Telegrafenstraße

Gegenläufiger Radverkehr ist vom Tisch

Die Telegrafenstraße bleibt für Radfahrer nur einspurig befahrbar. Archivfoto: Ronja Hackländer
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Die Telegrafenstraße bleibt für Radfahrer nur einspurig befahrbar. (Archivfoto)
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Laut Urteil des Verwaltungsgerichts Köln bleibt an der Telegrafenstraße alles wie bisher.

Wermelskirchen. Für Sabine Krämer-Kox ist das Urteil des Verwaltungsgerichts Köln ein herber Schlag. „Das ist für uns passionierte Radfahrer sehr traurig, damit wird man aber auch den Wermelskirchenern keinen Gefallen tun“, resümiert die Vorsitzende der ADFC-Ortsgruppe Wermelskirchen/Burscheid.

Der Grund für ihre Enttäuschung: Die Stadt Wermelskirchen muss den gegenläufigen Radverkehr auf der Telegrafenstraße nicht mehr zulassen und einrichten. Der Richter am Verwaltungsgericht Köln, Dr. Benjamin Theis, hatte am Mittwoch einem seit nahezu zehn Jahren schwelenden Streit vorerst Einhalt geboten.

Zünglein an der Waage ist nun eine Rinne in der Kurve, in der der Brückenweg auf die obere Eich mündet. Dort gebe es einen ebenen, 32 Zentimeter breiten Randstreifen, heißt es im Urteil. Eine „Rinne“ sei aber eben keine Fahrbahn für Radler. Die Spur misst 0,32 Meter. Für den entgegenkommenden Gelenk-Linienbus und das Fahrrad in einer solchen Schleppnetzkurve brauche es mehr Platz. Am 16. März 2021 hatte die Kanzlei Redeker, die die Stadt Wermelskirchen rechtlich in dem Verfahren vertritt, noch einmal darauf verwiesen, dass die Rinne zwar bautechnisch eine Fahrbahn sei, aber für den Radverkehr ungeeignet.

Das Thema „gegenläufiger Radverkehr“ hat in Wermelskirchen eine gefühlt unendliche Historie. Frank Schopphoff, ehemaliger Vorsitzender der ADFC-Ortsgruppe, hatte wie mehrfach berichtet die Stadt Wermelskirchen verklagt, weil eine Mehrheit im Stadtrat entgegen der entsprechenden Anordnung vom 13. April 2011 die Öffnung für den Radverkehr gegen die Einbahnstraße aufgehoben hatte.

Nach jahrelangem Einsatz für die Aufgabe der Einbahnstraße für Radler hatte der passionierte Radfahrer eigentlich – wie in vielen anderen Städten – auch in Wermelskirchen mittelfristig die Öffnung zahlreicher Einbahnstraßen für den gegenläufigen Radverkehr erwartet.

Eine Zeit lang hatten auch scheinbar alle Signale für die Klage des langjährigen Sprechers des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) gegen die Stadt Wermelskirchen gesprochen. So hieß es in einer Vorlage für den Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umweltfragen (18. Juni 2012): „Alle Erfordernisse für den gegenläufigen Radverkehr sind erfüllt“ – der Parkdruck bleibe freilich hoch. Die Polizei sah die Situation nach einem Jahr Probelauf „unproblematisch“. Das Ordnungsamt sah keine negativen Auswirkungen. Abgesehen von fehlenden Fahrradständern haben die Radfahrer das Angebot „gerne angenommen“.

Der Verkehrsplaner sah eine Zunahme des Radverkehrs und positive Auswirkungen für die Außengastronomie, empfahl die Einschränkung des Parkverkehrs und eine durchgehende Radverkehrsanlage durch Markierung. Allerdings blieb der Widerstand einiger Stadtverordneter, so dass die Sache in die nächste Runde ging.

ADFC-Vorsitzende empfindet das Urteil als eine Farce

Sabine Krämer-Kox empfindet das Urteil als „eine Farce“. „Eine Öffnung für Radfahrer hätte auch Vorteile für die Gastronomie und den Einzelhandel gebracht, gerade nach der schwierigen Corona-Zeit mit Schließungen“, führt sie an. „Jetzt“, befürchtet die ADFC-Vorsitzende, „werden die auswärtigen Radfahrer die Innenstadt wohl lieber umfahren und dann eben in Lennep oder Hückeswagen einkehren.“

Die geöffneten Einbahnstraßen seien heute Standard der Radverkehrsplanung. Krämer-Kox: „Wenn man allein nach Burscheid blickt: Da wird das nicht nur schon praktiziert, sondern jetzt auch die Hauptstraße an die Balkantrasse angegliedert. Das nennt man Fahrradfreundlichkeit.“

Für den ADFC sei das Urteil des VG Köln eines von bundesweiter Bedeutung. Es ist das erste, welches deutlich macht: Gegenläufiger Radverkehr – fast überall außer in Wermelskirchen Standard.

Ausblick

Sehr viel lieber als in die mühsam wahrgenommene Vergangenheit richten Frank Schopphoff und Sabine Krämer-Kox (ADFC, OG Wermelskirchen-Burscheid) ihren gemeinsamen Blick in die Zukunft. Auch zuständige Vertreter der Verwaltung haben bereits davon gesprochen, dass es für ein integriertes Gesamt-Verkehrskonzept zuvor eines flächendeckenden Radverkehrsnetzes bedürfe, und zwar dergestalt, dass die Stadt es zum Beispiel Schritt für Schritt etatisieren und angehen könne.

Standpunkt: Ein schlechter Witz

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Es war ja immer schon eine unfassbare Posse, die Wermelskirchen sogar mehrfach in negative bundesweite Schlagzeilen brachte. Die Stadt hat sich mit ihrer vehementen Stellung gegen den gegenläufigen Radverkehr zum Gespött gemacht. Schlicht deshalb, weil absolut nicht einzusehen ist, warum in Wermelskirchen nicht das möglich sein soll, was in anderen Städten völlig problemlos und unbürokratisch funktioniert. Und wer jetzt meint, der WGA habe sich entgegen anderslautender Ankündigung heute doch einen Aprilscherz erlaubt: Es ist nicht so. Man hat tatsächlich wieder einen Grund gefunden, warum es gerade in Wermelskirchen nun nicht möglich ist, entgegen der Fahrtrichtung Rad zu fahren. Aber Sabine Krämer-Kox hat völlig recht: Die Stadt wird sich damit keinen Gefallen tun. Da kann man Radwege beschildern, wie man will. Die Radler werden ihr Erfrischungsbier dann eben in Lennep oder Hückeswagen zu sich nehmen. Pech gehabt.

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