Pandemie

Gastronomen beklagen katastrophale Lage

Anna Fanelli würde gern endlich wieder Gäste in ihrem Restaurant empfangen. Foto: cd
+
Anna Fanelli würde gern endlich wieder Gäste in ihrem Restaurant empfangen.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
    schließen

Aus Sicht des Hotel- und Gaststättenverbandes müssen Öffnungsstrategien her.

Wermelskirchen. Die momentane Situation bezeichnet sie als „katastrophal“. Gastronomin Anna Fanelli (ToscAnna) spricht damit nicht nur für sich, sondern auch für andere Wermelskirchener Gastronomen, mit denen sie durch eine Whatsapp-Gruppe verbunden ist. „Wir tauschen uns aus – und im Grunde geht es uns allen gleich. Wir sind emotional am Tiefpunkt angelangt.“

Daran, dass wie Anfang März angekündigt, zumindest die Außengastronomie nach dem 22. März wieder öffnen könnte, glauben Fanelli und ihre Kollegen nicht. „Die Inzidenzzahlen steigen zum einen ja wieder drastisch, und zum anderen haben wir nicht Hochsommer, sondern März und winterliche Temperaturen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Leute derzeit Spaß daran hätten, draußen zu essen“, sagt die Wermelskirchener Unternehmerin.

Gleichwohl haben die Fanellis wie auch einige andere Wermelskirchener Restaurantbetreiber gerade in einen Ausbau der Außengastronomie investiert, um sie dann, wenn es wieder möglich ist, auch optimal nutzen zu können. „Wir haben also investiert, obwohl wir kein Geld verdienen. Wie lange das gut geht, werden wir sehen.“ Anna Fanelli geht davon aus, dass sie erst dann, wenn sich die Lage beruhigt hat und sie mit ihrem italienischen Restaurant wieder zum Normalbetrieb zurückgekehrt ist, abschätzen kann, ob ihr Restaurantbetrieb auch weiterhin eine Chance hat. „Dann sehen wir ja erst, wie viele Schulden sich angehäuft haben und ob sich das wieder reinarbeiten lässt.“

Verständnis für die Entscheidungen schwindet langsam

Denn fest stehe bisher auch noch nicht, wer nach einer Öffnung überhaupt noch Geld übrig habe zum Essen gehen und ob nicht anfangs die Sorge vor einer möglichen Ansteckung in der Öffentlichkeit nicht doch noch überwiege.

„Mein Verständnis für die Entscheidungen der Bundesregierung und der Länder schwindet allerdings zunehmend“, muss Anna Fanelli zugeben. „Während ich voriges Jahr im Frühjahr noch großes Verständnis für die Maßnahmen hatte, fehlen mir jetzt die Ideen. Es hätte vieles anders laufen können, gerade für uns, die wir doch eigentlich am meisten in Hygienekonzepte investiert haben.“

Als katastrophal bezeichnet auch Thorsten Hellwig, Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbandes Nordrhein, die Situation für die Gastronomen und Hotelbetreiber ein Jahr nach Beginn der Pandemie. Auch er sieht kein Licht am Horizont: „Nur 15 Prozent der nordrhein-westfälischen Gastronomen planen, in den nächsten Wochen ausschließlich ihre Außengastronomie zu öffnen“, rechnet er vor. „Das bietet sich zurzeit einfach noch nicht an.“

Hellwig unterscheidet die wirtschaftliche und die emotionale Lage der Hotel- und Gaststättenbetreiber. „Wirtschaftlich gesehen vermissen wir vor allem die gesicherte Unterstützung“, unterstreicht er. Denn während die Unternehmen die zugesagten Hilfen für November und Dezember jetzt bekommen hätten, sei für das neue Jahr noch kein Geld geflossen.

Ein weiteres Problem sei, dass die Mitarbeiter in der Gastronomie zwar Kurzarbeitergeld bekommen würden, einen Unternehmerlohn gebe es aber nicht.

Auch für die nordrhein-westfälischen Beherbergungsbetriebe habe das Jahr 2021 genauso katastrophal begonnen, wie das Alte endete. Das bestätigen Zahlen von Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt. Vor dem Hintergrund des bevorstehenden Osterurlaubs und der Öffnung der Hotelbetriebe in Ländern wie Spanien fordert der Hotel- und Gaststättenverband deshalb auch eine Öffnungsstrategie für Hotels.

„Wir haben bereits unter Beweis gestellt, dass unsere Hygiene- und Schutz-Konzepte gerade in der Hotellerie zu einem niedrigen Infektionsrisiko geführt haben. Wir können nicht mehr tun, der Staat aber schon“, unterstreicht Bernd Niemeier, Präsident des DEHOGA Nordrhein-Westfalen.

Hintergrund

Geplant war ursprünglich, ab Ende März die Gastronomie schrittweise zu öffnen. Liegt dann der Inzidenz-Wert landesweit oder regional stabil wenigstens unter 100, kann Außengastronomie für Besucher mit vorheriger Terminbuchung gestattet werden. Sitzen an einem Tisch Personen aus mehreren Hausständen ist in diesem Fall ein tagesaktueller Covid-19 Schnell- oder Selbsttest erforderlich.

Standpunkt

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Je länger der Lockdown andauert desto prekärer wird die Lage für die       Unternehmen, die direkt von den Schließungen betroffen sind. Und das sind einige. Während Einzelhändler jetzt zumindest eingeschränkt wieder arbeiten dürfen, sieht es für Gastronomen, Hoteliers und Kulturtreibende, aber auch Messebauer und Veranstaltungsunternehmer oder Schausteller immer noch mau aus. Sie blicken auch angesichts wieder steigender Corona-Infektionszahlen in eine sehr ungewisse Zukunft. Nicht einzusehen ist in der Tat auch, warum sich die Flieger nach Mallorca zunehmend mit Touristen füllen, deutsche Hoteliers aber nach wie vor keine Gäste empfangen dürfen. Gleichwohl sie bereits im Sommer ausgefeilte Hygienekonzepte vorweisen konnten. Und, sich in einem einsam gelegenen Hotel, mit gutem Hygienekonzept, möglicherweise noch täglich aufs Virus getestet, mal von dem ganzen Corona-Trubel zu erholen, das würde sicher so manch einem gut tun, den es nicht unbedingt nach „Malle“ zieht. Bleibt zu hoffen, dass nicht das Gros der Hotels und Restaurants das Handtuch geworfen hat, wenn öffnen wieder möglich ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Inzidenz: Gastronomen fürchten Lockdown
Inzidenz: Gastronomen fürchten Lockdown
Inzidenz: Gastronomen fürchten Lockdown
Steinco: Bereiche sollen verkleinert werden
Steinco: Bereiche sollen verkleinert werden
Steinco: Bereiche sollen verkleinert werden
Unterburg: Einsatz für Retter belastend
Unterburg: Einsatz für Retter belastend
Unterburg: Einsatz für Retter belastend
Corona: 14 weitere Fälle im Kreis
Corona: 14 weitere Fälle im Kreis

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare