Bildung

Gesamtschule: Konzept noch dieses Jahr

Aus der heutigen Sekundarschule soll eine Gesamtschule werden.
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Aus der heutigen Sekundarschule soll eine Gesamtschule werden.

Schulwissenschaftler Prof. Dr. Heinz Günter Holtappels informierte über Planung.

Von Anja Carolina Siebel

Eine wichtige Botschaft hatte Professor Dr. Heinz Günter Holtappels für die Wermelskirchener am Freitagabend im Schulausschuss im Gepäck: „Versuchen Sie, jetzt zusammenzuhalten. Alles andere wird ansonsten in der Bevölkerung nicht honoriert. Sie verlieren an Ansehen.“ Der Schul- und Entwicklungsforscher, der die vom Schuldezernat beauftragte Konzeptgruppe zur Entwicklung der Gesamtschule moderiert, war zur Ausschusssitzung eingeladen, um über die Arbeit der Konzeptgruppe zu berichten. Aber er informierte auch über für die Schul-Neugründung in Wermelskirchen interessante Entwicklungen im Schulsystem, über Elternwünsche und Schülerströmungen.

Bundesweit, so Holtappels, halte die Nachfrage nach höherwertigen Bildungsgängen und -abschlüssen an. Das liege zum einen an den stetig steigenden Berufs- und Arbeitsmarktanforderungen. Zum anderen auch daran, dass Eltern zum Großteil ebenfalls höhere Bildungsabschlüsse hätten und Gleiches auch für ihren Nachwuchs anstreben würden.

Eltern würden indes am liebsten Schulformen für ihre Kinder auswählen, die alle Möglichkeiten für Bildungsgänge und -abschlüsse offen halten würden, so wie etwa die Gesamtschule. Der Wissenschaftler wies zudem darauf hin, dass die Empfehlung für eine weiterführende Schulform, die Lehrer hierzulande nach der Grundschulzeit aussprechen, nicht unbedingt so viel Relevanz hat, wie häufig vermutet. Studien würden vielmehr zeigen, dass gerade Grundschüler häufig unterschätzt würden, ihr Potenzial von den Pädagogen nicht unbedingt erkannt werde.

Auf einer Gesamtschule, so Holtappels, hätten Schüler die Chance, dieses Potenzial noch zu entfalten. Durch mehr Bildungsgerechtigkeit durch soziale Chancengleichheit zum Beispiel. Und durch gleiche Lernchancen für alle Lernenden beim Start und während der Schullaufbahn.

Die Benachteiligung von Lernenden mit niedrigem sozioökonomischem Status und mit Migrationshintergrund werde vermieden durch besondere Förderung; herkunftsbedingte Benachteiligungen würden soweit wie möglich ausgeglichen.

Gruppe erstellt kein komplettes Schulkonzept

Auf der Gesamtschule könnten die Schüler nicht „sitzenbleiben“, auch stünde ihnen kein Schulwechsel bevor, wenn die Leistungen nachließen. Kindern und Jugendlichen werde somit dieses Versagenserlebnis erspart. Vielmehr gelte in der Gesamtschule die Differenzierung von Aufgaben und Methoden innerhalb der Klassengruppe sowie fähigkeitsorientiertes Lernen durch äußere Differenzierung in Form leistungsbezogener Lerngruppenzusammensetzung in zentralen Fächern.

Eltern und Lernende würden kontinuierlich über die individuelle Schullaufbahn informiert. Zudem gebe es eine individuelle Lernunterstützung. Das heißt, Förderung und Forderung zur Sicherstellung des Schulerfolgs und höherer Ausschöpfung von Begabungen. All das soll die Gesamtschule auch in Wermelskirchen Lernenden bieten.

Die Konzeptgruppe, das betonte Heinz Günter Holtappels, sei allerdings nicht dafür da, ein komplettes Schulkonzept zu erstellen: „Wir erstellen den Rahmen mit Eckpunkten und möglichen Gestaltungselementen. Das Konzept müssen Lehrer, Eltern und Verantwortliche später festzurren.“

 Schulamtsleiter Andreas Voß berichtete während der Sitzung zudem über den Sachstand. So sei bisher ein Informationsflyer für die Eltern erstellt sowie vor wenigen Tagen eine PR-Agentur beauftragt worden, die in einer im Oktober startenden Kampagne unter anderem eine Homepage, Pressearbeit, einen Newsletter und Printwerbung für die Gesamtschule entwickeln soll.

 Wie berichtet, findet zudem am 22. November eine Infoveranstaltung für interessierte Eltern zur Gesamtschule und ihren Inhalten statt.

Konzeptgruppe Gesamtschule

Wie berichtet, wurde die genannte Konzept- oder Arbeitsgruppe vom Schuldezernat gegründet. Mitglieder darin sind neben Schuldezernent Stefan Görnert und Schulamtsleiter Andreas Voß der Schulausschussvorsitzende Jochen Bilstein, zwei Elternvertreter, zwei Vertreterinnen der Grundschulen, zwei Vertreter der Gesamtschule in Lohmar sowie Torsten vom Stein, der den Gründungsprozess begleitet.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Jetzt zusammenhalten

anja.siebel@rga.de

Dieser eine Satz, den der Schulwissenschaftler Professor Dr. Heinz Günter Holtappels den Mitgliedern des Schulausschusses mit auf den Weg gab, war wohl ein entscheidender: „Halten Sie jetzt zusammen. Sie verlieren ansonsten an Ansehen.“ Nach den vielen Diskussionen und Scharmützeln, die sich in den vergangenen Monaten um die Entwicklung der neuen Schule rankten, ist das wohl die einzige Chance, die die Gesamtschule noch hat: Dass die Beteiligten, Politiker wie Verwaltungsmitglieder, nicht nur hinter ihr stehen, sondern sich auch in der Sache einig sind oder werden.

Der Sachstandsbericht, den Andreas Voß am Freitagabend verlas, klang vielversprechend. Eine PR-Agentur entwickelt eine Kampagne für die neue Schule, die Eltern sollen zeitnah bei einer großen Infoveranstaltung informiert werden, das Ding ist auf dem Weg. Deshalb heißt es jetzt: Zusammenhalten und sich nicht in Kleinklein verrennen.

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