Historisches Datum

Gedenken an Opfer der Pogromnacht

Zum fünften Mal findet dieses Jahr das Gedenken an die Pogrome statt.
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Zum fünften Mal findet dieses Jahr das Gedenken an die Pogrome statt.
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Am 9. November wird am Markt an die ermordeten und verfolgten Menschen der NS-Zeit erinnert

Von Susanne Koch

9. November 1938. In der Nacht zogen SS-Schärgen durch Deutschlands Städte. Auch eine aufgeheizte Menge von Bürgerinnen und Bürgern beteiligten sich in vielen Gemeinden. Sie schmissen Fensterscheiben jüdischer Geschäfte ein, plünderten zum Teil die Warenbestände, verwüsteten Wohnungen jüdischer Mitbürger und steckten Synagogen in Brand. Viele Juden starben in dieser Nacht.

Zum fünften Mal wird am kommenden Mittwoch, 9. November, in Wermelskirchen an diese Zeit gedacht. Alle, die mitmachen wollen, treffen sich um 18 Uhr am Markt in Wermelskirchen. Denn auch in Wermelskirchen wurden Juden verfolgt, kamen jüdische Mitbürger zu Tode.

„Als ich mein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der evangelischen Gemeinde vor sechs Jahren absolvierte, stellte ich fest, dass es in Wermelskirchen noch keine Gedenkveranstaltung an die Pogrome am 9. November gab“, sagt Tim Philipp, der heute Theologie in Heidelberg studiert.

„Ich habe Pfarrerin Almuth Conrad gefragt, und sie war sofort einverstanden damit, dass wir eine Gedenkveranstaltung auch in Wermelskirchen initiieren.“ Das war 2018. Seitdem wird in Wermelskirchen an jedem 9. November der ermordeten und verfolgten Menschen durch die Aktiven des Nationalsozialismus gedacht.

„Ich finde es wichtig, dass wir uns auch heute immer wieder an unsere Vergangenheit erinnern und besonders an die Opfer denken, damit das, was damals geschah, niemals in Vergessenheit gerät und auch niemals wieder eine Chance hat, sich zu wiederholen“, sagt Tim Philipp.

Der Theologiestudent kannte solche Veranstaltungen bereits aus seiner Heimatstadt Brühl. „Und ich habe mich im Geschichtsunterricht schon sehr intensiv mit dem Holocaust auseinandergesetzt.“ Eine starke Motivation für ihn sei auch, dass die rechte Szene in Deutschland immer stärker werde. „Das sehen wir auch in Radevormwald, wo sich eine starke rechtsradikale Szene gebildet hat“, sagt Tim Philipp. Er komme mit der Haltung – „das ist doch schon so lange her, da haben wir doch heute nichts mehr mit zu tun“ – nicht klar.

Am kommenden Mittwoch wird Bürgermeisterin Marion Lück ein paar Worte am Markt sprechen. „Herbert Reul, der Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen, wird auch an der Veranstaltung teilnehmen“, sagt der Theologiestudent. „Wie in den vergangenen Jahren auch wird Pfarrerin Almuth Conrad eine Andacht halten. Und dann werden wir die Namen der Opfer, die wir kennen, vorlesen.“

In den vergangenen Jahren seien es um die 100 Menschen gewesen, die zur Gedenkveranstaltung „Unvergessen“ gekommen sind. „Wir hoffen natürlich, dass das Interesse nicht nachlässt“, sagt Tim Philipp. „Denn es ist wichtig, dass wir das Wissen und dann natürlich auch das Gedenken an die Pogrome und den Holocaust an die jüngere Generation weitergeben.“

In Wermelskirchen sind bereits zwölf Stolpersteine in die Erde eingelassen, der letzte wurde am 25. Oktober dieses Jahres für Karl Noske gelegt. „Wir gehen davon aus, dass noch mehr Menschen im Dritten Reich verletzt, ermordet oder vertrieben wurden“, sagt Tim Philipp.

Die Kulturinitiative Wermelskirchen sowie der Bergische Geschichtsverein sind auch immer wieder mit dem Themenkomplex um die Opfer des Nationalsozialismus befasst. Sie luden beispielsweise zum 80-jährigen Gedenken an die Pogromnacht 2018 zu einer szenischen Lesung ein. „Ich finde es gut und richtig, wenn sich noch möglichst viele Gruppen damit auseinandersetzen“, sagt Tim Philipp.

Mittwoch, 9. November, 18 Uhr am Markt

Online-Führung

Armin Himmelrath ist Mitglied des Vereins Bergische Zeitgeschichte. Er wird am Sonntag, 13. November, von 11 bis 12.30 Uhr mit Interessierten eine Online-Führung durch die City zu den Stolpersteinen und den Geschichten, die dahinterstecken, machen. Anmeldung unter Tel. (0 21 96) 9 47 04-0; www.vhs-bergisch-land.de.

Standpunkt von Susanne Koch: Ein wichtiger Tag

susanne.koch@rga.de

Der 9. November ist ein ganz wichtiges Datum in der bundesdeutschen Geschichte: Denn 1938 wurden Glasscheiben jüdischer Geschäfte eingeschmissen, die Läden wurden ausgeplündert, Synagogen wurden in Brand gesetzt, jüdische Mitmenschen verletzt und getötet. Zu Recht gedenkt man auch 2022 noch dieser Gräuel. Denn eines darf nie wieder passieren: Die Geschichte darf sich nicht wiederholen.

Dabei fürchten sich leider heute schon wieder jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger. Männer, die eine Kippa tragen, werden attackiert und jüdische Gräber mit Nazisymbolen beschmiert. Bis heute ist jüdisches Leben in Deutschland so gefährdet, dass beispielsweise jüdische Schulen und Synagogen bewacht werden müssen.

Leider ist unsere Gesellschaft noch weit davon entfernt, dass jüdische Menschen ohne Ausgrenzungen und Anfeindungen unter uns leben können. So lange sind Gedenkveranstaltungen sehr wichtig.

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