Gastfreundschaft ist ein bisschen zu viel des Guten

Das Bild entstand in den Bergen von Albanien. Fotos (2): Valeria Schulte-Niermann
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Das Bild entstand in den Bergen von Albanien. Fotos (2): Valeria Schulte-Niermann

Valeria Schulte-Niermann und Thomas Hainski berichten diesmal von ihren Erlebnissen in Albanien

Von Valeria Schulte-Niermann

Auf einem Campingplatz in Kroatien hörten wir mal wieder allerlei Gerüchte. Man könne nicht durch Bosnien-Herzegowina durchreisen, in Montenegro gäbe es zu viele Infizierte, von Albanien nach Montenegro müsse man in Quarantäne. Da es an den Grenzen eh immer anders ist, als man hört, versuchten wir es.

Durch Bosnien-Herzegowina kamen wir wieder im Transit ohne Probleme durch; auch nach Montenegro verlief alles reibungslos.

Ein Deutscher, den wir im Durmitor trafen und der sich um die Entwicklung der montenegrinischen Nationalparks kümmerte, erzählte uns, dass normalerweise jede Menge los wäre. Einheimische Touristen kämen nicht, da für sie Natur Arbeit bedeute – und so vergraben sie auch ihren Müll in den Bergen. Aber das Bewusstsein für Umweltverschmutzung werde besser, versicherte er uns.

Dass Montenegro in dieser Hinsicht schon erheblich weiter ist als andere osteuropäische Länder, merkten wir, als wir nach Albanien einreisten. Der Grenzübergang verlief reibungslos. Erst wurden alle Pässe eingesammelt, dann uns wieder ausgehändigt und wir konnten fahren. Wir sahen längere, breitere Täler und mehr Landwirtschaft als in Montenegro. Aber auch dieselbe Trockenheit wie in Kroatien. Mehr Müll, Tiere auf den Straßen und riskante Fahrmanöver auf den volleren Straßen. Man könnte meinen, man gewöhne sich nach einiger Zeit an diese Begebenheiten. Doch mir stießen sie zu sehr auf. Ich konnte und wollte nicht die Augen vor dem Müll verschließen, wie ich es vor den Fahrweisen tat. Ich wollte nicht abstumpfen. In der Luft lag immer wieder der Gestank von Müll, Feuer, Verwesung und Abgasen.

Unsere Urlaubsbekanntschaft aus Kroatien trafen wir übrigens nicht mehr wieder – sie hatte schon den Weg nach Hause angetreten. Doch wir begegneten zwei VW-T4-Fahrern, mit denen wir einige Offroadstrecken antraten. Es ist eben angenehmer, auf einer anspruchsvollen Piste im albanischen Hinterland nicht nur mit einem Fahrzeug unterwegs zu sein.

Wer als Erster winkt, dem wird auch ein Lächeln geschenkt

Nach einer schnellen Verabschiedung in Tirana fanden wir leider nicht wieder mit ihnen zusammen. So machten wir uns allein auf den Weg gen Süden. Mit Einheimischen haben wir auch so unsere Erfahrungen gemacht. Wenn man als Erster winkt, winken sie auch zurück und schenken uns auch ein Lächeln. Auf einer Offroadtour sprach uns ein älterer Mann auf Albanisch an. Wir konnten nur „Café Raki“ aus seinem Redeschwall heraushören. Wir willigten auf seine Einladung ein, in der naiven Hoffnung, um den Schnaps, der uns nicht schmeckt, drumherum zu kommen. Wir saßen in seinem Hof und seine Frau bediente Thomas mit Raki, mich mit Vor-Raki (soweit wir es verstanden) und uns beide mit Espresso.

Er redete weiter auf Albanisch auf uns ein und gestikulierte mit für uns unverständlichen Zeichen. So war die Geste für Brot, „buk“, ein Schlagen der Finger auf den Mund. Erst als sie das Essen brachten, verstanden wir. Seine Gastfreundschaft in allen Ehren, doch es war zu viel des Guten. Aus Freundlichkeit aßen und tranken wir weiter. Unser „Nein“ wurde nicht akzeptiert. Wir sollten ihren Honig probieren und nahmen ein wenig auf einen Löffel. Unserem Gastgeber war das wohl nicht genug und so wurde mir ein voller, tropfender Löffel Honig vor den Mund gehalten. Ich konnte noch ein wenig ablecken, doch mehr ging nicht vor Übersättigung, Überzuckerung und Übelkeit.

Seine Frau verstand zum Glück und überzeugte ihn, aufzuhören. Nach mehrmaligem Aufstehen konnten wir schließlich gehen und bekamen noch Brot und Mirabellen geschenkt. Da die weitere Autofahrt über sehr groben Schotter ging und das Auto dementsprechend schaukelte, wurde meine Übelkeit immer schlimmer. Wir pausierten, tranken Wasser und unsere Mägen konnten sich allmählich erholen . . .

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