichkeit und vor allem in den sozialen Netzwerken. Die Menschen werden ungeduldig in der Pandemie. Sehen es zum Teil nicht mehr ein, sich immer noch an Beschränkungen halten zu müssen. Einige, weil sie längst geimpft sind. Andere, weil sie es ablehnen, sich überhaupt impfen zu lassen. Richtig ist: Man kann vieles kritisieren, muss nicht mit allem einverstanden sein und erst recht nicht alles nachvollziehen können. Aber richtig ist auch: Manches ist eben nicht zu ändern. Vor allem, weil vor allem jene den Frust zu spüren bekommen, die für die Beschränkungen nun so überhaupt nicht verantwortlich sind: Mitarbeitende im Einzelhandel, Bäckereien und Apotheken, Tankstellenmitarbeiter oder Gastronomen. All jene haben weder die Maskenpflicht noch die 3G- oder 2G-Regel erfunden. Sie setzen nur das um, was ihnen vorgegeben wird. Und kassieren unter Umständen harte Strafen, wenn sie sich an diese Vorgaben nicht halten. Vielleicht sollte das auch mal Gegenstand der Überlegungen sein, bevor Aggressoren das nächste Mal zur Verbalkeule greifen.

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