Energie

Gas-Stopp: Stadt will vorbereitet sein

Das Hallenbad könnte nach den Sommerferien geschlossen bleiben.
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Das Hallenbad könnte nach den Sommerferien geschlossen bleiben.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Das Hallenbad könnte nach den Sommerferien geschlossen bleiben – aber nicht dauerhaft, heißt es.

Wermelskirchen. Dauerhaft schließen wolle man das Quellenbad aufgrund steigender Energiepreise nicht. Das erklärt Stadtsprecherin Kathrin Kellermann auf WGA-Nachfrage. Allerdings könnte es passieren, dass das Bad auch nach den Sommerferien erst mal geschlossen bleibt. „Das wäre dann nur eine Vorsorgemaßnahme, die angedacht ist, sollte sich die Gasmangellage nach dem 21. Juli verschärfen“, sagt Kellermann.

Im Augenblick werden russische Gaslieferungen nach Deutschland für zehn Tage eingestellt. Der Grund: Die Pipeline „Nord Stream 1“ wird planmäßig gewartet. Ob danach wieder Gas geliefert wird, ist offen – und das Ganze entwickelt sich bundesweit zu einem Überraschungspaket.

Kellermann: „Die Stadt entwickelt aktuell verschiedene Vorsorge-Maßnahmen, um auf die drohende Gasmangellage vorbereitet zu sein. Und da laut Bundesplanungen im Ernstfall sogar Unternehmen schließen müssen, ist das Hallenbad natürlich in den Überlegungen, um Energie zu sparen. Aktuell warten wir – ebenso wie andere Städte und Kommunen – ab.“

Verzichten wolle man auf ein Hallenbad wegen der unsicheren Lage auf dem Energie-Sektor jedoch dauerhaft nicht. „Ganz im Gegenteil“, heißt es aus dem Rathaus. Vor allem die Corona-Zeit habe gezeigt, wie wichtig es sei, ein Schwimmbad zu haben, „damit die Kinder schwimmen lernen. Die Warnungen von DLRG und Schwimmvereinen sind allen sehr bewusst im Kopf.“ Umso wichtiger seien auch die Planungen für ein neues Hallenbad, weil dieses deutlich energieeffizienter sein würde.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Quellenbades seien darüber informiert worden, dass das Wasser in den Becken vorerst nicht wie sonst üblich während der Reinigungsphase in den Sommerferien abgelassen wird. Als Stichtag gelte auch dort der 21. Juli, weil es nur Sinn habe, das Wasser abzulassen, wenn das Bad anschließend wieder den Betrieb aufnehme. Eine Reinigung und neue Befüllung koste ja ebenfalls Geld. Die Frage, die sich die Stadtspitze jetzt stelle, sei, wo akut Energie eingespart werden könnte. Innerhalb der Verwaltung läuft wie berichtet bereits seit über einer Woche die Ideenfindung unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Und auch die Umsetzung, um sofort Energie zu sparen“, berichtet Kathrin Kellermann.

Aktuell würden Deckenlicht und sonstige Beleuchtung „nur bei wirklichem Bedarf“ angeschaltet. Weiterhin sei angedacht, noch mehr Bewegungsmelder, zum Beispiel auf Fluren und Toiletten, zu installieren. Beleuchtung, die noch nicht umgerüstet wurde, sei jetzt auf LED umgerüstet worden. Das gelte auch für Straßenlaternen. Es sei eine Möglichkeit, die Laternen später an und früher wieder auszustellen, aber dabei müsse die Stadt auch auf die Sicherheit der Bürger achten, dies sich noch im Dunklen auf den Straßen bewegen. LED sei indes eine Alternative zu herkömmlicher Straßenbeleuchtung, weil deutlich sparsamer.

Warmwasser in städtischen Gebäuden wird gekappt

„Derzeit wird zudem geprüft, ob in der Verwaltung Einzeldrucker ausgeschaltet und nur die Sammeldrucker genutzt werden können“, nennt die Stadtsprecherin weitere potenzielle Maßnahmen zum städtischen Energiesparen. Außerdem seien alle Mitarbeiter angehalten, die Rechner nach Dienstschluss komplett herunterzufahren. Viele würden auch schon Mehrfachsteckdosen mit Schalter nutzen, um abends die Stromzufuhr zu kappen.

Die Warmwasserzufuhr in den städtischen Gebäuden wird wie bereits berichtet zunächst bis zum 15. September abgeschaltet. Die Heizungen seien bereits alle abgeschaltet. Ausnahme sei die WTV-Halle, weil die vermietet sei.

Der einberufene Krisenstab, auch „Stab für außergewöhnliche Ereignisse“, der erstmals zu Beginn der Corona-Pandemie einberufen wurde, sei parallel damit beschäftigt, weiterführende Maßnahmen zu entwickeln, sollte sich die Lage noch weiter verschärfen. Dazu werde es aber erst zu gegebener Zeit Infos geben, heißt es.

Hintergrund

Die zuletzt wichtigste Verbindung für russisches Erdgas nach Deutschland wurde am Montagmorgen abgeschaltet. Grund sind jährlich wiederkehrende Wartungsarbeiten an der Ostseepipeline „Nord Stream 1“, die der Betreiber bereits vor längerer Zeit angekündigt hatte.

Standpunkt von Aja Carolina Siebel: Frühzeitig planen

anja.siebel@rga.de

Was genau nach dem 21. Juni – und auch danach – mit Gaslieferungen passiert, die bis vor kurzem noch recht problemlos nach Europa flossen, steht in den Sternen. Umso wichtiger ist es, darauf vorbereitet zu sein, dass wir in Zukunft nicht mehr auf der Insel der Glückseligen leben dürften, sondern in verschiedenen Bereichen sogar eher zurückstecken werden müssen. Das kennen wir seit Generationen zwar anders, wir können es aber nun mal nicht ändern.

Jammern hilft da nicht, sondern eher frühzeitiges Planen. Zumindest das, was man planen kann. Vorausschauend den Fall der Fälle vorzubereiten und gewappnet zu sein. Das hat nichts mit Panikmache zu tun, sondern ist notwendig geworden.

Die Stadtverwaltung geht mit gutem Beispiel voran, wenn sie jetzt schon überlegt, was am ehesten eingespart werden kann. Denn am Ende wird jede und jeder Einzelne sich das überlegen müssen. Auch hinsichtlich der steigenden Preise.

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