Corona

Gastronomin: „Vor allem emotional ist es kaum tragbar“

Anna Fanelli sorgt sich um die Zukunft ihres Restaurants. Foto: Christian Vogeler
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Anna Fanelli sorgt sich um die Zukunft ihres Restaurants.

Corona-Situation spitzt sich zu – Restaurantbetreiber bemerken das deutlich.

Von Anja Carolina Siebel

Anna Fanelli macht keinen Hehl daraus, dass sie derzeit frustriert ist. Die sich immer weiter zuspitzende Corona-Situation macht der Gastronomin (ToscaAnna) zu schaffen. „Und das geht auch den meisten meiner Kollegen so“, sagt Fanelli, die mit vielen Wermelskirchener Kollegen vernetzt ist. Das Schlimmste für sie: „Wir können nicht planen, müssen das in unserem Job aber eigentlich.“ Zutaten für die Speisekarte könne sie nur bedingt einkaufen und nicht auf Vorrat, weil sie ja gar nicht wisse, wie es nun weitergehe.

„Wir haben uns zudem entschlossen, ab dieser Woche unser Restaurant mittags wieder zu schließen, denn die Gäste bleiben dann aus. Wir haben mittags sonst vornehmlich Geschäftskunden, aber die sitzen ja jetzt fast alle im Homeoffice.“

Am Freitag wurde eine Feier mit 30 Leuten abgesagt

Weihnachtsfeiern und Familienfeste würden jetzt reihenweise abgesagt. „Und das meist sehr kurzfristig, weil natürlich alle erst mal abwarten, was eventuell von der Regierung kommt“, schildert Fanelli ein recht aktuelles Problem. „Das ist vonseiten der Gäste verständlich, für uns aber katastrophal, weil wir natürlich alles vorbereitet haben.

Gerade am Freitag wurde eine Weihnachtsfeier mit 30 Leuten abgesagt, die eigentlich am Samstag hätte stattfinden sollen.“ Auf den frischen Zutaten bleiben die Gastronomen dann sitzen. Ein weiteres Problem sei das fehlende Personal: „Die Mitarbeiter wollen natürlich einen krisensicheren Job haben, aber den können wir Gastronomen ihnen zurzeit leider nicht bieten.“ Entsprechend könne sie auch für das Frühjahr jetzt keine neuen Mitarbeiter finden.

Für die Weihnachtszeit war auf der Plattform vor dem Restaurant eigentlich ein kleiner Glühweinausschank geplant gewesen. „Aber das können wir jetzt auch nicht machen, weil wir bei solchen Veranstaltungen im Außenbereich kaum die vorgeschriebene 2G-Regel einhalten können.“

Nur geimpfte oder genesene Personen dürfen seit dieser Woche die Innengastronomie nutzen. Die Gäste würden das zum Großteil akzeptieren. „Aber man merkt auch, dass viele trotzdem Sorge haben und gar nicht mehr auswärts essen gehen möchten“, sagt sie.

Fast zwei Jahre Corona-Pandemie hätten vielfältige Spuren bei den Gastronomen hinterlassen. „Die eine Seite sind natürlich die wirtschaftlichen Probleme, die sich nach fast zwei Jahren Pandemie für alle von uns mehren“, spricht die Gastronomin auch für ihre Kollegen. „Die andere Seite ist aber die emotionale. Die Situation zehrt dermaßen an den Nerven, für uns alle ist das, denke ich, kaum mehr tragbar.“

Fanelli glaubt, dass in naher Zukunft der eine oder andere Gastwirt auch in Wermelskirchen das Handtuch werfen und sein Geschäft schließen wird. „Wenn man abends durch die Stadt fährt, sieht man schon, dass viele bereits geschlossen haben, zu Uhrzeiten, wo früher noch alles geöffnet war.“

Anna Fanelli versucht nun zusätzlich, mit einem Online-Handel mit nachhaltigen italienischen Produkten Fuß zu fassen. „Ich muss abwarten, ob das ein zweites Standbein werden könnte. Es ist auf jeden Fall schwierig.“

Standpunkt: Schwierige Zeiten

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Die Hoffnung war groß, als im Frühsommer die Impfungen Fahrt aufnahmen, das Wetter vielfach mitspielte und die Restaurants und Lokale sich wieder füllten. Die Gastronomen, die schon in der Anfangsphase der Corona-Pandemie so viel Mühe und Geld in die Sicherheit ihrer Betriebe gesteckt hatten, atmeten allesamt etwas auf. Die jetzt wieder stark ansteigenden Zahlen lassen sie indes einmal mehr resignieren. Zu Recht. Ein Schuldiger ist wie in dieser ganzen vertrackten Situation kaum auszumachen. Fest steht aber: Den Geschäftsleuten fehlt wie eigentlich allen Menschen dieser Tage eine klare Linie. Die Politik hat versäumt, den Sommer für ein handfestes Krisenmanagement zu nutzen. Es gibt keine Strategien, keine klaren Handlungsanweisungen und vor allem: keine Perspektive. Alles ist im Grunde wieder so unsicher wie vor einem Jahr. Und ein Ende dieser Problematik ist auch erst mal nicht in Sicht. Es wird eine bittere Pille sein, die wir in Zukunft alle schlucken müssen: Betriebe werden über kurz oder lang schließen, Kulturveranstaltungen wird es möglicherweise nicht mehr in bekannter Fülle geben. Warten wir es ab. Wie immer.

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