Pandemie

Gastronomen grübeln über 2G-Regel

„Wir kommen mit der 3G-Regel gut zurecht. Und unsere Gäste auch“, sagt Christian Warnke (Hotel Zum Schwanen). Archivfoto: Roland Keusch
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„Wir kommen mit der 3G-Regel gut zurecht. Und unsere Gäste auch“, sagt Christian Warnke (Hotel Zum Schwanen).
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Ab Herbst könnten die Bestimmungen in der Corona-Pandemie wieder strenger werden

Wermelskirchen. Anna Fanelli würde sich ein bisschen mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft wünschen. „Und Vertrauen“, sagt die Gastronomin. Beides fehlt der Betreiberin des Restaurants TocaAnna derzeit in der Corona-Pandemie – vor allem bei der Diskussion um die Regelungen, die künftig zum Eintritt in Restaurants, Hotels und Clubs gelten sollen. In Hamburg gilt bereits ein 2G-Optionsmodell für die Gastronomie. Das heißt, die Gastronomen haben die Wahl: Lassen sie nur geimpfte und von Corona genesene Menschen ins Lokal, können sie auf Abstände verzichten. Bei Gastronomen und ihren Gästen ist die Regelung indes umstritten.

„Es wäre für uns sinnvoll, wenn dadurch beispielsweise die sehr strengen Abstandsregeln entfallen könnten“, sagt Anna Fanelli. Denn derzeit können die Gastronomen nicht alle Tische in ihren Gasträumen besetzen. Fanelli: „Gerade für kleine Betriebe wie für uns bedeutet das natürlich einen großen Umsatzverlust.“

Andererseits wisse sie auch nicht, wie die Gäste auf noch strengere Bestimmungen durch 2G reagieren. „Es herrscht ja jetzt schon ein rauer Ton oftmals“, berichtet die Gastronomin aus Erfahrung. „Ich würde mir einfach wünschen, dass die Menschen einmal Vertrauen in die Medizin haben und sich impfen lassen – und somit einmal an einem Strang ziehen.“

Auch Christian Warnke (Hotel Zum Schwanen) ist gespannt, wie es in Sachen Corona-Bestimmungen für ihn und seine Kollegen weitergehen wird gen Herbst. „Ich vermute stark, dass es nach der Bundestagswahl rasch mit 2G weitergeht“, kann er sich vorstellen.

Und ergänzt: „Wir haben bisher mit 3G keine Probleme. Die Gäste haben dafür Verständnis und wir können es ja auch nicht ändern. Klar sind sie erstmal entsetzt, wenn sie ihren Impfpass vergessen haben und nach Hause müssen, um ihn zu holen. Aber so sind nun mal die Bestimmungen. Wenn wir kontrolliert werden und gegen die Regeln verstoßen haben, müssen auch wir uns dafür verantworten.“ Gäste-Einbußen durch 2G befürchtet Christian Warnke im Hotel Zum Schwanen nicht. „Ich würde sagen, dass über 80 Prozent unserer Gäste ohnehin geimpft sind. Kaum jemand kommt hier mit einem Test vorbei.“

Hauptsache geöffnet, so lautet die Devise der meisten Gastronomen. Denn der vergangene Herbst und auch Winter mit massiven Umsatzeinbußen wegen des monatelangen Lockdowns hat ihnen allen geschadet. Das bestätigt Thorsten Hellwig, Sprecher des auch für den Rheinisch-Bergischen Kreis zuständigen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Nordrhein-Westfalen, eindeutig. „Für unsere Betriebe ist es jetzt sehr wichtig, weiterarbeiten zu dürfen“, betont er. „Deshalb begrüßen wir die Abkehr bei Bund und Ländern von der reinen Sieben-Tages-Inzidenz hin zu anderen Faktoren. Wir müssen erreichen, dass die Betriebe geöffnet bleiben können.“

Das Wichtigste ist: kein erneuter Lockdown

Denn im vergangenen Herbst und Winter war die Not in der Branche groß. Zu der betriebswirtschaftlichen Enge kamen bei vielen noch Sorgen und Ängste um die Existenz und die Zukunft. Kaum jemand hätte während der Pandemie so viel investiert, um als Unternehmen überleben zu können, wie die Gastronomen und Hoteliers, hatte Hellwig noch im vergangenen Spätherbst betont.

Sie hatten Plexiglasscheiben und Luftfilter angeschafft, für Abstände gesorgt. Jetzt gehe es darum, weitermachen zu können, das bedeutet auch, ausreichend Personal zu haben, sagt Hellwig. Daran mangele es vielen, weil Mitarbeiter während der Schließung gekündigt und sich anderweitig orientiert hätten. Hellwig: „Den verbliebenen oder jenen, die jetzt neu eingestellt werden, gilt es, jetzt eine Perspektive zu bieten. Und das heißt, nicht wieder im November schließen zu müssen.“

2G sieht Hellwig sehr kritisch: „Als Gastgeber wollen wir eigentlich niemanden ausschließen.“

3G-Regel

Derzeit erhalten in Nordrhein-Westfalen nur Geimpfte, Genesene oder Getestete (3G) Zutritt zu Innenräumen von Behörden und anderen Einrichtungen wie Restaurants, Kinos, Fitnessstudios oder Krankenhäusern. Ausgenommen sind Kinder unter sieben Jahren und minderjährige Schüler, die regelmäßig getestet werden. Bei einem niedrigen Corona-Risiko kann die Regelung ausgesetzt werden. Antigen-Schnelltests dürfen nicht älter als 24 Stunden sein, PCR-Tests nicht älter als 48 Stunden.

Standpunkt

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Der Ton in der Corona-Pandemie wird rauer, da hat Gastronomin Anna Fanelli wohl ganz recht. Das wird besonders in den sozialen Netzwerken spürbar, wo sich nicht selten Impfbefürworter und Impfgegner übelst beschimpfen und bekriegen. Was für eine unnötige Energieverschwendung. Wo es doch schon helfen würde, sich hinreichend zu informieren. Bei seriösen Quellen, versteht sich. Und wer das macht, der dürfte eigentlich keinen Zweifel mehr daran hegen, dass eine Impfung gegen das Coronavirus nicht nur für jeden Einzelnen, der nicht durch eine spezielle Erkrankung nicht daran teilnehmen kann, sondern auch für die Gesellschaft praktisch alternativlos ist. Denn es geht jetzt eben nicht darum, mal zu zeigen, wie besonders eigenständig und selbstbestimmt man doch ist und wie wenig man sich um die Meinung von „denen da oben“ schert. „Die da oben“ mögen nicht alles richtig machen. Bei weitem nicht. In der Pandemie haben sie aber sicher nur den einen Wunsch, den sie mit uns allen teilen: Dem Virus seinen Schrecken zu nehmen und so wenig Menschen wie möglich zu gefährden. Und das ist alternativlos.

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