Bildung

Gesamtschule: Fronten verhärten sich

Aus der heutigen Sekundarschule soll eine Gesamtschule werden.
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Aus der heutigen Sekundarschule soll eine Gesamtschule werden.

BüFo fordert mehr Transparenz von Schulverwaltung und Vorsitzendem des Schulausschusses.

Von Anja Carolina Siebel

Nachdem sich Schulausschussvorsitzender Jochen Bilstein Anfang der Woche zur Entwicklung der neuen Gesamtschule geäußert hatte, meldet sich jetzt Oliver Platt zu Wort. Der BüFo-Vorsitzende leitet ein Schreiben weiter, das die schulpolitischen Sprecherinnen des Bürgerforums, Karin Görne und Martina Würker, unterzeichnet haben.

Darin ist zu lesen, dass die Entscheidungsträger des Bürgerforums kein Verständnis haben für die jüngsten Aussagen des Schulausschussvorsitzenden Jochen Bilstein. Der hatte wie berichtet den Vorwurf dementiert, dass die Öffentlichkeit nicht hinreichend über die Planungsprozesse der Gesamtschule informiert werden würde.

Oliver Platt sowie die schulpolitischen Sprecherinnen des BüFo sehen das offenbar anders. Fakt sei, „dass im letzten Schulausschuss deutlich wurde, dass hier nicht wirklich von einem transparenten Prozess die Rede sein kann“, schreiben sie. Während der letzten Schulausschusssitzung hatte sich Oliver Platt, der selbst kein Ausschussmitglied ist, mit der schulpolitischen Sprecherin Karin Görne beraten. Daraufhin hatte Görne die Frage gestellt, wer denn die Konzeptgruppe zum Planungsprozess der Gesamtschule ins Leben gerufen habe. Bürgermeisterin Marion Lück hatte darauf geantwortet, es sei nicht die Verwaltung, sondern lediglich die Schulverwaltung gewesen. Damit wurde einmal mehr die Missstimmung sichtbar, die offensichtlich zwischen der Bürgermeisterin und dem Ersten Beigeordneten und Chef der Schulverwaltung, Stefan Görnert, herrscht.

Auch das BüFo fühlte sich von Stefan Görnert offenbar nicht hinreichend über die derzeitigen Prozesse informiert. „Nicht nur die Politik, sondern auch die Eltern der Kinder, die die Gesamtschule im kommenden Jahr besuchen könnten, sind zu diesem fortgeschrittenen Zeitpunkt des Verfahrens nicht ausreichend informiert“, schreiben die schulpolitischen Sprecherinnen. Diese Kritik müssten der Vorsitzende des Schulausschusses und der Erste Beigeordnete der Stadt „unbedingt ernst nehmen, wenn es um eine erfolgreiche Gründung einer Gesamtschule geht“.

Und: Den Eltern müssten jetzt zeitnah konzeptionelle Leitplanken für die neue Gesamtschule an die Hand gegeben werden, um das Konzept der neuen Schule besser zu verstehen. Weiter heißt es: „In unseren Augen muss jetzt dringend etwas geschehen, um die Öffentlichkeit und vor allem die Eltern der jetzigen Viertklässler von der neuen Schulform zu überzeugen. Doch entsprechende Informationen bekommen die Eltern leider noch nicht. Der letztendliche Prozess mag ein formaler sein zwischen dem Schuldezernat und der Bezirksregierung. Dabei wird jedoch vollkommen die emotionale Komponente der Eltern vergessen, die diesem Prozess so weit vertrauen müssen, dass sie ihre Kinder an der Gesamtschule anmelden. Es wird dringend Zeit, dass die Arbeitsgruppe notwendige Informationen sammelt und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Der Schulausschuss hat in seiner letzten Sitzung nach Anregung der BüFo-Anfrage darauf gedrängt, dass eine externe Beratung hinzugezogen wird, die ein Konzept erarbeitet, wie das Anmeldeverfahren begleitet werden kann. Dazu hätte schon nach den Sommerferien der Startschuss fallen müssen. Das muss jetzt umgehend geschehen.“

Schulbeauftragte betonen, sie seien im Zeitplan

Sowohl der Erste Beigeordnete Stefan Görnert als auch Schulausschussvorsitzender Jochen Bilstein betonen indes auf Nachfrage, dass der Prozess im Zeitplan sei. „Wir haben jetzt eine Werbeagentur beauftragt, die die Öffentlichkeitsarbeit übernimmt. Sowohl die Bezirksregierung als auch diese Agentur haben uns versichert, dass alles nach Plan läuft“, sagt Stefan Görnert.

Zudem würden die interessierten Eltern Ende November zu einem Informationsabend eingeladen, ergänzt Jochen Bilstein. „Der Prozess läuft und wir arbeiten intensiv“, sagt er. „In die Unstimmigkeiten innerhalb der Stadtverwaltung möchte ich mich nicht einmischen; ich halte aber ein geschlossenes Auftreten dort für unabdingbar, wenn die Neugründung der Schule gelingen soll.“

Hintergrund

Bis November 2022 kann die Stadt in Düsseldorf einen Antrag stellen, um eine Gesamtschule genehmigt zu bekommen. Der Schulbeginn für die Klassen 5 könnte dann im Schuljahr 2023/2024 sein. Voraussetzung ist aber, dass es im Frühjahr 2023 mehr als 100 Anmeldungen gibt.

Standpunkt: Mit einer Zunge

anja.siebel@rga.de

Man kann es im Grunde nicht oft genug sagen: Kaum etwas ist zerstörender und schädlicher für ein Großprojekt wie die Gesamtschule als Unstimmigkeiten bei den Verantwortlichen. Welche Unstimmigkeiten es da genau gibt zwischen der Bürgermeisterin und dem Ersten Beigeordneten, darüber kann man nur mutmaßen. Fakt ist indes, dass diese offensichtlichen Differenzen nicht gerade zur Vertrauensbildung beitragen.

Darüber sollten sich auch die Ortspolitiker des Bürgerforums im Klaren sein, die dem Schulausschussvorsitzenden und der Schulverwaltung jetzt Intransparenz vorwerfen. Zunächst einmal wäre es wichtig, dass die Stadtverwaltung in der Sache mit einer Zunge spricht und geschlossen auftritt. Dazu gehört vielleicht auch, den Prozessen, die gerade bereits ins Rollen gekommen sind, ein gewisses Vertrauen entgegenzubringen und die Ergebnisse abzuwarten. Dafür ist noch genug Zeit.

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