Wirtsmühler Straße

Gesamtschule soll neu gegründet werden

Schüler, Elten und Lehrer der Sekundarschule beschweren sich über schlechte Zustände in den jetzigen Gebäuden. Symbolfoto: Jürgen Moll
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Schüler, Eltern und Lehrer der Sekundarschule beschweren sich über schlechte Zustände in den jetzigen Gebäuden.

In einer turbulenten Sitzung empfahlen die Ortspolitiker dem Rat, die jetzige Sekundarschule nicht umzuwandeln.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Die Mitglieder des Schulausschusses haben während der Sitzung am Donnerstagabend einen empfehlenden Beschluss über die neue weiterführende Schule in Wermelskirchen getroffen. Mehrheitlich empfehlen sie demnach dem Stadtrat, der am 28. März unter anderem über die Schule entscheiden soll, die Neugründung einer Gesamtschule am Standort Wirtsmühler Straße, also dem Standort der jetzigen Sekundarschule. Monika Müller von der CDU-Fraktion erklärte, dass deren Mitglieder sich mehrheitlich für eine Realschule aussprechen, sich im Falle eines Beschlusses für eine Gesamtschule aber auch für diese engagieren würden.

Die Grünen sprechen sich weiter deutlich gegen den Standort Wirtsmühler Straße als auch gegen die Neugründung der Schule aus. Und sie nennen Gründe: „Wir haben uns sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt“, sagte Ulrike Schorn-Kussi von den Grünen. Sie verwies auf das Beispiel der Stadt Velbert, die sich nach langer Beratung und zahlreichen Kostenanalysen für den Neubau einer Gesamtschule entschieden hatte. Weil, so Schorn-Kussi, die Kosten nach intensivem Vergleich in etwa gleich gewesen seien: „Wenn man einen Altbau wie diesen umbaut, muss man im Nachhinein mit so hohen Kosten rechnen, die man sich mit einem Neubau nicht aufbürden würde.“ Zum einen vermisse die Fraktion eine „transparente und in die Tiefe gehende Kostenanalyse“, die die Standorte Wirtsmühler Straße und Rot-Kreuz-Straße in Vergleich setze. Zum anderen sei die Aussage, am Standort Rot-Kreuz-Straße fehle der Platz für einen kompletten Gesamtschul-Neubau, aus ihrer und der Sicht befragter Experten nicht nachvollziehbar.

Die Zustände unserer Schule sind für die Kinder belastend.

Julia Stüttgen, Elternvertreterin

Die Verwaltung hatte wie berichtet zunächst immer wieder die zu hohen Kosten als Argument vorgebracht, warum ein Neubau nicht machbar sei. Vorige Woche dann hatten der Technische Beigeordnete Thomas Marner und Bürgermeisterin Marion Lück einen aus Sicht der Öffentlichkeit neuen Aspekt ins Spiel gebracht: Das Grundstück an der Rot-Kreuz-Straße sei schlichtweg zu klein. Eine Sporthalle würde dort nicht hinpassen und ein Erweiterungsbau, sollte die Gesamtschule gut angenommen werden, sei dort auch nicht möglich. „Es ist aus unserer Sicht unverantwortlich, dass eine so wichtige Entscheidung auf so schwachen Füßen getroffen werden soll“, sagte Ulrike Schorn-Kussi. Thomas Marner verstand das offenbar als einen Vorwurf an die Planungen seines Dezernats und nannte die Äußerung „eine Unverschämtheit“.

Ebenfalls von den Grünen kam der Vorschlag, die Gesamtschule nicht neu zu gründen, sondern die jetzige Sekundarschule umzuwandeln. Das hätte den Vorteil, dass die Schule nicht auslaufen, sondern übernommen und auch das Lehrerkollegium übernommen werden könnte. Die Neugründung der Schule sei aber „ein neuer Impuls“ argumentierten die übrigen Ausschussmitglieder.

Ausschussvorsitzender Jochen Bilstein hatte zudem um Rederecht für eine Delegation der jetzigen Sekundarschule gebeten, die sich ebenfalls eine Umwandlung ihrer Schule gewünscht hätte. Moritz Lohmann vom Lehrerkollegium, Julia Stüttgen als Elternvertreterin sowie Nico Klöckner als Schülersprecher schilderten daraufhin unisono, dass sie sich von der Stadtverwaltung und Teilen der Politik allein gelassen fühlen würden. „Die Zustände an unserer Schule sind jetzt schon für unsere Kinder belastend“, sagte Julia Stüttgen. „Und wir können uns auch nicht vorstellen, dass ein Umbau dieser Gebäude an ihnen schadlos vorübergehen würde.“ Die Gebäudeteile G+F seien seit dem Herbst undicht, es regne in die Klassenräume. Die Tafeln würden sich nicht richtig hochschieben lassen und die Räume seien viel zu niedrig und extrem hellhörig.

Nico Klöckner schilderte, dass die Schüler sich deshalb bereits mehrfach per Brief an die Verwaltung gewandt hätten. „Wir sind auch der Meinung, dass sich Schüler künftig nicht gern an einer Schule anmelden würden, die sich im Umbau befindet.“

Moritz Lohmann von der Lehrerschaft gab zu bedenken, dass es zwar viele Beispiele gäbe, in denen eine Schule bei laufendem Betrieb umgebaut wurde. „Das kann sich aber auch nur eine renommierte Schule leisten“, sagte er. Ansonsten laufe man unter anderem auch Gefahr, keine qualifizieren Lehrer zu bekommen: „Die können sich ihren Arbeitsplatz immer noch aussuchen und schauen entsprechend nach attraktiven Angeboten.“

Hintergrund

Am 28. März soll der Rat sowohl über die zukünftige Schulform als auch über Standort und Neugründung oder Umwandlung entscheiden. Der Schulausschuss empfiehlt mehrheitlich die Neugründung einer Gesamtschule an der Wirtsmühler Straße.

Bis November 2022 kann Wermelskirchen in Düsseldorf einen Antrag stellen, um eine eventuelle Gesamtschule genehmigt zu bekommen. Der Schulbeginn für die Klassen 5 könnte dann ab dem Schuljahr 2023/2024 sein.

Die Eltern der Sekundarschule hatten sich vor gut einer Woche für den Standort Rot-Kreuz-Straße und somit einen Neubau einer Gesamtschule ausgesprochen und eine entsprechende Petition gestartet. Darin hatten sie die Verwaltung gebeten, die Thematik noch einmal eingehend zu prüfen.

Standpunkt: Ein Schlag ins Gesicht

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Es muss wie ein Schlag ins Gesicht für alle 81 Pädagogen der jetzigen Sekundarschule gewesen sein: Die Mitglieder des Schulausschusses entschieden in der turbulenten Sitzung am Donnerstagabend mehrheitlich, dass, sollte es demnächst eine Gesamtschule in Wermelskirchen geben, diese neu gegründet werden soll. Das heißt, dass es auch ein neues Bewerbungsverfahren für Lehrerinnen und Lehrer geben muss – und das jetzige Kollegium in dieser Form nicht mehr unterrichten wird. Lehrer, Schüler und Eltern schilderten während der Sitzung unisono, dass sie in der Vergangenheit das Interesse der Stadt an ihrer Schule vermisst hätten. Sie erzählten von maroden Bauten und einem schlechten Lernklima. Interessiert habe das alles niemanden. Das alles ist in zweierlei Hinsicht bitter: Zum einen ist es nicht wertschätzend dem Team der Sekundarschule gegenüber, das motiviert an den Start gegangen war und über die Jahre mit seinem Konzept viele Erfolge erzielt hatte. Zum anderen sind das absolut keine guten Vorzeichen für eine erfolgreiche, zukunftsorientierte neue Gesamtschule.

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