Medizin

Gerät macht Krebsvorstufen sichtbar

Chefarzt Stephan Ganz (l.) und Oberarzt Vitaly Markhinin vor dem neuen Kolposkop.
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Chefarzt Stephan Ganz (l.) und Oberarzt Vitaly Markhinin vor dem neuen Kolposkop.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Gynäkologe des Krankenhauses bietet Sprechstunden zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs an.

Wermelskirchen. Die meisten Frauen sind beunruhigt, wenn sie nach der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung die Nachricht bekommen, dass das Ergebnis des Abstrichs nicht in Ordnung war. Abstrich-Untersuchungen, zeigen, ob der Gebärmutterhals Veränderungen aufweist – und somit Krebsvorstufen oder bereits bösartige Dysplasien, also Zellveränderungen.

Die gynäkologische Abteilung des Krankenhauses Wermelskirchen hat zur besseren Abklärung solcher Zellveränderungen jetzt eine Dysplasie-Sprechstunde eingerichtet. Unterstützt werden die Mediziner in der Diagnostik von einem hochmodernen Video-Kolposkop, das schon kleinste Veränderungen am Gebärmutterhals auf dem Bildschirm sichtbar macht. „Die können der Patientin auch gleich erklärt werden“, sagt Stephan Ganz, Chefarzt der gynäkologischen Abteilung des Krankenhauses.

Im Bereich des Gebärmutterhalses bilden sich besonders leicht Zellveränderungen. „In den allermeisten Fällen ist das die Folge einer Infektion mit bestimmten humanen Papillomviren (HPV)“, erläutert Ganz. Die Veränderungen an der Schleimhaut des Muttermundes können unterschiedlich stark ausfallen. Sind die Zellveränderungen bösartig, spricht man von Gebärmutterhalskrebs.

Zulassung für die Krankenkassen hat lange gedauert

Ab einer bestimmten Vorstufe führen die Gynäkologen eine so genannte Konisation am Gebärmutterhals der Frau durch, das heißt, das auffällige Gewebe wird als kegelförmiger Ausschnitt als Probe entnommen und das umliegende Gewebe untersucht. „Diesen operativen Eingriff erleichtert uns natürlich auch das Kolposkop, das uns Bilder in Full-HD liefert“, sagt Vitaly Markhinin. Der gynäkologische Oberarzt übernimmt die Koordination der Dysplasie-Sprechstunde an der Königstraße. Denn die ist personengebunden. „Die Ärzte müssen einen entsprechenden Kurs absolvieren – am Ende steht ein Diplom“, berichtet Stephan Ganz. Das hat Vitaly Markhinin erworben. Das Kolposkop ermöglicht auch dem Operateur einen minimal-invasiven Eingriff. Das heißt: möglichst wenig verletztes Gewebe, aber höchstmögliche Präzision. „Das ist besonders für Frauen entscheidend, die noch einen Kinderwunsch haben“, unterstreicht der Mediziner.

Allerdings: Nicht nur die Qualifikation für die Sprechstunde war langwierig; auch die Zulassung für die Krankenkassen hat gedauert. Ganz: „Die Kassenärztliche Vereinigung musste erst einmal regional abklären, ob überhaupt Bedarf für das Angebot besteht.“ Das war der Fall, denn die Sprechstunde mit hoch auflösendem Gerät bieten bislang nur vereinzelte Kliniken und größere Praxen an. „Der Vorteil bei uns ist, dass wir alles aus einer Hand anbieten können“, betont Stephan Ganz. „Von der Diagnose bis zur Therapie.“ Er sagt auch, dass nicht bei allen Krebsvorstufen ein operativer Eingriff notwendig sei. „Wir entnehmen vorher etwas Gewebe“, erläutert er. Bei bestimmten Vorstufen sei es möglich, dass sich das auffällige Gewebe von selbst zurück entwickle, unterstützend gäbe es auch Medikamente. „Mit regelmäßigen Abstrichkontrollen in der Folge schauen wir dann, ob es dabei bleibt“, sagt Stephan Ganz.

Frauen, die regelmäßig zur Vorsorge gehen, könnten damit verhindern, dass sich bei ihnen ein so genanntes Cervix-Karzinom, also ein Gebärmutterhalskrebs, entwickele. Leider würden das nicht alle Frauen beherzigen. „Gerade bei Frauen jenseits der 60 sehen wir leider häufiger weit fortgeschrittene Karzinome des Gebärmutterhalses, weil sie keine Notwendigkeit mehr darin sehen, zur gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung zu gehen“, berichtet Stephan Ganz. Das sei aber ein fataler Fehler. „Der Krebs macht ja vor dem Alter nicht Halt. Im Gegenteil ist es gerade auch nach den Wechseljahren wichtig, weiter zur Vorsorge zu gehen. Und bei Beschwerden, wie unklaren Blutungen, selbstverständlich sofort einen Facharzt aufzusuchen.“ So könnten Leben gerettet werden. Vitaly Markhinin weist zudem darauf hin, dass eine Impfung gegen das HPV-Virus gute Dienste erweisen könne: „Sie ist wie einige Impfungen umstritten. Beispiele wie Australien zeigen aber, dass das Virus und damit der Gebärmutterhalskrebs damit quasi ausgerottet werden kann.“

Testverfahren

Der Pap-Test klärt, ob Zellveränderungen vorhanden sind. Der HPV-Test klärt, ob eine Infektion mit Humanen Papillomviren vorliegt. Beide Tests haben ihre Vor- und Nachteile. Seit 2020 ist es Frauenärzten vorgeschrieben, zu dem bereits seit Jahren gängigen Pap-Test einen HPV-Test durchzuführen.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Schritte in die Zukunft

anja.siebel@rga.de

Wenn eine medizinische Abteilung wichtige Schritte in die Zukunft unternimmt, dann ist es die gynäkologische Abteilung des Krankenhauses Wermelskirchen. Seit Chefarzt Stephan Ganz dort das Ruder übernommen hat, geht es im Krankenhaus an der Königstraße fix voran in Sachen modernster Diagnose- und Therapieverfahren.

Ganz hatte bereits bei seinem Dienstantritt Anfang 2021 angekündigt, Diagnose und Therapie für gynäkologische Patientinnen vorantreiben zu wollen. Das ist ihm gelungen. So wurde das Krankenhaus Inkontinenzzentrum. Das heißt, Frauen, die unter Inkontinenz leiden, können dort kompetent und mit modernen Verfahren behandelt werden. Es gibt zudem hochmoderne Untersuchungsgeräte, wie beispielsweise das Ultraschallgerät im Untersuchungsraum oder jetzt das Kolposkop.

Weitere Schritte in Richtung medizinischer Zukunft sind zu erwarten. Ein gutes Gefühl für Patientinnen.

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