Geldumschläge sollen vor Betrug warnen

Andrea vom Stein, Stadtsparkasse Wermelskirchen, und Kriminalhauptkommissarin Claudia Kammann (v. l.) präsentieren die neuen Geldumschläge, die wachrütteln sollen. Foto: Jennifer Preuß
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Andrea vom Stein, Stadtsparkasse Wermelskirchen, und Kriminalhauptkommissarin Claudia Kammann (v. l.) präsentieren die neuen Geldumschläge, die wachrütteln sollen. Foto: Jennifer Preuß

Polizei und Sparkasse wollen insbesondere Senioren sensibilisieren, am Telefon und an der Tür wachsam zu sein

Von Jennifer Preuß

Zunächst mag man denken: „Mir kann so etwas nicht passieren!“ Was viele, die so über den Enkeltrick und Betrugsmaschen am Telefon sprechen, verkennen, ist, dass die Betrüger ihr Handwerk bestens verstehen. Claudia Kammann kennt viele Fälle, in denen die Betroffenen am Telefon so in Angst und Aufruhr versetzt wurden, dass sie einfach nicht mehr klar denken konnten. „Ich habe mal mit einer älteren Dame gesprochen, die sehr gebildet und belesen war“, berichtet die Kriminalhauptkommissarin aus dem Bereich Kriminalprävention und Opferschutz der Polizei im Rheinisch-Bergischen Kreis. „Genau diese Frau hat einen hohen Geldbetrag über den Balkon geworfen. Weil ihr jemand gesagt hat, sie solle das tun.“

In solchen Fällen ist die Scham hinterher groß. Viele Opfer vertrauen sich ihren Angehörigen nicht an. Nicht jeder Fall wird zur Anzeige gebracht. Claudia Kammann geht daher auch von einem großen Dunkelfeld im Bereich der Straftaten zum Nachteil älterer Menschen aus.

Umschläge werden ab sofort an den Bankschaltern ausgegeben

Gemeinsam mit der Stadtsparkasse Wermelskirchen versucht die Kreispolizei nun zu verhindern, dass es überhaupt zur Geldübergabe kommt. Will ein Senior oder eine Seniorin einen höheren Geldbetrag vom Konto abbuchen, bleibt meist nur der Gang zum Schalter in der Kassenhalle. Hier werden unüblich hohe Beträge ab sofort in speziellen von der Polizei konzipierten Umschlägen übergeben. Darauf stehen Fragen, die Zweifel an der Geschichte des ominösen Anrufers wecken sollen. „Haben Sie den Geldbetrag abgehoben, weil Sie angerufen worden sind?“, „Sollen Sie das Geld heute noch übergeben?“ und „Hat der Anrufer Ihnen verboten, über den wahren Zweck der Abhebung zu sprechen?“: Das sind nur drei von sechs Fragen, die der Bankkunde besser nicht bejahen sollte. Dann nämlich liegt der Verdacht nahe, dass er oder sie ins Visier eines Betrügers geraten ist. Hier gilt es, sofort die Polizei zu rufen und das Geld nicht zu übergeben.

Denn hat der Betrag erst einmal den Besitzer gewechselt, ist die Wahrscheinlichkeit gering, das Geld jemals wiederzusehen. Die Aufklärung gestaltet sich schwierig. Die Täter operieren meist im Ausland und betreiben dort regelrechte Callcenter für ihre kriminellen Zwecke. Die Anrufer sind „geschickt und rhetorisch gewandt“, berichtet Claudia Kammann. „Meistens finden diese Anrufe spät abends statt, wenn die Senioren bereits schlaftrunken sind. In ihnen werden beispielsweise Ängste geweckt, es könnte bei Ihnen eingebrochen werden. Sobald Emotionen im Spiel sind, reagiert der Verstand nicht mehr.“

Die Corona-Pandemie bietet Kriminellen mehr Anknüpfungspunkte denn je. Gesprochen wird am Telefon über Impfungen, schwere Erkrankungen und Notlagen. Senioren, die sich zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus sozial zurückgezogen haben, sind empfänglicher für Manipulation, so die Masche der Betrüger. Bankangestellte haben derweil auch dazugelernt. Wie Andrea vom Stein, Leitung Organisation bei der Stadtsparkasse Wermelskirchen, beschreibt, hätten die Mitarbeiter im Kundenkontakt ein Gefühl dafür, wenn etwas nicht stimmt. „Wir sprechen die älteren Kunden an, die auf einmal viel Geld vom Konto abheben wollen“, sagt vom Stein. Gerade bei den älteren Herrschaften, die meist schon seit Jahrzehnten zu den Kunden zählen, wisse man, wie hoch die Auszahlungsbeträge normalerweise sind. Entsprechend fallen ungewöhnlich hohe Abhebungen auf. Natürlich könne man niemanden daran hindern, frei über sein Geld zu verfügen. Zumal die Betroffenen in der Regel von den Kriminellen am Telefon so gebrieft wurden, dass sie in der Bank nicht sagen werden, für wen das Geld wirklich ist.

Der neue Geldumschlag könnte daher der entscheidende „Stein des Erwachens“ sein, so Andrea vom Stein. So könnte der eine oder andere Betrugsfall noch in der letzten Minute verhindert werden.

Betrugsfälle

Jedes Jahr zählt die Polizei des Rheinisch-Bergischen Kreises in etwa 100 Straftaten zum Nachteil älterer Menschen. Dazu zählen neben Trickbetrügereien auch Trickdiebstähle. Im vergangenen Jahr wurde ein 87-Jähriger aus Wermelskirchen Opfer eines Telefonbetruges. Er gab bei seiner Bank an, 10 000 Euro zu benötigen, um seine Heizölrechnung zu begleichen. Dass er Opfer eines Betruges wurde, war ihm erst viel später klar, berichtet Polizeisprecher Christian Tholl.

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