Corona-Pandemie

Gastronomen müssen in der Krise kämpfen

Anna Fanelli möchte ihren Kunden größtmögliche Sicherheit bieten. Foto: Claudia Ast
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Anna Fanelli möchte ihren Kunden größtmögliche Sicherheit bieten.

Aufgeben ist für die meisten aber auch in der Krise keine Option.

Von Anja Carolina Siebel

Ein bisschen Resignation schwingt mit in der Stimme von Gastronom Manuel Lopez Rodriguez. Der Spanier, der mit seiner Ehefrau die Granada Tapas-Bar an der Thomas-Mann-Straße, Ecke Remscheider Straße führt, ist – trotz aller Anstrengung und Herzenswärme für sein Lokal – müde geworden in der Corona-Pandemie. „Im Sommer hatte sich alles ein bisschen entspannt“, berichtet er von vorsichtigem Optimismus während der wärmeren Monate.

Rodriguez hatte nach dem Lockdown im Frühjahr und der Wiedereröffnung im Mai erfolgreich für seine Außengastronomie gekämpft – und seine Gäste hatten das Konzept auch gern wahrgenommen. Nun steigen die Corona-Infektionszahlen auch im Rheinisch-Bergischen Kreis wieder mächtig an - und die Zeiten, in denen man seine Gerichte und Getränke im Freien genießen konnte, sind vorbei. „Ich muss jetzt vielen Gästen einen Korb geben“, erzählt der Gastronom auf Nachfrage. Denn: Er achte akribisch darauf, dass in seinem Restaurant das vorgegebene Hygienekonzept eingehalten würde. Und das beinhaltet unter anderem, dass nur maximal fünf Leute an einem Tisch Platz nehmen dürfen. Rodriguez: „Das bedeutet leider auch, dass, wenn eine sechsköpfige Familie kommt, ich diese nicht bewirten darf.“ Einige Reservierungen musste der Wermelskirchener mit spanischen Wurzeln deshalb schon zurückweisen. „Das ist natürlich bitter. Ich bin jetzt gespannt, was noch kommt.“

Zurückhaltend abwartend ist auch Anna Fanelli, die zusammen mit ihrem Mann das ToscAnna an der Oberen Remscheider Straße betreibt. „Ich baue darauf, dass unsere Gäste weiterhin ihr Essen auswärts genießen wollen“, bleibt sie optimistisch. „Aber wir bemerken natürlich auch, dass es ruhiger wird.“ Der Betrieb, der in ihrem Restaurant herrsche, sei immer auch abhängig von den aktuellen Nachrichten, hat sie beobachtet. „Wenn es wieder viele Berichte über steigende Zahlen und Warnungen gab, bleibt es eher leer bei uns.“

Vorgesorgt in der Pandemie haben auch die Fanellis. Zum Beispiel bewirten sie ihre Gäste in zwei Schichten: Die erste Schar kommt zwischen 17 und 20 Uhr, die zweite zwischen 20 Uhr bis Ende. Und: Die Registrierung sowie Bestellung der Gäste erfolgt über QR-Codes digital. Wenn sich die Gäste an den Tisch setzen, können sie einen QR-Code mit ihrem Smartphone scannen. Dann öffnet sich ein Formular, in das die Tischnummer, ein Benutzername und ein Passwort eingegeben werden muss. Fanelli: „Der Gast kann selbst entscheiden, ob er ein Benutzerkonto anlegen möchte, das zukünftige Registrierungen vereinfacht, das muss er aber nicht.“

Im Dimitra wird derzeit viel Essen bestellt

Alle Daten werden hochverschlüsselt gespeichert und nach vier Wochen automatisch gelöscht. „Kunden ohne Smartphone können von uns auch Tablets bekommen“, sagt Fanelli.

Auch Dirk Götz von der Centrale bemerkt, dass es zunehmend leerer wird in seinem Räumen. „Den ganz großen Betrieb wie im Sommer, den gibt es jetzt nicht mehr.“ Zudem räumt er ein: „Uns fehlen natürlich auch die großen Veranstaltungen, wie die Herbstkirmes oder die Musiktour. Das waren für uns natürlich immer große Einnahmequellen.“ Aufgeben ist für den Wermelskirchener indes absolut keine Option. Ebensowenig will er Mitarbeiter entlassen. „Wir haben die Leute teils in Kurzarbeit geschickt, klar, das musste sein. Aber wenn ich jemanden entlasse, dann fehlt er mir doch in ein paar Monaten, wenn es wieder losgeht. Denn dass es wieder losgeht irgendwann, darüber sind wir uns doch alle einig.“

Im griechischen Restaurant Dimitra setzt man indes auf Bestellungen. „Wir beobachten, dass viele Gäste derzeit Essen bei uns vorbestellen und nach Hause holen“, berichtet Chefin Xenia Dimou. „Wir begrüßen das, weil es ja auch keinen Sinn hat, wenn die Gäste mit einem mulmigen Gefühl im Restaurant sitzen und den Besuch doch nicht genießen können.“ 

Sperrstunde

Nach Klagen gegen Sperrstunden in Gaststätten und Bars in NRW will das zuständige Oberverwaltungsgericht Anfang der Woche Medienberichten zufolge eine Entscheidung verkünden. Mehrere Gastronomen klagen per Eilverfahren gegen die seit dem 17. Oktober geltende Corona-Schutzverordnung. In Kommunen mit hohen Neuinfektionszahlen gilt eine verpflichtende Sperrstunde zwischen 23 und 6 Uhr.

Standpunkt: Es gibt ein "danach"

Von Anja Carolina Siebel

Gastronom und Kneipenwirt Dirk Götz hat etwas Wunderbares gesagt: „Ich muss ja auch noch Mitarbeiter haben, wenn es irgendwann wieder losgeht“, begründete er seine Entscheidung, in der Krise keine Mitarbeiter zu entlassen. „Denn dass es wieder losgeht, darüber sind wir uns doch alle einig.“ Natürlich sind wir das. Und wie es dann weitergeht.

anja.siebel@rga-online.de

Aber um das gemeinsam zu schaffen und auch, nachdem sich alles wieder ein wenig entspannt hat, noch eine attraktive Innenstadt zu haben, müssen auch die Kunden und Gäste ein wenig mithelfen. 

So wie die Einzelhändler darauf angewiesen sind, auch in Krisenzeiten einen gewissen Umsatz zu machen, sind es auch die Gastronomen. Es sollte also selbstverständlich sein, das geliebte Essen beim Italiener entweder hin und wieder dort zu genießen; wem das zu heikel ist, der bestellt eben für zuhause. Und es gibt ja auch noch die Möglichkeit, Gutscheine für später zu erwerben, die sich auch unterm Weihnachtsbaum prima machen. Denn mal ehrlich: Was wäre die Innenstadt ohne ein buntes Angebot an Restaurants und Kneipen und einen florierenden Handel?

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