Prozess

Geringer Schaden: Verfahren gegen Auflage eingestellt

89-Jähriger hatte mit seinem Wagen beim Einparken ein anderes Auto touchiert.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Wermelskirchen. Alter schützt vor Strafe nicht. Das zeigte sich jüngst vor dem Amtsgericht in Wermelskirchen. Dort musste sich ein 89-jähriger Mann aus Wermelskirchen verantworten, der im Juni des Vorjahres am Parkplatz neben dem Bürgerzentrum beim Einparken einen anderen Wagen touchiert haben soll, so dass an dem geparkten Fahrzeug ein Schaden in Höhe von rund 930 Euro entstanden sei.

„Andere Personen haben den Angeklagten darauf hingewiesen, dass er gerade einen Unfall gebaut hat. Darauf hat dieser aber nicht reagiert und ist einfach davongegangen“, sagte der Staatsanwalt, als er aus der Anklageschrift vorlas. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, ob er sich zu den Vorwürfen äußern wolle, sagte der 89 Jahre alte Angeklagte zunächst, dass er doch schon bei der Polizei ausgesagt habe – sein Verteidiger trug diese Aussage dann aber doch noch einmal kurz vor.

Er habe gesagt, dass er keinen Aufprall oder Zusammenstoß bemerkt habe. „Und auch, dass man ihn auf den Unfall hingewiesen haben soll, hat er nicht so verstanden. Er hat gedacht, dass es darum gegangen sei, dass er jemandem den Parkplatz weggeschnappt habe“, sagte der Rechtsanwalt. In der Verhandlung ging es dann allerdings im Folgenden etwas durcheinander. Denn der 89-Jährige, der gerade noch über seinen Anwalt hatte ausrichten lassen, dass er von einem Unfall nichts mitbekomme habe, sagte dann, dass er gar nicht weggegangen sei, sondern auf den Geschädigten gewartet habe. „Bei dem Autohändler, wo der Unfall passiert ist“, sagte der Angeklagte. Daraufhin intervenierte der Sohn des Angeklagten, der im Zuschauerraum saß. „Bei meinem Vater ist eine beginnende Demenz festgestellt worden, das scheint mir alles gerade etwas zu viel zu sein“, sagte er.

Die Situation blieb relativ unüberschaubar. Der Staatsanwalt fragte den Angeklagten noch, ob er schwerhörig sei oder Hörgeräte benötige. „Nein, Sie müssen nur ein wenig lauter sprechen“, sagte der 89-Jährige. Die Frage habe natürlich den Hintergrund gehabt, ob der Angeklagte vielleicht wegen einer Schwerhörigkeit nicht mitbekommen habe, dass die Passanten ihn auf den Unfall hin angesprochen hätten. Nachdem der Staatsanwalt auch noch die Lichtbilder des Unfalls begutachtet hatte, sagt er, dass der Schaden zwar kaum sichtbar sei – und auch die Kosten unter 1000 Euro sprächen in diese Richtung. „Allerdings sehe ich keinen Freispruch – wohl aber die Möglichkeit der Einstellung gegen eine geringe Auflage von 300 Euro“, sagte der Staatsanwalt.

Nach einer kurzen Beratung mit seinem Mandanten und dessen Sohn stimmte der Rechtsanwalt diesem Vorschlag zu. Die 300 Euro seien, so der Vorsitzende Richter, binnen zweier Monate an die Landeskasse zu zahlen.

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